Wirtschaft
Der Dax zur Wochenmitte: Die große Frage war laut Marktteilnehmern, ob die US-Notenbank es schafft, den Zinserhöhungspfad beizubehalten.
Der Dax zur Wochenmitte: Die große Frage war laut Marktteilnehmern, ob die US-Notenbank es schafft, den Zinserhöhungspfad beizubehalten.(Foto: REUTERS)

Dax steigt der Fed entgegen: US-Börsen schließen im Plus

Nur wenig zurückhaltend zeigt sich der deutsche Aktienmarkt vor der mit Spannung erwarteten Entscheidung der US-Notenbank zur weiteren Geldpolitik. Besonders die Auto-Aktien treiben den Leitindex an. In New York endet der Handelstag in der Gewinnzone.

Nur einmal rutschte der Dax an diesem Handelstag im Vorfeld der Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve zur weiteren Zinspolitik ins Minus. Schnell war das Tief aber überwunden und der Leitindex schloss am Ende mit einem Gewinn von 0,5 Prozent auf 9983 Punkte. Zwar wurde die 10.000er-Marke immer wieder angekratzt, jedoch blieb dem Index ein dauerhafter Ausbruch darüber hinaus verwehrt. "Bei 10.000 Punkten scheint der Deckel drauf zu liegen", sagte ein Händler.

Die Fed wird ihre Entscheidung gegen 19 Uhr (MEZ) bekannt geben. Ab 19.30 Uhr erläutert Fed-Chefin Janet Yellen die Beschlüsse vor der Presse. Die große Frage ist laut Marktteilnehmern, ob die US-Notenbank es schafft, den Zinserhöhungspfad beizubehalten, ohne damit eine neue Runde der Risikoaversion einzuleiten.

Eine Zinserhöhung an diesem Mittwoch erwarten nur ganz wenige Marktteilnehmer. Die US-Notenbank wird aber nach Meinung des Vermögensverwalters Aberdeen ihr Ziel von drei Zinserhöhungen in diesem Jahr bekräftigen. Das würde viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischen: Laut einer neuen Umfrage der Bank of America-Merrill Lynch rechnen 41 Prozent mit zwei Zinserhöhungen und 37 Prozent nur mit einem Schritt in diesem Jahr, 8 Prozent erwarten sogar gar keine Zinserhöhung.

Die Deutsche Börse hatte am Morgen ein offizielles Gebot für die London Stock Exchange vorgelegt. Beide Unternehmen streben einen Zusammenschluss unter Gleichen an. Die Fusion soll über einen reinen Aktientausch erfolgen. LSE-Aktionäre sollen mit 45,6 Prozent an dem neuen Unternehmen beteiligt sein, die Aktionäre der Deutschen Börse mit 54,4 Prozent. Die Details entsprechen den Vorankündigungen. Die Frage ist nun, ob die CME oder die ICE ein Gegengebot vorlegen werden.

Der europäische Automarkt hatte im Februar dank deutlicher Zuwächse in den großen Märkten an Dynamik gewonnen. Die Verkäufe kletterten, besonders gestützt von besseren Geschäften in Italien, um 14 Prozent auf 1,093 Millionen Fahrzeuge. "Die ACEA-Absatzzahlen zeigen eines: Die Leute nehmen wieder Geld in die Hand", sagte ein Händler.

Frankfurt: BMW preschen an die Spitze

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Der Dax schloss am Ende 0,5 Prozent verbessert auf 9983 Punkten. Für den Nebenwerte-Index MDax ging es 0,9 Prozent auf 20.104 Zähler nach oben. Ein Plus von 0,1 Prozent gab es beim TecDax, der auf 1633 Punkte zulegte. Der Eurozonen-Index Euro-Stoxx-50 hingegen sank 0,2 Prozent auf 3063 Punkte.

Ganz oben im Dax standen nach den starken Zahlen vom europäischen Markt die deutschen Auto-Aktien: Daimler stiegen um 1,8 Prozent, VW verbesserten sich um 1,5 Prozent. Zulieferer Continental legte 2,2 Prozent zu. Der absolute Überflieger waren jedoch BMW, die nach einem Ausblick auf einen anhaltenden Rekordkurs mit einem Plus von 3,9 Prozent an der Dax-Spitze landeten.

Am hinteren Ende landeten weit abgeschlagen die Aktien der Deutschen Bank, die um rund 4,4 Prozent einbrachen. Die Bank hatte mitgeteilt, dass mit Blick auf das laufende Jahr ein kleiner Verlust nicht auszuschließen sei.

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Für Gesprächsstoff sorgten die Börsenbetreiber Deutsche Börse und LSE, die sich auf Details zur geplanten Fusion einigten: Die Titel der Deutschen Börse stiegen um 0,2 Prozent, die der LSE sanken hingegen um 1,2 Prozent.

