Wirtschaft
Für den Euro gibt es noch andere Probleme als Griechenland.
Für den Euro gibt es noch andere Probleme als Griechenland.(Foto: picture alliance / dpa)

Markt ist überverkauft: Syriza-Erfolg sorgt für kleine Euro-Delle

Der Euro ist nach dem Wahlsieg der Linkspartei Syriza in Griechenland auf den niedrigsten Wert seit elf Jahren gefallen. Doch ebenso schnell erholt er sich wieder. Analysten warnen, die Gemeinschaftswährung kämpfe noch mit ganz anderen Problemen.

Der Sieg der Linkspartei Syriza im Euro-Krisenland Griechenland ist am Devisenmarkt vergleichsweise gelassen aufgenommen worden. Im Laufe des Vormittags schob sich die Gemeinschaftswährung kontinuierlich voran und kostete am frühen Nachmittag 1,1256 Dollar. Kurzzeitig hatte der Euro mit Abschlägen auf den Syriza-Sieg reagiert und und war unter die Marke von 1,11 Dollar gerutscht und damit auf den tiefsten Stand seit 2003.

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1244 Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8894 Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,74895 britische Pfund, 133,03 japanische Yen und 1,0014 (0,9816) Schweizer Franken fest.

Im Handel ist von einer Gegenbewegung auf die stark überverkaufte Lage im Euro die Rede. Übergeordnet wird der Euro weiter schwach erwartet. Eine Einigung mit Griechenland dürfte andere Länder aus der Peripherie der Eurozone inspirieren und den dortigen Reformwillen weiter erlahmen lassen.

"All dies erhöht den Druck auf die EZB, die ungelösten wirtschaftlichen Probleme durch eine Abwertung des Euro zu übertünchen", sagte CoBa-Chefsvolkswirt Jörg Krämer. Tatsächlich sei das Anleihekaufprogramm der EZB vor allem ein Abwertungsprogramm. Denn in vielen Ländern des Euroraums seien die Konsumenten und Unternehmen noch zu hoch verschuldet.

JP Morgen: Grexit kostet Euro zum Dollar zehn Cent

Video

Die von der EZB runtergeschleusten Zinsen konnten sie also nicht dazu verführen, ihre Ausgaben zu steigern und so die darbende Konjunktur anzufachen. Deshalb wirkten die massiven Anleihekäufe vor allem über eine Abwertung des Euro.

Experten wie JP-Morgan-Analyst David Mackie gehen davon aus, dass der Sieg Tsipras den Euro weiter belasten werden. Sollte Griechenland die Eurozone verlassen, dürfte das den Euro zum US-Dollar zehn US-Cent kosten. "Das ist aber nicht unser zentrales Szenario." Wahrscheinlicher sei eine Einigung der neuen Regierung mit der Troika oder aber Neuwahlen. "Es sollte also nur ein Teil dieser zehn Cent als Risikoprämie eingepreist werden", sagt Mackie.

Er prognostiziert für das erste Quartal 2015 einen Euro bei 1,10 Dollar und favorisiert Leerverkaufspositionen im Euro gegen Yen, Schweizer Franken und US-Dollar. "Diese Positionen sollten sich auszahlen, egal welchen Weg Griechenland letztlich einschlägt", sagt der Analyst. Denn schwerer als das Thema Griechenland wögen die unterschiedlichen Zinsszenarien für die Eurozone und die USA sowie die Zahlungsbilanzen, die für die Schweiz und Japan sprächen.

Sanktionssorgen lasten auf Rubel

Derweil setzt die Furcht vor einer Verschärfung der westlichen Sanktionen gegen Russland Rubel und Moskauer Aktienmarkt unter Druck. In der ukrainischen Großstadt Mariupol sollen nach Berichten der Zentralregierung in Kiew bei einem Raketenbeschuss der prorussischen Separatisten mindestens 30 Menschen getötet worden sein.

In der Folge gibt der Rubel um 2,1 Prozent zum US-Dollar nach. Für einen Dollar erhalten Anleger 65,60 Rubel. Zum Euro büßt die russische Währung 2,4 Prozent auf 73,80 Rubel ein. An der Aktienbörse in Moskau sinkt der RTS-Index um knapp fünf Prozent. "Wir beobachten nach der Zuspitzung der ohnehin schwierigen Lage in der Ukraine, dass Investoren ihre mit Russland verknüpften Risiken reduzieren", sagt Händler Igor Akinshin von Alfa Bank in Moskau.

Im laufenden Jahr hat der Rubel weitere 10 Prozent an Wert zum Dollar verloren, nachdem er bereits im vergangenen Jahr massiv eingebrochen war. Sorgen, die Ratingagentur Standard & Poor's könnte die Bonität Russlands endgültig auf Ramschniveau abstufen, lasten ebenfalls auf den Rubel-Wechselkursen. Die Entscheidung steht zum Monatsultimo an.

Zum Franken steigt der Euro bis zum Montagmittag über die Parität. Aktuell geht die Gemeinschaftswährung bei 1,0028 Franken um nach einem Tagestief von 0,9789 Franken. Die Wahl in Griechenland habe ihren Schrecken verloren, heißt es im Devisenhandel. "Die den Sparprogrammen ablehnend gegenüberstehende Syriza-Partei hat einen klaren Sieg davongetragen, aber die Partei wird mit den politischen Realitäten konfrontiert werden", sagt Julius-Bär-Devisenanalyst David Kohl. Zugute komme dem Euro auch, dass sehr viele Anleger offene Leerverkaufspositionen gehalten hätten. Daher habe Eindeckungsbedarf nach den extremen Tiefs der vergangenen Woche bestanden. Kohl traut dem Euro einen Wechselkurs von 1,15 Franken in den kommenden Monaten zu.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen