Wirtschaft
In welche Richtung schlägt der Markt? Dominiert die lockere Geldpolitik oder die Sorge um die Konjunktur?
In welche Richtung schlägt der Markt? Dominiert die lockere Geldpolitik oder die Sorge um die Konjunktur?

Woche der Wahrheit: Super-Donnerstag zeigt Richtung

Nichts weniger als die Tendenz der kommenden Monate wollen Händler aus der Agenda der kommenden Woche lesen: EZB, US-Jobmarkt, Konjunkturindizes und Daten aus China umreißen ein globales Konjunkturbild. Zudem rückt die Berichtssaison näher.

An den Aktienmärkten könnte die neue Woche nach Ansicht von Experten die Tendenz in den Sommermonaten vorgeben. Dabei richten sich die Blicke vor allem auf Donnerstag. "Nur wenn Mario Draghi am kommenden 'Super-Donnerstag' - an dem auch der große Arbeitsmarktbericht in den USA ansteht - eine positive Überraschung liefert, dürften die Notenbanken für die nächsten Impulse sorgen", sagte Sarah Brylewski vom Brokerhaus Ayondo. In der abgelaufenen Woche verlor der deutsche Leitindex Dax 1,7 Prozent und sein US-Pendant Dow Jones 0,6 Prozent.

Commerzbank-Analyst Michael Schubert warnte allerdings vor überzogenen Erwartungen an die Europäische Zentralbank (EZB). "Vielmehr dürfte die EZB den Effekt der bisherigen Schritte abwarten wollen. Gleichzeitig wird EZB-Präsident Draghi auf der Pressekonferenz die Tür für breit angelegte Anleihenkäufe wohl weit geöffnet lassen." Die EZB hatte den Leitzins Anfang Juni auf 0,15 Prozent gesenkt und milliardenschwere Geldspritzen angekündigt. Hinweise auf die Aussichten für die europäische Geldpolitik erhoffen sich Börsianer von den Inflationsdaten am Montag. Die Teuerung stagnierte einer Umfrage zufolge im Juni bei 0,5 Prozent.

Wolken ziehen auf

Zuletzt hatte eine Reihe mauer Daten für Ernüchterung gesorgt: So hatte das schwache US-BIP verstimmt. In Europa könnte mit Frankreich eines der Kernländer erneut in die Rezession abdriften könnte. Marktteilnehmer machen daher vor allem die Enttäuschung über Europas Einkaufsmanager-Indizes auch den deutschen Ifo-Index für die Kurskorrektur verantwortlich, die nun seit einer Woche läuft.

Passend dazu hat sich nun auch noch die charttechnische Situation der Märkte verschlechtert. Auf den Dax konzentrierten Anlegern dürfte dies noch nicht einmal so stark auffallen. Denn das deutsche Börsenbarometer wird in der laufenden Dividendensaison durch seine Berechnungsmodalitäten künstlich obengehalten. Deutlicher wird die trübe Lage im europaweiten Eurostoxx 50, der nicht durch Dividendenzahlungen aufgepeppt wird.

Schwall an Konjunkturdaten

Auch die US-Arbeitsmarkdaten werden von Börsianern im Hinblick auf die Geldpolitik abgeklopft. Weitere Signale könnte US-Notenbank-Chefin Janet Yellen liefern, die am Mittwoch auf einer Veranstaltung des Internationalen Währungsfonds über Finanzstabilität spricht. "Es mehren sich die Sorgen vor einer frühzeitigeren Zinserhöhung, und dies ist zumindest in der ersten Phase eine schlechte Nachricht für die Aktienmärkte", sagte Ayondo-Analystin Brylewski. Die Beschäftigtenzahlen werden diesmal schon am Donnerstag bekanntgegeben, weil die Wall Street am Freitag wegen des US-Unabhängigkeitstages geschlossen bleibt.    

Das Augenmerk der Anleger richtet sich ferner auf den Index der Einkaufsmanager aus der US-Industrie, der am Dienstag veröffentlicht wird. Experte erwarten einen Anstieg auf 55,8 Punkte. "Insgesamt deutet die gute Stimmung darauf hin, dass wir die Dynamik der US-Wirtschaft im Frühjahr und Sommer derzeit sogar noch unterschätzen könnten", schrieb Helaba-Analyst Patrick Franke in einem Kommentar. Zudem geben die Verkäufe von Pkw Aufschluss darüber, ob die Kauflaune der US-Bürger anhält.

US-Börsianer hoffen auf eine spürbare Belebung des Handels. "Der Markt hat sehr frustrierende Monate hinter sich - sowohl für langfristig wie für kurzfristig orientierte Händler", sagte Sam Ginzburg von First New York Securities. "Es ist sehr schwer, in diesem Umfeld besser abzuschneiden als der Durchschnitt."

Eine Chance auf Stimmungsverbesserung liegt möglicherweise in Konjunkturdaten jenseits der USA: Am Dienstag stehen in China sowohl der offizielle als auch der HSBC-Einkaufsmanager-Index für Juni an. Die chinesischen Daten hatten bereits bei der jüngsten Veröffentlichung für gute Laune gesorgt. Sie waren im Mai auf ein neues Fünf-Monats-Hoch gesprungen. "Überraschend gute China-Daten könnten die Hoffnung auf eine globale Konjunkturerholung beleben und möglicherweise schwächere Daten aus Europa und den USA überschreiben", so die Hoffnung eines Händlers.

Was bringt die Berichtssaison?

Insgesamt würden sich Marktteilnehmer in Deutschland vor Beginn der Berichtssaison nicht aus dem Fenster lehnen wollen. "Man ist sich nicht wirklich sicher, ob das schwache erste Quartal der Unternehmen wirklich von einem deutlich besseren zweiten Quartal abgelöst wird", führt ein Händler als Grund für die Kaufzurückhaltung an.

Vorerst stehen bei den Unternehmen kaum potenziell kursbewegende Termine im Kalender. Mit Blick auf die nahende Bilanzsaison müsse aber jederzeit mit Prognose-Senkungen gerechnet werden, warnte Finanzexpertin Brylewski. Die Lufthansa hatte vor zwei Wochen ihre Ergebnisziele kassiert und damit einen Kurseinbruch ausgelöst.

Zum Wochenauftakt im Blick dürfte Merck stehen, weil dann der Aktiensplit wirksam wird. Aus einem alten Anteilsschein werden zwei neue. Damit will der Pharma- und Chemiekonzern die Titel optisch billiger und für Privatanleger interessanter machen.

Quelle: n-tv.de

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