Donnerstag, 10. November 2011
Der Sog der Euro-Schuldenkrise: Tokioter Börse gibt nach
Die Angst vor einem Zusammenbruch der Euro-Zone greift um sich. Nachdem bereits die Kurse an der Wall Street eingebrochen sind, zieht die Sogkraft der europäischen Schuldenkrise auch die asiatischen Aktienmärkte nach unten.Die sich am Mittwoch abzeichnende Eskalation der Euro-Schuldenkrise hat an der Tokioter Börse für eine Talfahrt der Kurse gesorgt. Nachdem bereits die US-Börsen im Strudel der Schuldenkrise eingebrochen waren, verlor der Nikkei-225-Index 2,9 Prozent auf 8.501, zugleich das Tagestief. Für den Topix ging es um 2,5 Prozent abwärts auf 730.
Aus technischer Sicht sei der Nikkei-225 auf dem nun erreichten Niveau von 8.500 Punkten unterstützt, hieß es. Die Verkäufe seien zwar nicht massiv ausgefallen, es gebe aber auf der anderen Seite so gut wie keine Käufer.
Der Anstieg der Renditen italienischer Anleihen auf deutlich über 7 Prozent deute auf ein Übergreifen der Schuldenkrise auf Italien hin und damit auf das drittgrößte Land der Eurozone; dies sei das letzte, was man sehen wolle, bemerkten Händler zu den Verkäufen auf breiter Front. Hinzu kämen die politischen Krisen in Griechenland und Italien mit den erfolgten bzw angekündigten Rücktritten der Regierungschefs, ohne dass klar sei, wer ihnen jeweils nachfolgen werde.
Stimmungsbelastend sei daneben der über Erwarten deutlich ausgefallene Rückgang der Auftragseingänge der japanischen Maschinenbauunternehmen im September gewesen. Sie sanken saisonbereinigt um 8,2 Prozent, während Analysten im Mittel mit einem Minus von 7,1 Prozent gerechnet hatten.
Unter den Einzelwerten verloren beispielsweise Kyocera 5,6 Prozent auf 6.620 Yen, Tokyo Electron 2,2 Prozent und Sony 4,7 Prozent. Toyota Motor büßten 1,7 Prozent ein und Honda 3,2 Pozent. JGC (-10,1 Prozent) litten unter einer Senkung der Dividende. Mitsui Mining & Smelting ginge 4,5 Prozent billiger um, nachdem das Unternehmen einen Nettogewinnrückgang gemeldet hatte.
Olympus setzten ihre Talfahrt nach dem aufgedeckten Bilanzskandal ungebremst fort. Nach 29 Prozent am Dienstag und 20 Prozent am Mittwoch wurde das Papier weitere 17,1 Prozent niedriger getaxt, da es praktisch keine Nachfrage gab. Das Ausmaß der Investitionsverluste sei unklar, zudem sei die Aktie davon bedroht, vom Kurszettel gestrichen zu werden, hieß es. Die mit dem Olympus-Skandal ins Straucheln geratenen Nomura Holdings verloren 3,1 Prozent.
Noch stärker als in Tokio rutschten die Kurse in Hongkong ab. Der Hang-Seng-Index verlor am Morgen mehr als vier Prozent. Auch in Taiwan, Südkorea und Singapur stürzten die Leitindizes um drei Prozent ab. Dagegen hielt sich der CSI-Index der chinesischen Festlandbörsen mit einem Minus von rund ein Prozent noch vergleichsweise stabil.
DJ
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