Wirtschaft

WTI folgt Brent nach oben: Ölpreise klettern auf Rekordhochs

Gute US-Konjunkturdaten und eine Entspannung in der Euro-Schuldenkrise treiben die Ölpreise nach oben. Allerdings geben Experten zu bedenken, dass Rohstoffe wegen der erwarteten Rezession in der Eurozone wohl "kein allzu attraktives Investment" sind. Auch Gas wird teurer.

Kugelförmige Tankanlagen auf dem Gelände der Raffineriegesellschft ConocoPhillips in Wilhelmshaven.
Kugelförmige Tankanlagen auf dem Gelände der Raffineriegesellschft ConocoPhillips in Wilhelmshaven.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Hoffnung auf eine Freigabe weiterer Hilfsgelder für Griechenland  hat die US-Rohölsorte WTI am Freitag verteuert. Daneben spekulierten einige Investoren auf einen Angebotsengpass als Folge des Öl-Embargos gegen den Iran, sagten Börsianer. Der Preis für ein Barrel WTI stieg am Nachmittag um 1,2 Prozent auf ein Sechs-Wochen-Hoch von 103,57 Dollar.

Damit holte US-Öl die Entwicklung der Nordsee-Sorte Brent nach, die am Vormittag mit 120,70 Dollar zeitweise so teuer war wie zuletzt im Juni 2011. Hier machten am Freitagnachmittag die ersten Anleger Kasse. Der Brent-Preis gab 0,2 Prozent nach auf 119,82 Dollar.

"Brent reagiert auf eine Kombination von Faktoren", sagte Johnathan Barratt von Barratt's Bulletin. Dazu gehöre die Hoffnung, dass die EU die neuen Hilfsgelder für Griechenland freigeben und damit eine Pleite des Mittelmeer-Anrainers abwenden wird. Außerdem profitiere der Rohstoff vom nachgebenden Dollar und von Spekulationen auf Angebotsengpässe wegen des iranischen Öl-Embargos. Brancheninsidern zufolge kürzen wichtige Abnehmer iranischen Öls bereits vor Inkrafttreten des europäischen Embargos ihre Einfuhren aus dem Land.

Nach zuletzt unerwartet guten US-Konjunkturdaten dürfte in den kommenden Monaten die Nachfrage nach Rohöl in der größten Volkswirtschaft der Welt anziehen, erklärte der japanische Rohstoffexperte Tetsu Emori von der Beratungsfirma Astmax den Preisanstieg beim Rohöl. Er rechnet bis zum Jahresende mit einem Anstieg des US-Ölpreises auf 145 Dollar und von Brent-Öl auf 155 Dollar.

Am Vortag war in den USA die Zahl der Erstanträge auf den niedrigsten Stand seit 2008 und damit auf Vorkrisenniveau gefallen. Zudem haben sich die Hinweise auf eine Einigung beim zweiten Hilfspaket für Griechenland am kommenden Montag verdichtet.

Gold und Platin im Aufwind

Parallel zu den meisten anderen Rohstoffen legte Gold am Freitag zu. Es verteuerte sich um 0,2 Prozent auf 1732,49 Dollar je Feinunze. "Gold verhält sich weiterhin mehr wie ein risikobehaftetes Investment als wie ein sicherer Hafen", schrieben die Analysten der Commerzbank in einem Marktkommentar. Es reagiere stark auf die Kursentwicklung des Dollar sowie auf Nachrichten rund um die Aussichten für die Weltkonjunktur. Daran werde sich kurzfristig wohl nichts ändern, fügten sie hinzu.

Platin verteuerte sich angesichts der gewalttätigen Streiks in der weltgrößten Platinmine sogar um ein Prozent auf 1633,50 Dollar. "Die Rustenburg-Mine steht mit einer geplanten diesjährigen Produktion von rund 920.000 Tonnen für 14 Prozent der gesamten weltweiten Platinproduktion", betonten die Commerzbank-Experten. "Sollte es zu keiner schnellen Einigung kommen, dürfte dies den Platinpreis klar unterstützen."

Höhenflug des Gaspreises geht weiter

Angekündigte Produktionskürzungen trieben den Preis für Erdgas am Freitag um knapp fünf Prozent in die Höhe. Eine Millionen British Thermal Units (BTU) kostete zeitweise 2,69 Dollar. Bereits am Vortag hatte der Preis um knapp sechs Prozent zugelegt.

Am Freitagnachmittag kündigte der größte kanadische Gasförderer Encana an, wegen des Preisverfalls der vergangenen Monate die Produktion um 600 Millionen Kubikfuß täglich zu kürzen. Das Unternehmen folgte damit dem Vorbild von Konkurrenten wie Chesapeake Energy Corp and ConocoPhillips. Der Preis für Erdgas ist aufgrund von Überkapazitäten seit dem vergangenen Sommer um rund 50 Prozent gefallen.

Kupfer-Talfahrt vorerst beendet

Nach fünf Verlusttagen in Folge ist derweil der Kupferpreis auf Erholungskurs gegangen. Eine Tonne des Industriemetalls verteuerte sich um 0,7 Prozent auf 8360 Dollar je Tonne. Weitere kräftige Kursaufschläge seien jedoch nicht zu erwarten, warnte Volkswirt Vishnu Varathan von Mizuho Corporate Bank.

"Eine 'weiche Landung' der chinesischen Konjunktur ist bereits eingepreist." Außerdem werde der harte Sparkurs einiger europäischer Staaten voraussichtlich zu einer Rezession der Eurozone führen. "Vor diesem Hintergrund, sind Rohstoffe kein allzu attraktives Investment."            

Quelle: n-tv.de

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