Donnerstag, 10. Januar 2008
Übernahmegerüchte verleihen Flügel: Rally in mehreren Anläufen
Nach den tiefen Verlusten der letzten Tage haben die US-Börsen am Donnerstag nach Impulsen für eine Rallye gesucht. Dass die Notenbank zu weiteren Zinssenkungen bereit scheint, konnte den Märkten zunächst Auftrieb geben, bevor Skepsis die Gewinne vernichtete - bis Übernahmegerüchte im Finanz- und Airlinesektor die Rallye wieder aufleben ließen.
Der Dow-Jones-Index legte um 118 Zähler oder 0,9 Prozent auf 12 853 Punkte zu. Der marktbreite S&P-500-Index kletterte um 11 Zähler oder 0,8 Prozent auf 1420 Punkte. Die Hightech-orientierte Nasdaq schloss mit einem Plus von 14 Zählern oder 0,6 Prozent bei 2489 Punkten.
Fed-Chef Ben Bernanke hatte den Börsen am Mittag Auftrieb gegeben, als er weitere Zinssenkungen in Aussicht stellte. Angesichts der Wirtschaftsentwicklung in den letzten Wochen sei die Notenbank bereit, die nötigen Schritte zu gehen, um weitere Risiken eines wirtschaftlichen Abschwungs zu vermeiden. Allerdings fraß die Skepsis um Ausmaß und Auswirkungen weiterer Zinsschritte die Gewinne schnell auf.
Am späteren Nachmittag waren es dann jedoch Übernahmegerüchte aus dem Finanzsektor, die die Bullen zurück brachten. Die Bank of America soll laut Wall Street Journal Interesse an dem strauchelnden Hypotheken-Riesen Countrywide Financials haben. Dessen Aktie hat in den letzten drei Monaten wegen massiver Verluste im Subprime-Sektor um 85 Prozent nachgegeben und hatte jüngst sogar Konkursgerüchte durchmachen müssen. Aufgrund der - unbestätigten - Merger-Gerüchte kletterte Countrywide am Donnerstag um 54 Prozent.
Mit der Aktie kletterten auch die übrigen Kredit- und Finanzwerte. Selbst der Kreditkarten-Anbieter Capital One schloss mit einem Plus von 0,7 Prozent. Dabei hatte die Aktie am Morgen deutlich verloren, nachdem das Unternehmen die Gewinnprognosen für das laufende Jahr um 20 Prozent gesenkt hatte.
Zu den Gewinnern im Finanzsektor gehörten auch Citigroup und Merrill Lynch. Beide bemühen sich laut Wall Street Journal um weitere Finanzspritzen aus dem Ausland. Die Dow-notierte Großbank Citigroup arbeitet nach einem 7,5 Milliarden Dollar schweren Investment aus Abu Dhabi an einem weiteren 10-Milliarden-Deal, und Merrill Lynch dürfte nach 6,2 Milliarden Dollar aus Singapur weitere 3 bis 4 Milliarden Dollar empfangen.
Auch bei den Fluggesellschaften gibt es weiter Gerüchte über Zusammenschlüsse. Delta Air Lines soll sich in Verhandlungen mit entweder Northwest Airlines oder Continental Airlines befinden. Die betroffenen Aktien stiegen um jeweils mehr als 20 Prozent. Da bei einer Übernahme eine ganze Konsolidierungswelle ausgelöst werden könnte, legte die Branche allgemein zu.
Im Technologiebereich löste der Abschied des für Übernahmen zuständige Managers bei Microsoft Spekulationen aus. Schon seit längerem gehen Gerüchte um, Microsoft sei an einem Kauf des Suchmaschinenbetreibers Yahoo interessiert. Zusätzlich kommt nun mit Logitech der größte Hersteller von Computermäusen und Zubehör ins Gespräch. Die Aktien von Yahoo und Logitech legten um jeweils 6,5 Prozent zu.
Ansonsten war der Einzelhandel am Donnerstag von Interesse. Hier wurden die Verkaufszahlen für den Dezember bekannt gegeben. Besonders Wal-Mart und Costco, die beide im Niedrigpreissektor angesiedelt sind, konnten ihre Verkäufe steigern. Allgemein ging es dagegen deutlich bergab. Insgesamt haben 73 Prozent der Einzelhändler die Erwartungen verfehlt. Bei Target und J.C. Penney sowie der Kaufhauskette Macy's gab es Umsatzeinbrüche.
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