China verbraucht wenigerRohstoffpreise fallen

Der Rohstoffhunger Chinas ist offenbar ein wenig gestillt . Besonders Kupfer scheint das Reich der Mitte noch genug auf Lager zu haben. Auch auf dem Ölmarkt steigt trotz Rekordimporte die Angst vor einer nachlassenden Nachfrage.
Die Angst vor einer deutlich sinkenden weltweiten Nachfrage hat den Ölpreis fallen lassen. Das Barrel (159 Liter) Brent verbilligte sich um 1,45 Dollar auf 117,14 Dollar. Laut Händlern drückten auch Gewinnmitnahmen vor dem Wochenende den Preis.
China hat im Januar gut 15 Prozent weniger Güter eingeführt als vor Jahresfrist. Investoren fürchteten deshalb, dass die Wirtschaft des weltweit zweitgrößten Ölverbrauchers an Schwung verliert. Händlern zufolge wurden die Verluste beim Ölpreis jedoch dadurch begrenzt, dass Chinas Ölimporte noch einmal um 7,4 Prozent auf 5,5 Mio. Barrel stiegen - seit Einführung der Statistik wurde nur in zwei Monaten mehr Öl importiert.
Die Internationale Energiebehörde (IEA) hat unterdessen ihre Ölprognose den sechsten Monat in Folge gesenkt. Die IEA - wichtiger Berater für die weltweiten Industrieländer - reduzierte ihre Vorhersage für den täglichen Ölverbrauch im laufenden Jahr um 250.000 Barrel pro Tag auf 800.000 Barrel. Amerikanisches WTI-Öl verbilligte sich um 1,05 Dollar auf 98,79 Dollar je Barrel.
Gewinnmitnahmen bei Kupfer
Kupfer-Investoren haben zum Wochenschluss Kasse gemacht. Waren die Notierungen am Vortag noch auf ein Fünf-Monats-Hoch gestiegen, rutschte der Preis am Freitag um ein Prozent auf 8681 Dollar je Tonne ab. Auf Wochensicht bleibt bislang dennoch ein Plus von 1,6 Prozent. Wenn sich der Trend bis zum Handelsschluss hält, wäre es die fünfte Woche mit Gewinnen in Folge. "Es ist immer noch eine gewisse Unsicherheit im Markt wegen der Verhandlungen mit Griechenland", sagte Analyst Stefan Graber von der Credit Suisse. "Es sieht ganz so aus, als könnte die jüngste Rally kurzfristig an Schwung verlieren." Insgesamt habe sich das konjunkturelle Bild im Vergleich zu vor ein paar Monaten aber aufgehellt.
Auch bei Kupfer wurde der Verkaufsdruck von den Handelsdaten aus China erhöht. Der größte Kupfer-Verbraucher hat im Januar knapp 19 Prozent weniger von dem Industriemetall eingeführt als im Jahr davor. Im Großen und Ganzen hatten Analysten einen Rückgang in dieser Größenordnung allerdings erwartet, unter anderem weil der Januar wegen des Neujahrsfestes in diesem Jahr fünf Arbeitstage weniger hatte.
Starker Dollar zieht Gold runter
Ein etwas anziehender US-Dollar hat derweil den Goldpreis belastet. Das Edelmetall verbilligte sich um 0,8 Prozent auf 1716 Dollar je Feinunze. Der Greenback profitierte vom andauernden Verhandlungspoker um die griechischen Schulden. Noch am Vortag hatte es nach einem Durchbruch ausgesehen, woraufhin der Euro auf den höchsten Stand seit zwei Monaten gestiegen war. Mit der aufkommenden Ernüchterung bröckelte die Gemeinschaftswährung wieder ab und der Dollar legte zu.
Eine größere Korrektur beim Goldpreis erwarteten Experten dennoch nicht. Zum einen ist der Kaufanreiz für Investoren zuletzt wieder gestiegen, weil die US-Warenterminbörse CME die beim Kauf von Futures zu hinterlegenden Sicherheitsleistungen (Margins) gesenkt hat. Außerdem haben Händler beobachtet, dass beispielsweise indische Schmuckhändler auch kleinere Preiskorrekturen gern für Käufe nutzen. "Da die Preise wieder etwas heruntergekommen sind, ist die Nachfrage besser als in den vergangenen beiden Tagen", berichtete ein Händler in Mumbai. Fast drei Viertel der Goldproduktion werden in der Schmuckbranche verarbeitet.
Weg mit dem Kakao
Verkäufe spekulativ orientierter Anleger schicken den Kakao-Preis auf Talfahrt. Viele derjenigen, die auf weitere Kursgewinne gehofft hätten, trennten sich nun wieder von dem Schokoladen-Grundstoff, sagten Börsianer. Der US-Kontrakt Kakao fiel um bis zu 4,1 Prozent auf 2145 Dollar je Tonne. Der Londoner Future verlor in der Spitze 3,4 Prozent auf 1404 Pfund Sterling je Tonne.
Ausbleibende Niederschläge im weltweit wichtigsten Anbauland Elfenbeinküste könnten allerdings zu Ernte-Einbußen führen und die Kakao-Preise schnell wieder in die Höhe treiben, warnte ein Händler. "Wir brauchen im Februar noch Regen, sonst haben wir ein Problem."