Wirtschaft
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Wall-Street-Vorschau: Russland, China und der US-Arbeitsmarkt

Die Mischung ist brisant und könnte US-Börsianern hitzige Handelstage bescheren: Wenige Tage vor dem neuen Job Report aus Washington deuten Daten aus China ein abgeschwächtes Wachstum an. Über allem schweben die Schatten eines drohenden Krieges.

An der New Yorker Wall Street bereiten sich Investmentstrategen auf eine schwierige Woche vor: Der Start in den März dürfte an den US-Börsen gewichtigen Konjunktursorgen überschattet werden - und von der Kriegsgefahr in der Ukraine.

In China mehren sich die Anzeichen für ein langsameres Wirtschaftswachstum: Der am Wochenende veröffentlichte amtliche Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe ist im Februar von zuletzt 50,5 auf 50,2 Punkte zurückgegangen. Werte unterhalb von 50 signalisieren eine im Vergleich zum Vormonat schrumpfende Wirtschaft.

Insgesamt zeichnen die jüngsten China-Daten durchmischtes Bild: Vom "Wall Street Journal" befragte Volkswirte waren von einer deutlich schwächeren Entwicklung ausgegangen. Ihre Durchschnittsprognose von 50,1 liegt noch leicht unter dem von der chinesischen Statistikbehörde ermittelten Februar-Stand.

Der von der britischen Großbank HSBC ermittelte Einkaufsmanagerindex für China war im Februar mit 48,3 Punkten auf den niedrigsten Stand seit sieben Monaten gefallen. Analysten machen vor allem eine schwache Auslandsnachfrage für die eingetrübte Stimmung unter Chinas Einkäufern verantwortlich. So fiel die Komponente für Exportaufträge von 49,3 im Januar auf aktuell 48,2 Punkte. Der Subindex für die Produktion gab von 53,0 auf 52,6 Punkte nach. Die Daten aus der Produktion lassen damit im Gegensatz zu den Exportaufträgen noch immer auf Wachstum schließen.

Wie stark wirkt der Winter?

Ähnlich skeptisch blicken US-Anleger auf die konjunkturelle Entwicklung Lage in der Heimat. Im Vordergrund steht hier vor allem die Frage, ob sich die zarte Erholung der weltgrößten Volkswirtschaft tatsächlich schon wieder abschwächt oder ob nicht doch das ungewöhnlich ausgeprägte Winterwetter für saisonale Sondereffekte verantwortlich gemacht werden muss.

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Anleger halten in diesem Zusammenhang insbesondere den US-Arbeitsmarkt fest im Blick. Die zuletzt eher schwachen Konjunkturdaten, mit denen das Risiko einer raschen Drosselung der ultralockeren Geldpolitik aus Sicht vieler Anleger abgenommen hat, könnten der Wall Street Beobachtern zufolge durchaus weiteren Rückenwind verleihen.

Die Fed und der Frost-Faktor

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) macht die Rückführung der milliardenschweren Anleihenkäufe vor allem von einer nachhaltigen Verbesserung des Arbeitsmarkts abhängig. Commerzbank-Analyst Christoph Balz rechnet für den offiziellen Regierungsbericht zur Lage im Februar mit einem nur mäßigen Stellenaufbau von 130.000 im Februar nach 113.000 im Vormonat. Der neue Job Report wird wie üblich am Freitag erwartet.

Das Wirtschaftswachstum habe sich verlangsamt und das nicht nur wegen der Kältewelle, schätzt Coba-Experte Balz. US-Volkswirte sind in dieser Frage noch etwas zuversichtlicher. Sie gehen im Schnitt von 148.000 neuen Stellen aus.

Konjunkturbericht und Handelsdaten

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Weiteren Aufschluss auf die US-Geldpolitik könnte der Konjunkturbericht "Beige Book" liefern, den die Fed am Mittwoch vorlegen will. An diesem Tag werden zudem der ISM-Serviceindex sowie der ADP-Arbeitsmarktbericht veröffentlicht.

Auf Unternehmensebene stehen weitere Geschäftsergebnisse an: In den USA neigt sich die Bilanzsaison bereits zügig ihrem Ende zu. In der kommenden Woche warten die Börsianer vor allem auf die Zahlen einer Reihe von Einzelhandelsunternehmen - etwa Costco Wholesale und Staples am Donnerstag.

Vor dem Wochenende standen die US-Börsen bereits ganz unter dem Eindruck der Krise in der Ukraine. Während Dow-Jones-Index und S&P 500 am Freitag Gewinne verzeichneten, beendete die Technologiebörse Nasdaq den Handel im Minus. Angesichts kursierender Gerüchte über ein Eingreifen Russlands in der Ukraine nahmen viele Anleger zu Handelsschluss Gewinne mit.

"Das Gerede über das russische Engagement in der Ukraine (...) macht die Leute ganz nervös", sagte Michael James, Chef von Wedbush Securities in Los Angeles. Niemand wisse, was über das Wochenende geschehe, daher hätten viele erzielte Gewinne eingestrichen. Zu Handelsbeginn hatten noch unerwartet gut ausgefallene Konjunkturdaten die Indizes nach oben getrieben.

Für gute Stimmung sorgte vor allem zu Handelsbeginn das Konjunkturbarometer der Einkaufsmanager aus dem Großraum Chicago, das überraschend zulegte. Auch der von der Uni Michigan und Reuters ermittelte Index des US-Verbrauchervertrauens lag über den Erwartungen.

Der Dow-Jones-Index gewann auf Wochensicht 1,4 Prozent und ging vor dem Wochenende bei 16.321 Punkten aus dem Handel. Der S&P 500 beendete den Tag auf dem Rekord-Schlussstand von 1859 Zählern, der jedoch deutlich unter dem Tages-Höchststand aus dem Verlauf von 1867 Punkten lag.

Kräftig zulegen konnte der Euro. Hintergrund waren nachlassenden Spekulationen auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB). Die Gemeinschaftswährung kostete in den USA mit 1,3806 Dollar rund einen US-Cent mehr als zum New Yorker Vortagesschluss.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 0,96 Milliarden Aktien den Besitzer. 1818 Werte legten zu, 1186 gaben nach und 144 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,57 Milliarden Aktien 1188 im Plus, 1408 im Minus und 117 unverändert.

Quelle: n-tv.de

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