Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Kursparty wird verhaltener: Rekordjagd verliert an Schwung

Die Rekordjagd an den US-Börsen geht zwar weiter, verliert jedoch spürbar an Schwung. Zinssenkungen in China und die Äußerungen von EZB-Chef Draghi heizen die Kauflaune zwar an, doch machen sich Sorgen um die langfristige Entwicklung der Märkte breit.

Die Rekordjagd an den US-Börsen geht weiter. Allerdings verlor sie im Verlauf des Freitaghandels spürbar an Schwung. Wie schon in Europa reagierten die Anleger an der Wall Street mit Käufen auf die überraschende Zinssenkung in China, mit der die Konjunktur in der Volksrepublik angekurbelt werden soll. Die wiederholt von EZB-Chef Mario Draghi betonte Entschlossenheit, weitere geldpolitische Maßnahmen zu ergreifen, sollte die hartnäckig niedrige Inflation nicht in den Griff zu bekommen sein, verstärkte die Kauflaune noch.

Die Draghi-Aussagen vermitteln nach Auffassung von Marktstratege Lyn Graham-Taylor von der Rabobank den Eindruck "größerer Dringlichkeit". Aus Sicht des Marktes ist damit die Tür für Staatsanleihekäufe der EZB, mithin das Öffnen weiterer Geldschleusen, weit geöffnet.

Der Dow-Jones-Index gewann 0,5 Prozent auf 17.811 Punkte und markierte im Verlauf ebenso neue Rekordhochs wie der S&P-500-Index. Im Tageshoch lag der Dow bereits knapp 100 Punkte höher. Der S&P zog ebenfalls um 0,5 Prozent an, die Nasdaq-Indizes hinkten etwas hinterher.

Dass die Kursparty in New York verhaltener ausfiel als in Europa, dürfte auch daran gelegen haben, dass die US-Aktienmärkte bereits seit einiger Zeit auf Rekordhochs liegen. Zudem warnten einige Akteure, dass die geldpolitischen Maßnahmen nur zeigten, wie schlecht es um die Gesundheit der globalen Konjunktur bestellt sei. "Kurzfristig sind das gute Neuigkeiten, aber ob es wirklich gut ist, wird sich erst noch zeigen müssen", meinte Tom Kolefas, Portfoliomanager bei TIAA-CREF und ergänzte: "Was wir tatsächlich brauchen ist reales Wachstum (außerhalb der USA).

Jeffrey Saut, Chefstratege beim Analysehaus Raymond James, rät ungeachtet der allmählich heiß laufenden US-Börsen mit Blick auf das Thanksgiving-Fest Ende kommender Woche: "Keine Aktien über die Feiertage verkaufen! Ich habe selbst auf unangenehme Art erfahren müssen, dass es ein Fehler sein kann." Seit 1950 sei der S&P-500 im Dezember 48 Mal gestiegen und nur 15 Mal gefallen. Durchschnittlich habe der Anstieg 1,7 Prozent betragen.

Tagessieger waren mit der Fantasie auf eine Konjunkturbelebung in China Aktien aus dem Rohstoffsektor. Im Dow-Jones-Index waren Caterpillar mit plus 4,3 Prozent klarer Gewinner. Die Aktie des Baumaschinenherstellers und Ausrüsters der rohstofffördernden Industrie gilt als sehr zyklisch, mithin eine Art Konjunkturbarometer, weshalb sie besonders stark auf die Konjunkturspritze in China reagierte.

Nike legten um 0,2 Prozent zu, nachdem der Sportartikelhersteller eine Dividendenerhöhung um 17 Prozent angekündigt hatte. Für General Electric ging es um ein halbes Prozent nach oben. Der Mischkonzern hat seine Führungsriege verstärkt mit einem Ausrichtungsschwerpunkt auf den Bereich Software.

Valeant Pharmaceuticals machten 1,9 Prozent gut. Der Pharmakonzern hat eine Lösung gefunden, die nach dem Scheitern der Allergan-Übernahme überschüssige Liquidität loszuwerden: Das Unternehmen kündigte einen 2 Milliarden Dollar schweren Aktienrückkauf an.

Ross Stores stiegen um über 7 Prozent. Der Einzelhändler übertraf im dritten Quartal die selbst gesteckten Ziele. Der Kurs des Konkurrenten Gap sank dagegen um 4,3 Prozent, nachdem der Modekonzern die Markterwartungen verfehlt und zudem mit einem schwachen Ausblick aufgewartet hat.

Der Kurs des Autoverleihers Hertz zog um 4,5 Prozent an. Das Unternehmen hatte angekündigt, dass John Tague ab Freitag neuer CEO wird. Tague war im Laufe seiner Karriere unter anderem President und COO von United Airlines. Die Aktie des Design-Softwareunternehmens Autodesk sprang um 6,1 Prozent nach oben, befeuert von einer guten Quartalsentwicklung.

Nachdem Starwood Hotels mit dem Verkauf des Sheraton-Hotels Sydney für 399 Millionen Dollar in den vergangenen drei Jahren insgesamt Hotelimmobilien im Wert von 1,5 Milliarden Dollar veräußert hat, profitierte die Aktie von Spekulationen über Aktienrückkäufe. Sie gewann 2,9 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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