Wirtschaft

Krise? Was für eine Krise?: Dax kocht weiter hoch

Der Konflikt in der Ukraine, ein enttäuschender ZEW-Bericht oder schwache US-Daten, Anleger kann zur Zeit wenig schrecken. Die deutschen Standardwerte schließen so hoch wie nie zuvor.

Der Druck im Kessel steigt wieder.
Der Druck im Kessel steigt wieder.(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Unbeeindruckt von dem Konflikt in der Ukraine haben sich die großen Börsen weltweit wieder auf Rekordkurs bewegt. Zwar gab es vereinzelt Nachrichten, die die Verunsicherung der Investoren schürten, alles in allem war die Stimmung aber blendend. Die deutschen Standardwerte gaben zwischendurch sogar kräftig Gas. Angesichts der allgemeinen Partystimmung verpuffte dabei selbst der enttäuschende ZEW-Index. Beflügelt von der Hoffnung auf weitere Konjunkturstützen schlossen die deutschen Standardwerte so hoch wie noch nie zuvor in ihrer Geschichte. Zum Allzeithoch fehlten nur noch wenige Punkte.

Der deutsche Leitindex Dax kletterte am Ende um 0,54 Prozent auf 9754,43 Punkte. Der MDax gewann 0,51 Prozent auf 16 596,41 Punkte, während es für den TecDax um 0,65 Prozent auf 1241,80 Punkte nach unten ging.

Neben neuen Rekorden an der Wall Street sorge frischer Optimismus, dass die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik bald weiter lockern könnte, für gute Stimmung, sagte Händler Markus Huber vom Broker Peregrine & Black. Letzteres hatte die Kurse bereits zum Wochenauftakt angetrieben. Einen kleinen Stimmungsdämpfer mitten in der Börsen-Party lieferten die ZEW-Daten. Sie zeigten eine starke Eintrübung der Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten.

Daneben sorgten auch die schwächeren US-Einzelhandelsumsätze für eine leichte Kursbremse. Mit einem Plus von 0,1 Prozent verfehlten sie die Erwartung von 0,4 Prozent. Prinzipiell sei dies "aber nur ein netter Vorwand", sagte ein Händler. Der Markt konsolidiere auf dem aktuellen Niveau und lege sich dementsprechend die Nachrichten zurecht: "Die Retail-Sales im März wurden um dieselbe Differenz nach oben revidiert, also ist eigentlich gar nichts passiert".

ZEW-Index trübt sich ein

Die ZEW-Konjunkturlage verbesserte sich im Mai zwar auf 62,1 von 59,5 Punkten. Erwartet worden war aber ein Wert von 60. Gleichzeitig fielen die wichtigen Konjunkturerwartungen viel stärker als prognostiziert auf 33,1 nach 43,2. Nach Einschätzung der Helaba kommt der Rückgang der Konjunkturerwartungen aufgrund der gestiegenen geopolitischen Risiken in der Ostukraine nicht überraschend.

Die gestiegene Lagebeurteilung lege nahe, dass angesichts des weiterhin sehr hohen Niveaus keine generellen Konjunkturzweifel aufkommen sollten. "Per saldo liefern die heutigen Zahlen aber eine leicht negative Indikation für den in der kommenden Woche zur Veröffentlichung anstehenden Ifo-Geschäftsklimaindex", so Johannes Jander. Zusätzlicher Druck auf die EZB, im Juni weitere Lockerungsmaßnahmen zu beschließen, sollte aber nicht aufkommen, so der Analyst.

Zahlen über Zahlen

Fundamental sprach das Umfeld für steigende Kurse. Nach dem Referendum in der Ostukraine blieben gewalttätige Auseinandersetzungen bislang aus. Zugleich dreht sich das Übernahmekarussel weiter. Wie das "Wall Street Journal" berichtete, steht AT&T kurz vor der Übernahme des Satelliten-TV-Unternehmens DirecTV für 50 Milliarden Dollar. Im Fokus stand in Deutschland daneben weiter der Fortgang der Berichtssaison im Fokus.

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Überflieger im Dax waren ThyssenKrupp mit einem Plus von 4,1 Prozent. Anleger honorierten damit die Rückkehr des Stahlkonzerns in die schwarzen Zahlen. Die höhere Gewinnprognose von ThyssenKrupp für das laufende Geschäftsjahr kommt nach Ansicht eines Händlers zwar nicht unerwartet, dürfte den seit Jahresbeginn bereits um 20 Prozent gestiegenen Kurs aber nochmals stützen. "Die neue Gewinnprognose dürfte bei etwa 1,15 Milliarden Euro liegen. Das ist noch etwas mehr als die aktuelle Konsensschätzung von 1,1 Milliarden Euro", sagte der Händler. Auch die Quartalszahlen selbst überzeugen. Nicht nur die Industriesparte - mit der Ausnahme des Fahrstuhlgeschäfts -, sondern auch das Stahlgeschäft inklusive Steel Americas hätten "vielversprechend" abgeschnitten, sagte Stefan Freundenreich von Equinet.

