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Spät beginnt der Dax einen zähen Aufstiegsversuch: Die Fieberkurve des Leitindex zur Wochenmitte.
Spät beginnt der Dax einen zähen Aufstiegsversuch: Die Fieberkurve des Leitindex zur Wochenmitte.(Foto: REUTERS)

Späte Wende an der Börse: Dax schließt schmal im Plus

Für geduldige Anleger hält der deutsche Aktienmarkt zur Wochenmitte einen versöhnlichen Ausklang bereit: Erst am späten Nachmittag hellt sich die Stimmung auf. In Frankfurt dringt der Leitindex eine gute halbe Stunde vor Handelsschluss in die Gewinnzone vor.

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen hat der deutsche Aktienmarkt den Handel am Mittwoch mit einer unerwartet freundlichen Aufwärtsbewegung beendet. Nach einem über weite Strecken teils sehr schwachen Verlauf wechselte der Leitindex Dax am späten Nachmittag das Vorzeichen und schloss 0,19 Prozent fester bei 8195,92 Punkten. Das Tageshoch liegt bei 8206,87 Zählern, das Tagestief bei 8095,91 Punkten. Der MDax scherte aus der Aufschwungsbewegung aus und ging mit einem leichten Abschlag von 0,25 Prozent bei 14.515,42 Punkten aus dem Handel. Der TecDax folgte dem Beispiel des Leitindex' und verbesserte sich bis zum Handelsschluss um 0,62 Prozent auf 1041,98 Punkte.

Ein möglicher Auslöser: US-Senator John McCain sprach sich am Nachmittag gegen den Syrienvorschlag des Auswärtigen Ausschusses im US-Senat aus. Damit dürfte in den Augen vieler Marktteilnehmer die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Militärschlags gegen Syrien wieder etwas schwinden.

Die Märkte blieben am Mittwoch jedoch offensichtlich im Krisenmodus: Die Syrien-Krise, die Unsicherheit über die künftige US-Geldpolitik und letztlich wohl auch die Bundestagswahl am 22. September hätten die meisten Investoren von größeren Engagements abgehalten, erklärten Händler. Europaweit standen die Kurse unter Druck. Der Eurostoxx50 setzte parallel zum Dax erst spät zu einer ähnlichen Aufholbewegung an und beendet den Tag 0,19 Prozent fester bei 2758,60 Punkten.

Im Vordergrund standen die Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit einer drohenden Eskalation im Nahen Osten, die den Handel über weite Strecken belasteten: Die Aussicht auf einen Militärschlag der USA gegen Syriens Regierung beunruhige viele Anleger, hieß es. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sei die künftige Politik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Bereits in der übernächsten Woche könnten die Währungshüter in Washington eine Drosselung der Geldflut für die US-Konjunktur beschließen, sollte sich der US-Stellenmarkt stabilisieren.

Vor diesem Hintergrund hätten die Anleger auch die am Donnerstag und Freitag anstehenden US-Arbeitsmarktdaten im Blick, sagte ein Händler. Auch die Bundestagswahl rücke mehr und mehr in den Vordergrund. "Zwar rechnet keiner mit einer Sensation, aber für Zurückhaltung sorgt das schon, wenn in der größten Euro-Volkswirtschaft gewählt wird", erklärte ein Händler.

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Hauptgesprächsthema in den deutschen Handelssälen war die P latzierung von rund 25 Millionen Aktien der Haupteigner von Prosiebensat1 bei institutionellen Investoren hauptsächlich aus den USA und Großbritannien. Aus Insider-Kreisen war zu erfahren, dass die Finanzinvestoren KKR und Permira je Aktie 30,67 Euro eingenommen haben sollen. Dies entspräche einem Abschlag von rund fünf Prozent zum Dienstagsschlusskurs, was etwas mehr als erwartet war. Die Aktien pendelten um 30,70 Euro und bildeten mit einem Schlussstand von minus 4,98 Prozent im MDax das Schlusslicht.

Größter Verlierer im Leitindex waren die Aktien der Lufthansa mit einem Abschlag von 2,9 Prozent auf 12,92 Euro. Zum einen belastete weiter die Sorge um eine Eskalation der Krise in Syrien, zum anderen sorgte die erste Gewinnwarnung von Billigflieger Ryanair seit 2009 für schlechte Stimmung. In Dublin brachen die Ryanair-Aktien um 11 Prozent auf 6,03 Euro ein. Der Stoxx-Branchen-Index fiel um 1,6 Prozent, wozu auch die heftigen Kursverluste der Reisekonzerne Tui und Thomas Cook beitrugen, die Reisen nach Ägypten wegen der dortigen Lage absagen mussten. Die im MDax notierenden Aktien von Tui verloren 1,3 Prozent, Thomas Cook büßten in London 4,8 Prozent ein.

