Wirtschaft
Was wird die Fed in der kommenden Woche entscheiden?
Was wird die Fed in der kommenden Woche entscheiden?(Foto: dpa)

Spekulationen um Geldpolitik : Euro kommt langsam zurück

Im Währungshandel ist Ruhe eingekehrt. Der Euro kann zum Dollar nach einer fünf Wochen dauernden Gewinnstrecke erst einmal nicht weiter zulegen. Der Fokus liegt weiter auf der Fed. Zweifel an der Wirtschaftserholung kommen derweil aus der Schweiz.

Der Euro hat wieder etwas Luft zwischen sich und die 1,38er Marke gebracht. Am frühen Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1,3747 Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,3775 Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7260 Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,83970 britische Pfund, 141,51 japanische Yen und 1,2211 Schweizer Franken fest.

Unter Druck geriet der Euro vor allem wegen schwacher Konjunkturdaten. Nach Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat produzierte die Industrie des Währungsraums im Oktober deutlich weniger als im Vormonat. Bankvolkswirte zeigten sich auch deswegen enttäuscht, weil "harte" Zahlen aus der Wirtschaft seit Wochen nicht das halten, was zahlreiche Stimmungsindikatoren versprechen. Diese hatten sich in den letzten Monaten zumindest tendenziell aufgehellt, ohne dass jedoch die konjunkturelle Erholung spürbar anzog.

Warten auf die Fed

Dass der Euro zum Dollar dennoch fest tendiert, erklären Marktbeobachter vor allem mit der großen Ungewissheit über die kurzfristige amerikanische Geldpolitik. Mitte kommender Woche wird die US-Notenbank Fed zum letzten Mal in diesem Jahr tagen. Ob sie die Gelegenheit nutzt und den im Sommer in Aussicht gestellten Kurswechsel vollziehen wird, ist fraglich. Viele Beobachter gehen davon aus, dass die Fed erst im kommenden Jahr beginnen wird, ihre Geldschwemme abebben zu lassen. Weil die meisten Konjunkturdaten, insbesondere vom Arbeitsmarkt, bis zuletzt aber eher positiv überrascht haben, bleibt die geldpolitische Wende noch in diesem Jahr im Bereich des Möglichen.

Demokraten und Republikaner hatten sich im Haushaltsstreit am Dienstagabend überraschend auf einen Kompromiss geeinigt - vorausgesetzt, Senat und Repräsentantenhaus geben grünes Licht. Der im Januar 2014 abermals drohende Haushaltsnotstand könnte damit noch abgewendet werden. Viele Anleger sahen den andauernden Konflikt bislang als Hürde für eine baldige Straffung der Geldpolitik an.

Schweiz hält an Euro-Mindestkurs fest

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Unterdessen traut die Schweizer Notenbank (SNB) der globalen Wirtschaftserholung noch nicht und schließt erneute Turbulenzen an den internationalen Kapitalmärkten nicht aus. Daher hält sie an ihrer expansiven Geldpolitik fest. Der Schlüsselzins bleibt nahe null. Den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken will die SNB weiterhin mit aller Kraft durchsetzen. Nach Ansicht der Schweizer Währungshüter besteht weiterhin die Gefahr, dass es zu einer neuen Fluchtwelle in den Franken kommen könnte, der die Landeswährung unter zusätzlichen Aufwertungsdruck bringt. Schon jetzt sei der Franken überbewertet, sagte SNB-Chef Thomas Jordan. Für einen Euro werden momentan 1,2215 Franken bezahlt.

Eine starke Aufwertung des Franken könnte die Konjunktur in der Schweiz abwürgen und zu Deflation führen. "In diesem Umfeld ist der Mindestkurs weiterhin zentral", sagte Jordan. Die vor mehr als zwei Jahren eingeführten Euro-Kursuntergrenze will die SNB deshalb eisern verteidigen, notfalls sogar mit Negativzinsen. Die Nullzinspolitik fällt den Währungshüter umso leichter als sie auf Jahre hinaus nicht mit Inflationsproblemen rechnen.

Sorgen machen der Währungshütern die Folgen der niedrigen Zinsen für den Immobilienmarkt. Die Hypotheken wachsen deutlich stärker als die Wirtschaft.

Die Zentralbank befürchtet, dass vor allem mittlere und kleineren Banken bei der Hypothekenvergabe zu forsch vorgehen und sich nicht genug gegen einen plötzlichen Zinsanstieg oder einen Einbruch bei den Hauspreisen abgesichert haben. Indirekt sprach er sich dafür aus, den sogenannten antizyklischen Kapitalpuffer zu erhöhen. Das würde bedeuten, dass Banken Hypotheken mit zusätzlichem Eigenkapital unterlegen müssen. Die Entscheidung dafür liegt bei der Regierung, die auf Antrag der SNB tätig wird.

Quelle: n-tv.de

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