HeidelbergCement stiegen um 1,4 Prozent nach hohen Kursgewinnen indischer Zementhersteller. Die Branche dort hofft auf einen für sie günstigen Wahlsieg der Partei BJP. Auch die Heidelberger sind 2006 in den indischen Markt eingestiegen und betreiben dort fünf Zementwerke.

Adidas-Aktien setzten ihre Kurserholung fort und legten um 2,1 Prozent zu.

Commerzbank zählten nach langer Unterperformance mit plus 1,1 Prozent ebenfalls zu den Gewinnern. Auf Monatssicht hat der Kurs allerdings auch um rund 20 Prozent nachgegeben. Bei Kursen unter 12 Euro sind nach Aussage eines Händlers im Februar und im März Käufer an den Markt zurückgekommen. "An der Eurex wurden gestern enorm viele Puts auf die Aktie gehandelt", berichtete der Händler. Das Put-Call-Ratio belief sich bei knapp 100.000 gehandelten Optionen auf 8,9.

Eon taucht ab

Nachdem Eon Geschäftszahlen vorgelegt hatte, fielen die Aktien des Versorgers um 1,3 Prozent. Michael Schäfer von equinet sprach von soliden Geschäftszahlen, aber einem unverändert schwierigen Umfeld in Europa und außerhalb. Am Wochenbeginn hatte eon zudem bekanntgegeben, weitere 200 Millionen Euro aufbringen zu müssen, um das brasilianische Gemeinschaftsunternehmen Eneva zu stabilisieren. Auch RWE gaben um 0,5 Prozent nach.

VW-Papiere schlossen kaum verändert. Positiv wurde jedoch aufgenommen, dass der schwedische Fonds Alecta die VW-Offerte für Scania angenommen hat. Damit kann VW den Lkw-Hersteller vollständig übernehmen.

Im MDax setzten sich Airbus mit einem Plus von 6,2 Prozent an die Spitze. Beim Flugzeugbauer wächst nach einem Umsatzplus in den ersten drei Monaten die Zuversicht für das Gesamtjahr. "Bei Airbus liegt der Fokus ganz klar auf dem A350", sagte ein Händler. Im Ausblick gebe es nichts Negatives, so dass nach aktuellem Stand der Auslieferung der ersten Maschinen im vierten Quartal nichts entgegenstehen sollte. Das wiederum sei eine gute Nachricht. Positiv sei auch der Free Cash Flow. Dieser falle zwar mit gut 2 Milliarden Euro negativ aus, sei aber besser als erwartet.

Im TecDax stachen LPKF negativ hervor. Hier drückte ein rückläufiger Umsatz und Gewinn auf die Stimmung - die Aktien gaben 3,5 Prozent ab.

Easyjet brechen ein

Der überraschend starke Rückgang des Verlustes bei Easyjet ermunterte Anleger nicht zum Einstieg. Die Aktien des britischen Billigfliegers brachen in der Spitze um bis zu sechs Prozent ein. Dabei wechselten innerhalb der ersten beiden Handelsstunden bereits mehr Easyjet-Papiere den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag. Zuletzt notierten die Papiere noch 4,1 Prozent niedriger.

Es sei enttäuschend, dass Easyjet die Gesamtjahresziele diesmal nicht angehoben habe, sagte Analyst Richard Hunter vom Brokerhaus Hargreaves Landsdown. "Die Kursreaktion zeigt, dass die Erwartungen an EasyJet steigen." Kurzfristig müsse zwar mit Gewinnmitnahmen gerechnet werden, an der längerfristigen Aussicht eines steigenden Aktienkurses ändere sich aber nichts.

Easyjet zufolge sind für das zweite Halbjahr bereits 51 Prozent der Sitze gebucht. Dank einer "rücksichtslosen Fokussierung auf die Kosten" werde man gut zurechtkommen. Allerdings mache die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft die Vorhersage des Passagieraufkommens schwierig. Viele Kunden wollten nicht in den Urlaub fliegen, solange ihr Team noch im Wettbewerb sei.

Quelle: n-tv.de

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