Wirtschaft

Draghi-Effekt in New York: US-Börsen feiern die EZB

Die Ankündigungen aus Europa verheißen anhaltenden Rückenwind: An den New Yorker Aktienmärkten nehmen Anleger die EZB-Weichenstellung zufrieden zur Kenntnis. Jetzt richten sich alle Blicke auf den Ende der Woche anstehenden Job Report.

Das EZB-Bekenntnis zu einer Stützung der Konjunktur hat die US-Börsen weiter in die Gewinnzone getrieben. Der Dow-Jones-Index gewann 0,4 Prozent und schloss bei 17.554 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 ging 0,4 Prozent höher bei 2031 Zählern aus dem Handel. Der Composite-Index an der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,4 Prozent auf 4638 Punkte. Der Auswahlindex Nasdaq 100 stieg um knapp 0,3 Prozent auf 4164 Punkte.

Ein offenbar entschlossener EZB-Präsident Mario Draghi liefert Anlegern in den USA neue Einstiegsargumente: Im Anschluss an die Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) bekräftigt der Notenbankchef die Absicht seines Hauses zum Kauf von Wertpapieren und zur Ausweitung der Notenbankbilanz.

"Investoren sind trainiert, bei jeder zusätzlichen Unterstützung durch die Notenbanken zu kaufen. Aber Draghi hat sehr deutlich gemacht, dass es der europäischen Konjunktur schlechter geht. Daher dürfte die Reaktion sehr kurzlebig sein", sagt Marktstratege Michael O'Rourke von JonesTrading. Letztlich habe Draghi auch kaum etwas Neues zum Besten gegeben, heißt es weiter.

Die EZB hatte nicht nur eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik in Aussicht gestellt, sondern auch den Leitzins unangetastet auf Rekordtief belassen. "Die EZB scheint für den letzten Schritt bereit zu sein, was konkret bedeutet, dass die Währungshüter im kommenden Jahr auch Staatsanleihen kaufen könnten", kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank.

Freundliche Konjunkturdaten aus den USA wirkten zusätzlich stützend: Veröffentlicht wurden die Produktivität außerhalb der Landwirtschaft und die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Beide Daten fielen besser aus als erwartet, wurden aber rasch abgehakt. Denn Ende der Woche steht der offizielle Regierungsbericht aus Washington zur Lage am US-Arbeitsmarkt im Oktober erwartet. Der sogenannte Job Report dürfte als sehr viel aussagekräftigeres Signal zur Konjunkturlage aufgefasst werden.

Tesla-Aktien gewinnen kräftig

Am Aktienmarkt kamen die Geschäftszahlen von Tesla Motors gut an. Am ersten Handelstag nach der Berichtsvorlage verteuerten sich die Papiere des visionären Autobauers um 4,4 Prozent. Der Hersteller von Elektrosportwagen hat im dritten Quartal zwar den Verlust ausgeweitet und zugleich die Unternehmenszielsetzung für die viel beachteten Auslieferungen gesenkt. Auf bereinigter Basis hat das Unternehmen aber besser als erwartet abgeschnitten.

Unter den übrigen Einzelwerten ragten die Papiere von Genworth Financial mit einem Kurseinbruch von mehr als 38 Prozent heraus. Der Versicherer hatte für das abgelaufene Quartal einen Rekordverlust gemeldet und einen steinigen Weg für das Unternehmen angekündigt.

Auch die Titel von Qualcomm verzeichneten mit minus 8,6 Prozent massive Verluste. Der weltweit größte Hersteller von Mobiltelefon-Chips bekommt sein China-Problem nicht in den Griff und enttäuschte die Erwartungen der Börsianer an das dritte Quartal.

Im Dow waren die Anteilsscheine von General Electric mit einem Plus von 2,1 Prozent Spitzenreiter. Am unteren Ende der Standardwerte-Tabelle standen American Express, die 0,9 Prozent verloren.

Nach Börsenschluss wurden noch die Ergebnisse von Walt Disney veröffentlicht. Umsatz und Ergebnis des Medienkonzerns fielen etwas höher als vom Markt prognostiziert aus. Den Disney-Aktien half dies aber zunächst nicht, sie fielen im nachbörslichen Handel um 1,15 Prozent.

Der Kurs des Euro fiel im US-Geschäft zuletzt auf 1,2375 Dollar, nachdem er im europäischen Mittagshandel noch über 1,2520 Dollar notiert hatte. Damit wurde die Gemeinschaftswährung auf dem tiefsten Stand seit August 2012 gehandelt. Richtungweisende zehnjährige Staatsanleihen fielen um 11/32 auf 99 29/32 Punkte. Sie rentierten mit 2,38 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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