Wirtschaft
Fed-Chef Bernanke tritt ab. Wird er die Anleihenkäufe noch einmal drosseln?
Fed-Chef Bernanke tritt ab. Wird er die Anleihenkäufe noch einmal drosseln?(Foto: picture alliance / dpa)

Drosselt Bernanke zum Abschied die Fed?: US-Börsen schalten in Vorwärtsgang

Die Wall Street kehren in verlorenes Gebiet zurück. Die Indizes legen zu. Etwas unschlüssig zeigt sich die Konjunkturagenda. Dafür gibt es reichlich Zahlen. Übergeordnet richten sich die Blicke nun aber auf die Fed-Sitzung.

Die US-Aktienmärkte haben einen Teil des zuletzt verlorenen Terrains zurückerobert. Dazu trug nicht zuletzt bei, dass sich die Lage an den Märkten der Schwellenländer beruhigt hat. Der Dow-Jones-Index stieg um 0,6 Prozent auf 15.929 Punkte. Der S&P-500 gewann 0,6 Prozent, und der Nasdaq-Composite rückte um 0,4 Prozent vor.

Die Konjunkturdaten des Tages wiesen keine einheitliche Tendenz auf. Ein unerwartetes Auftragsminus in der US-Industrie dämpft die Stimmung in New York anfangs. Die Bestellungen von langlebigen Gütern sackten im Dezember um 4,3 um Prozent zum Vormonat ab. Analysten hingegen hatten mit einem Plus von 1,8 Prozent gerechnet. "Insgesamt sollte man ein bisschen vorsichtig damit sein, was die US-Wachstumsstory angeht", sagte ING-Ökonom James Knightley in einer ersten Reaktion auf die Daten. 

Der Rückgang Ende 2013 war der größte seit Juli. Im November hatte es noch ein kräftiges Plus von 2,6 Prozent gegeben. Grund für die schwache Entwicklung war die geringe Nachfrage nach Computern und elektronischen Produkten, Transportgütern sowie Investitionsgütern wie Maschinen und Anlagen. Den Transportbereich ausgeklammert fiel das Minus mit 1,6 Prozent insgesamt deutlich geringer aus.

Dagegen fiel der Index des Verbrauchervertrauens überraschend gut aus.

Fed im Fokus

Die Daten wurden ohnehin eher am Rande wahrgenommen. Die eigentliche Aufmerksamkeit der Anleger galt der US-Notenbank, deren zweitägige Sitzung am Dienstag begonnen hat. Zentrales Thema der Sitzung wird die Drosselung des Anleihekaufprogramms der Federal Reserve sein. Beobachter fragen sich, ob die Fed ihre monatlichen Anleihekäufe abermals verringert oder aufgrund der jüngsten Verwerfungen an den Märkten an dem aktuellen Volumen festhält. Es wird die letzte Sitzung unter Leitung des scheidenden Chairman Ben Bernanke sein, der im Februar von Janet Yellen abgelöst wird.

Nick Sargen, Chief Investment Officer bei Fort Washington Investment Advisors, rechnet mit einer neuerlichen Verringerung der monatlichen Anleihekäufe um zehn Milliarden Dollar. Seiner Meinung nach wird die Fed sich bei ihren Entscheidungen allein von der heimischen Wirtschaftslage leiten lassen. Und da die US-Konjunktur wieder anziehe, habe sie die Hilfe der Notenbank nicht mehr so dringend nötig.

Unterdessen bemühten sich einige Schwellenländer, den jüngsten Verfall ihrer Währungen zu bremsen. Die indische Zentralbank hat den Leitzins um 25 Basispunkte erhöht, um die Landeswährung Rupie zu stützen. Von der türkischen Zentralbank (CBRT), die am Dienstag ebenfalls tagte, wurde erwartet, dass auch sie die Zinsen erhöht, nachdem die Lira zu Euro und Dollar auf Rekordtiefs gefallen ist. Die Sitzung der CBRT dauerte bei US-Börsenschluss noch an.

Icahn nutzt Apple-Schwäche

An der Börse machte unterdessen die Bilanzsaison die Kurse. Dabei erholten sich Technologiewerte nicht ganz so deutlich wie die Standardwerte, was vor allem an dem Kursverlust der Apple-Aktie lag, die um acht Prozent fiel. Das Unternehmen hat am Montag nach Börsenschluss in den USA Rekordzahlen veröffentlicht. So gab der Technologieriese Rekordverkäufe von iPhones und iPads bekannt, an der Börse war jedoch mehr erwartet worden. Auch der Ausblick des Konzerns wurde als zu vorsichtig kritisiert.

Den Kurssturz nutzte der streitlustige US-Investor Carl Icahn, um seinen Anteil günstig aufzustocken. "Habe gerade Apple-Aktien im Wert von 500 Millionen Dollar gekauft", schrieb er beim Kurznachrichtendienst Twitter. Allerdings hatte Icahn auch erst vergangene Woche seinen Apple-Anteil kräftig ausgebaut und von einem Gesamtwert von 3,6 Milliarden Dollar berichtet. Icahn verlangt von der Apple-Führung, den laufenden Aktienrückkauf aufzustocken - solche Maßnahmen treiben gewöhnlich den Kurs.

Noch stärker erwischte es die Aktien von Seagate Technology mit einem Minus von 11,3 Prozent. Händlern zufolge hat der Festplattenhersteller die Umsatz- und Gewinnerwartungen der Analysten im zweiten Geschäftsquartal verfehlt. Noch schlechter waren im Nasdaq 100 nur die Anteilsscheine am russischen Mobilfunkunternehmen Vimpelcom, die um 12,8 Prozent einbrachen. Eine Dividendenkürzung habe die Investoren verschreckt, hieß es.

Pfizer-Aktien legten um 2,6 Prozent zu, nachdem das Unternehmen überraschend gute Quartalszahlen vorgelegt hatte.

Auch DuPont hat einen überzeugenden Zahlenausweis präsentiert. Die Aktie konnte anfängliche Kursgewinne aber nicht halten und schloss um 1,1 Prozent leichter.

Automobilkonzern Ford hatte mit seinen Geschäftszahlen ebenfalls positiv überrascht. Die Aktie stieg jedoch um nur 0,1 Prozent. Auf dem schwächelnden europäischen Markt konnte Ford seine Verluste um acht Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar reduzieren und will 2015 wieder rentabel sein. Insgesamt blickt der Autobauer laut eigenen Angaben auf eines der besten Jahre seiner Unternehmensgeschichte zurück. Unterm Strich erzielte Ford 2013 einen Gewinn von 7,15 Milliarden Dollar (5,2 Milliarden Euro), 26  Prozent mehr als im Jahr zuvor. Den Umsatz steigerte Ford um zehn Prozent auf fast 147 Milliarden Dollar.

Quelle: n-tv.de

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