Wirtschaft
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Opec gibt USA die Schuld: Ölpreise rauschen nach unten

Die Preise für Rohöl sinken weiter : Der Kurs der Sorte WTI rutscht zwischenzeitlich unter die 45-Dollar-Marke, das Nordsee-Öl Brent ist seinem US-Pendant dicht auf den Fersen. Derweil wird immer deutlicher: OPEC und USA ringen um den längeren Atem.

Die Ölpreise setzen ihre Talfahrt fort, können sich aber von ihren Tagestiefs wieder deutlicher erholen. Für ein Barrel der US-Sorte WTI musste zwischenzeitlich so wenig bezahlt werden wie seit sechs Jahren nicht mehr. Auch der Preis der europäischen Referenzsorte Brent behält ihren Abwärtstrend bei.

Auslöser der jüngsten deutlichen Abgaben waren pessimistische Aussagen des Ölministers der Vereinigten Arabischen Emirate. Die Opec werde ihre Fördermenge trotz des jüngsten Ölpreisverfalls unverändert lassen. Andere Förderländer, die nicht Mitglied in der Opec seien, sollten stattdessen ihre Produktion an den Markt anpassen, sagte Suhail Mohamed Faraj al-Mazrouei auf einem Energiekongress in Abu Dhabi.

Die Opec-Staaten sorgten sich zwar um das Gleichgewicht des Marktes, könnten aber nicht die einzige Seite sein, die für dieses Gleichgewicht verantwortlich sei. Die Opec werde an ihrer Strategie festhalten und ihre Fördermenge nicht ändern, sagte al-Mazrouei auf einer Veranstaltung des auf Energiefragen spezialisierten Beratungshauses The Gulf Intelligence. Damit zeige sie anderen Ölförderländern, dass auch diese "rational" vorgehen müssten.

Schieferöl bestimmt den Boden der Preisbildung

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Der Minister brachte ungewöhnlich offen explizit die US-Schieferölproduzenten ins Spiel. Sie legten den Boden der Ölpreise fest. Bislang hatten sich Opec-Vertreter mit derart direkten Aussagen zurückgehalten. Die Haltung der Emirate ist indessen klar: Erst wenn die Förderung von Schieferöl nicht mehr rentabel ist, werden sich die Ölpreise ihrer Meinung nach stabilisieren.

Die mit Spannung erwarteten Aussagen der US-Energiebehörde EIA sorgen nur für wenig Reaktion am Markt. Die EIA senkte zwar ihre Ölpreisprognose für 2015, geht aber für 2016 von einer Erholung des WTI-Preises auf 71 Dollar je Barrel aus. Zudem wird mit einer Steigerung der US-Ölproduktion in den Jahren 2015 und 2016 gerechnet.

Der Preis für ein Fass US-Leichtöl der Sorte WTI liegt mit 45,46 Dollar um 1,3 Prozent unter dem Vortagesniveau. Im Tagestief und damit auf dem tiefsten Stand seit sechs Jahren war das Barrel für 44,20 Dollar zu haben gewesen. Europäisches Referenzöl der Sorte Brent liegt dagegen deutlicher im Minus, auch wenn sich dieses reduziert hat. Aktuell müssen für ein Barrel 46,14 Dollar gezahlt werden, ein Abschlag von 2,7 Prozent. Im Tief war der Preis schon bis auf 45,19 Dollar gefallen.

Anleger verunsichert

Analysten wagen keine Prognose zu einem möglichen Ende des Preisrückgangs. Die Anleger seien so verunsichert, dass sie auf jede negative Nachricht reagierten, sagt Vyanne Lai von der National Australia Bank. Im aktuellen Umfeld, das sich durch hohe Volatilität auszeichne, deute nichts auf eine Erholung hin. Daher sei es zwecklos, einen Boden für den Ölpreis zu bestimmen.

Hinzu komme, dass fundamentale Faktoren, an denen sich der Markt orientieren könnte, derzeit fehlten. Die Preisbewegungen seien ausschließlich vom Sentiment getrieben, fügt die Analystin hinzu.

Selbst die überzeugende chinesische Handelsbilanz vermochte den Ölpreis nicht zu stützen. China, das Land mit dem zweithöchsten Ölverbrauch weltweit, hat im Dezember eine Rekordmenge an Rohöl importiert, wie aus Daten vom Dienstag hervorgeht.

Bereits zu Wochenbeginn waren die Ölpreise um mehr als zwei Dollar gefallen. Zuvor hatte die US-Bank Goldman Sachs ihre Prognose für den Preis des Rohstoffs im Jahr 2015 deutlich abgesenkt. Seit dem vergangenen Sommer sind die Kurse um fast 60 Prozent eingebrochen.

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Quelle: n-tv.de

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