Auf Talfahrt waren im Dax die Aktien von ThyssenKrupp, die 1,5 Prozent verloren. Die Verhandlungen über den Verkauf der verlustreichen Übersee-Werke gehen offenbar so schleppend voran, dass schon über einen Verkaufsverzicht nachgedacht wird, wie Insider Reuters erklären.

Gefragt waren dagegen Daimler mit einem Plus von 1 Prozent, was Händler auf die insgesamt guten Verkaufszahlen der Autoindustrie in den USA zurückführten. BMW legten 0,5 Prozent zu. Volkswagen gaben 0,7 Prozent ab.

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Auf der Gewinnerseite im Dax standen dagegen K+S mit einem Plus von 2,3 Prozent auf glatte 19,00 Euro. Viele Anleger hofften laut Händlern auf ein Wiederaufleben des russisch-weißrussischen Kali-Preiskartells, was den für K+S wichtigen Kali-Preis stützen dürfte. Dies hatte schon zuletzt die K+S-Aktien angetrieben, so dass viele deren Verbleib im Dax für wahrscheinlich halten. Der Kursverfall nach dem Platzen des Kartells Ende Juli hatte dies fraglich gemacht. Der Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse entscheidet am Abend entscheidet am Abend über die Zusammensetzung ihrer wichtigsten Börsenbarometer.

Als sicher gilt unterdessen, dass sich die Aktien von Praktiker aus dem Kleinwerte-Index SDax verabschieden werden. Für die insolvente Baumarkt-Kette gibt es laut Insolvenzverwalter nur Interesse für eine Übernahme der Tochter Max Bahr, die Konzernmutter will niemand haben. Die Aktien offenbar auch nicht: Sie stürzten um 43,9 Prozent auf ein Allzeittief von nur noch knapp 5 Cent ab.

Solide Konjunkturdaten aus dem Euroraum lösten an den Börsen keine erkennbaren Reaktionen aus: Das Wirtschaftswachstum in den 28 EU-Staaten war im zweiten Quartal etwas höher als bisher angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (EU-BIP)stieg gegenüber dem ersten Quartal um 0,4 Prozent, teilte das Statistische Amt der EU in Luxemburg mit. Mitte August hatte das Amt in einer ersten Schnellschätzung den Anstieg auf 0,3 Prozent beziffert. Die Wirtschaftsleistung in den 17 Staaten mit der Eurowährung nahm um 0,3 Prozent zu. Dieser Wert wurde nicht korrigiert.

Mit dem Anstieg im zweiten Quartal 2013 gegenüber den ersten drei Monaten war die seit dem Herbst 2011 anhaltende Rezession beendet worden. Das Plus von EU und Eurozone profitierte unter anderem vom Wachstum in Deutschland (0,7) und Frankreich (0,5 Prozent). Auch Großbritannien, Finnland und Litauen schnitten mit Wachstumsraten von 0,7 Prozent gut ab. Das stärkste Wachstum gab es allerdings in Portugal mit 1,1 Prozent im zweiten Quartal.

Ermutigende Konjunktursignale kamen am Morgen aus China: Der Einkaufsmanagerindex (PMI) der Großbank HSBC für die Dienstleistungsbranche stieg im August auf 52,8 Punkte von 51,3 Zählern im Juli und damit auf den höchsten Stand seit fünf Monaten. Von der Wall Street erreichten zudem positive Vorgaben den Markt: Der Dow-Jones-Index hatte zu Beginn der feiertagsbedingt verkürzten Woche 0,2 Prozent hinzu gewonnen. Der S&P-500 war um 0,4 Prozent gestiegen. Der Nasdaq-Composite hatte sich um 0,6 Prozent verbessert. Der Nikkei-Index in Tokio legte am Mittwoch um 0,5 Prozent zu. Der Shanghai-Composite verbuchte ein Plus von 0,3 Prozent.

Erneut aufflammende Sorgen vor einer möglichen Intervention in Syrien hatten den Dax am Vortag deutlich ins Minus gedrückt. Dazu kam zumindest zeitweise die Aufregung um einen unangekündigten Raketenabwehrtest der israelischen Streitkräfte. Der deutsche Leitindex beendete den Dienstagshandel mit einem Abschlag von 0,77 Prozent auf 8180,71 Punkte. Für den MDax ging es um 0,59 Prozent auf 14.551,16 Punkte nach unten. Der TecDax bewegte sich mit einem Minus von 0,10 Prozent auf 1035,53 Punkte kaum von der Stelle.

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Quelle: n-tv.de

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