Wirtschaft
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"Aktien übergewichten": Optimisten regieren an den Börsen

Börsianer werden nächste Woche auf den US-Kongress und seine Entscheidung zu Syrien schauen. Hohe Wellen an den Finanzmärkten dürfte ein Ja der Parlamentarier zum Militärschlag aber nicht schlagen. Marktteilnehmer werden eher den Wirtschaftsdaten folgen.

Börsianer erwarten, dass die Hoffnung auf ein beschleunigtes Wachstum der Weltwirtschaft und steigende Unternehmensgewinne den internationalen Aktienbörsen in den kommenden Wochen Auftrieb geben wird. "Zwar bleibt der von der US-Regierung geplante Militärschlag gegen das syrische Regime weiterhin ein potenzieller Risikofaktor", schreiben die Analysten der Landesbank Berlin in einem Kommentar. Aber diesem dürfte "nicht das Gewicht zukommen, um das sich verbessernde Konjunkturumfeld entscheidend infrage zu stellen". Ihre Kollegen von MM Warburg äußern sich ähnlich und raten, Aktien innerhalb des Depots überzugewichten.

Entscheidung über Militärschlag

Alle Augen werden auf den US-Kongress gerichtet sein. Der kommt am  Montag nach seiner Urlaubspause zusammen und soll auf Geheiß von US-Präsident Barack Obama über eine Militärintervention in Syrien entscheiden. Nebenher muss er noch eine Einigung im Budgetstreit der USA erzielen. Dafür hat er nur noch diesen Monat Zeit. Viele Analysten rechnen damit, dass ein "Ja" des Kongresses zu einem Schlag gegen das Assad-Regime zu Unsicherheit an den Finanzmärkten führen wird.

Syrien bombadieren oder nicht? US-Parlamentarier sollen entscheiden.
Syrien bombadieren oder nicht? US-Parlamentarier sollen entscheiden.(Foto: picture alliance / dpa)

Während eine Einigung in der Syrien-Frage auf dem G20-Gipfel nicht zustande kam, rechnen Beobachter wie die Analysten der LBBW damit, dass der US-Kongress diese Entscheidung ziemlich zügig treffen wird. Ihnen zufolge ist die Furcht der Märkte in diesem Punkt allerdings übertrieben.

Aber nicht nur Dax und Dow Jones haben gute Chancen, ihr Plus von 1,5 und ein Prozent der alten Woche auszubauen, wie die Experten der HSH Nordbank betonen. Wegen der zu erwarteten positiven US-Konjunkturdaten werde auch der Dollar weiter aufwerten. Die Weltleitwährung profitiere vor dem Hintergrund der Syrien-Krise zudem von ihrem Status als "sicherer Anlagehafen". Die HSH-Analysten sagen für die neue Woche einen Euro-Kurs zwischen 1,3000 und 1,3250 Dollar voraus.

Die Preise für die Krisenwährungen Gold sowie Öl sind in den vergangenen beiden Wochen jeweils gestiegen, wenn Syrien die erste Geige an den Märkten und in den Medien gespielt hat. Damit ist auch zu rechnen, sollte der Kongress einem Angriff zustimmen.

Positiver Konjunkturtrend

Bei den US-Konjunkturdaten richten Börsianer ihr Hauptaugenmerk auf die Einzelhandelsumsätze am Freitag. Analysten sagen für August eine Beschleunigung des Wachstums auf 0,3 Prozent von 0,2 Prozent im Vormonat voraus. Commerzbank-Analyst Christoph Balz prognostiziert sogar ein Plus von 0,8 Prozent. "Wir gehen davon aus, dass damit die Konsumschwäche der vergangenen Monate überwunden ist." Am Freitag steht außerdem noch der von Reuters und der Universität von Michigan ermittelte Index des US-Verbrauchervertrauens auf der Agenda.

Von den US-Daten der neuen Woche erhoffen sich Anleger Hinweise darauf, ob der Fed-Offenmarktausschuss, der die US-Geldpolitik bestimmt, bereits auf seiner Sitzung Mitte September die geldpolitischen Zügel anzieht. Bislang kauft die US-Notenbank zur Ankurbelung der Konjunktur monatlich Staatsanleihen und Immobilienpapiere im Volumen von 85 Milliarden Dollar auf. Fed-Chef Ben Bernanke hatte angekündigt, den Geldhahn allmählich zuzudrehen, sofern sich die US-Konjunktur weiter erholt.

Staaatsanleihen wenig gefragt

Vor diesem Hintergrund bleibt der Markt für Staatsanleihen Börsianer zufolge angezählt. Ein Militärschlag gegen Syrien werde die Talfahrt der Kurse nur kurzzeitig stoppen, da einige Anleger sicher jede Erholung zum Ausstieg nutzen würden. Europäische Staatsanleihen litten zudem unter den angekündigten Neuemissionen. So will unter anderem der Bund am Mittwoch neue zehnjährige Papiere im Volumen von fünf Milliarden Euro auf den Markt werfen.

Aber nicht nur aus den USA erhoffen sich Investoren positive Konjunktursignale: In China sollen unter anderem die Zahlen zur Industrieproduktion (Dienstag) veröffentlicht werden. Experten erwarten für August ein Plus von 9,9 Prozent nach 9,7 Prozent im Vormonat.

Auftakt der IAA

Auf Unternehmensseite stehen nur wenige Termine auf der Agenda. Der Auftakt der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt rückt die Fahrzeughersteller ins Rampenlicht. Auch Vodafone und Kabel Deutschland dürften das Interesse auf sich ziehen, da in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag die Annahmefrist für die Übernahmeofferte des britischen Mobilfunkers für den Kabelnetz-Betreiber ausläuft.

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Quelle: n-tv.de

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