Wirtschaft
Halb voll oder halb leer?
Halb voll oder halb leer?(Foto: dpa)

Zentralbank stützt Währung mit Milliarden: Rubel in der Gefahrenzone

Die russische Zentralbank stemmt sich weiter mit aller Macht gegen einen Verfall des Rubel. Experten sehen noch immer Gefahr für die russische Währung. Der Euro stabilisiert sich nach der Achterbahnfahrt zum Wochenbeginn dagegen.

Um den angeschlagenen Rubel zu stützen, hat Russland sich von ausländischen Währungen im Wert von 11,3 Milliarden US-Dollar (8,2 Milliarden Euro) getrennt. Die Rekordsumme wurde am Montag veräußert, um Rubel zu kaufen, wie aus am Mittwoch veröffentlichten Dokumenten der russischen Zentralbank hervorgeht. Am Montag waren wegen der russischen Militärintervention auf der Krim die Aktienmärkte in Moskau und weltweit ins Minus gerutscht, der Rubel stürzte auf ein Rekordtief gegenüber Dollar und Euro ab.

Die Währungsstrategen der UBS zeigten sich allerdings weiter skeptisch zu den Währungen der Schwellenländer inklusive des Russischen Rubel. Der Rubel habe zum Dollar zuletzt so stark an Wert verloren, dass bereits jetzt das im August formulierte Jahresziel für 2014 erreicht sei.

Die Maßnahmen der russischen Notenbank in den vergangenen 24 Stunden minderten zwar die Abwärtsrisiken, doch seien eine fortgesetzte Kapitalflucht und mögliche Sanktionen immer noch "eine echte Bedrohung". Insofern gebe es keinen Grund, eine defensive Position zum Rubel aufzugeben. Am Devisenmarkt kostet der Dollar aktuell 36,16 Rubel - zu Jahresbeginn waren es noch lediglich 32,89 Rubel.

Euro behauptet sich in Krim-Krise

Der Euro hat sich dagegen über der Marke von 1,37 US-Dollar stabilisiert, nachdem die Krim-Krise in der ersten Wochenhälfte für ein starkes Auf und Ab sorgte. Die Gemeinschaftswährung notiert bei 1,3720 US-Dollar. Am Dienstagmittag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,3768 Dollar festgesetzt.

Die Krim-Krise bleibt weiter ein beherrschendes Thema am Markt und die Nachrichten aus der Krisenregion werden nach Einschätzung von Händlern stark beachtet. Überraschend gute Konjunkturdaten beeinflussten den Euro kaum. Die Geschäfte der Dienstleister in der Euro-Zone wuchsen im Februar so kräftig wie seit fast drei Jahren nicht mehr. "Insgesamt untermauern die Einkaufsmanager-Indizes das grundsätzlich positive Wachstumsszenario in der Eurozone", sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg.

Die US-Privatwirtschaft hat dagegen im Februar weniger neue Stellen geschaffen als gedacht. Die Zahl der neuen Jobs stieg nur um 139.000, wie die private Arbeitsvermittlung ADP mitteilte. Im Januar waren laut revidierten Zahlen sogar nur 127.000 neue Jobs entstanden. Die Regierung veröffentlicht am Freitag die offiziellen Arbeitsmarktdaten, die auch den staatlichen Bereich umfassen.

Am Freitag hatte der Euro noch mit 1,3825 Dollar den höchsten Stand seit zwei Monaten markiert. Börsianer verwiesen zudem auf den am morgigen Donnerstag anstehenden Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank. Hier könnte es eine weitere geldpolitische Lockerung geben, was den Euro dann schwächen dürfte.  

Deutlich zulegen konnte unterdessen der australische Dollar, nachdem die Wirtschaft des Landes zum Jahresende 2013 überraschend stark gewachsen ist. Der Schweizer Franken notierte zum Euro mit 1,2187 und zum Dollar mit 0,8874.

Moderate Putin-Äußerungen

Am Vortag hatte der Euro mit leichten Gewinnen auf eine leichte Entspannung im Krim-Konflikt reagiert. Aussagen des russischen Präsidenten Wladimir Putin hatten umgekehrt den als sicher geltenden US-Dollar belastet. Der Euro wurde am Nachmittag mit 1,3753 US-Dollar gehandelt, nachdem er kurzzeitig auf ein Tageshoch von 1,3782 Dollar geklettert war.

Sonderdrucke von 100-Rubel-Scheinen (2 Euro) mit dem Olympia-Stadion Fischt und einem Snowboard.
Sonderdrucke von 100-Rubel-Scheinen (2 Euro) mit dem Olympia-Stadion Fischt und einem Snowboard.(Foto: picture alliance / dpa)

"Die Aussagen Putins haben zu einer vorsichtigen Entspannung an den Märkten geführt", sagte Ralf Umlauf, Devisenexperte bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Von der etwas gestiegenen Risikoneigung habe der Euro profitiert. Russland beabsichtige nicht, die zur Ukraine gehörende Halbinsel Krim zu annektieren, hatte Putin vor Journalisten in Moskau gesagt. Auch gebe es derzeit keine Notwendigkeit für einen Militäreinsatz in der Ukraine. Putin schloss einen Militäreinsatz für die Zukunft jedoch nicht aus. Zudem zeigte er sich gegenüber dem Westen gesprächsbereit.

"Insgesamt hat sich der Krim-Konflikt bisher aber nicht sehr stark auf den Euro-Dollar-Wechselkurs ausgewirkt", sagte Umlauf. Dies könnte sich jedoch bei einer erneuten Zuspitzung ändern. Deutlicher waren die Kursausschläge bei den Währungen der direkt betroffenen Länder. So werteten am Dienstag die ukrainische Griwna und der russische Rubel spürbar auf, nachdem sie am Montag stark nachgegeben hatten. Andere osteuropäische Währungen wie der polnische Zloty und der ungarische Forint gewannen ebenfalls an Wert.

Quelle: n-tv.de

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