Nach anfänglichen Verlusten schlossen Munich Re 0,5 Prozent im Plus. Der weltgrößte Rückversicherer hatte einen Ausblick für das laufende Jahr gegeben: Er erwartet nach Steuern einen Gewinnrückgang auf 2,3 bis 2,8 Milliarden Euro. Die Prognose fiel am unteren Ende der Spanne niedriger als bislang am Markt erwartet aus.

Auf Talfahrt gehen die im MDax notierten Aktien von Bilfinger, die 9,2 Prozent einbüßten. Der kriselnde Bau- und Industriedienstleister hat einen skeptischen Ausblick auf das laufende Jahr veröffentlicht.

Ebenfalls im MDax zogen dagegen die Aktien von Brenntag um 7,2 Prozent an. Der Chemikalienhändler hatte nach einer Gewinnsteigerung im abgelaufenen Geschäftsjahr die Dividende angehoben.

USA: Wall Street schließt im Plus

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Die US-Börsen haben nach dem Zinsentscheid der US-Notenbank Fed höher geschlossen. Der Dow-Jones-Index stieg um 0,4 Prozent auf 17.326 Punkte und erreichte damit ein neues Jahreshoch. Der breiter gefasste S&P-500 legte um 0,6 Prozent auf 2027 Stellen zu. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,8 Prozent auf 4764 Zähler.

Die US-Währungshüter lassen die Zinswende erst einmal ruhen und reduziert das Straffungstempo. "Die Entscheidungen werden am Markt als 'überraschend abwartend' interpretiert", sagte Alfonso Esparza vom Währungshändler Oanda. Die Notenbanker hätten ihre Prognosen nach der Zinserhöhung im Dezember aggressiv zurückgeschraubt. Der steigende Ölpreis half den Börsen ebenfalls. Harm Bandholz von der Unicredit hob hervor: "Die Fed ist noch vorsichtiger geworden, obwohl sich das Umfeld verbessert hat."

Die Kurse in New York hatten zuvor mit kräftigen Auschlägen auf die Zinssignale aus Washington reagiert. Der Dow Jones sprang in den ersten Minuten nach dem Zinsentscheid nach einem wechelhaften Verlauf fast 100 Zähler ins Plus.

Besonders nervös reagierten Banktitel auf die Entscheidungen der Notenbank. Die Aktien von Goldman Sachs beendeten den Handel mit einem Minus von 0,98 Prozent als zweitschlechtester Wert im Dow. Die Aktien von JPMorgan verloren 0,5 Prozent. Tagesverlierer im US-Leitindex war Pfizer mit einem Abschlag von 1,7 Prozent.

Bester Wert waren dagegen die Anteile am Baumaschinenhersteller Caterpillar mit plus 2,6 Prozent. Oracle-Aktien profitierten von der Zahlenvorlage und gewannen 3,8 Prozent. Zuvor waren sie auf den höchsten Stand seit Juli 2015 gestiegen. Analyst Gal Munda von der Privatbank Berenberg zeigte sich vom Gewinn je Aktie positiv überrascht. Zudem treibe der angekündigte Aktienrückkauf die Titel nach oben.

Die Papiere von Linkedin rutschten nach einer gestrichenen Kaufempfehlung um fast 5 Prozent ab. Angesichts einer abnehmenden Geschäftsdynamik, steigender Investitionen und wachsender Risiken stufte Morgan-Stanley-Analyst Brian Nowak das Papier ab.

Der Aktienkurs von Peabody Energy brach um gut 45 Prozent ein. Dem größten US-Kohleproduzenten droht die Pleite. Die Experten des Analysehauses FBR & Co. blieben mit dem Blick auf Peabody besorgt und bekräftigten ihre Verkaufsempfehlung.

Der Kurs des Euro schloss nach der Zinsentscheidung auf zuletzt 1,123 US-Dollar hoch. Den Referenzkurs hatte die Europäische Zentralbank zuvor auf 1,1064 (Vortag: 1,1109) Dollar festgesetzt. Richtungweisende zehnjährige US-Staatsanleihen gewannen 13/32 Punkte auf 97 10/32 Punkte. Die Rendite sank damit auf 1,92 Prozent.

Asien: Märkte halten sich vor Fed zurück

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Das Warten auf die Fed bestimmte auch das Geschehen an den Aktienmärkten in Ostasien und Australien. Die Anleger hielten sich mit Käufen wie auch Verkäufen eher zurück in der Hoffnung, im späteren Tagesverlauf Genaueres über den weiteren geldpolitischen Kurs der US-Notenbank zu erfahren; insbesondere darüber, wann mit der nächsten Zinserhöhung zu rechnen ist. Mehrheitlich rechnen Fondsmanager laut einer Umfrage der Bank of America-Merrill Lynch in diesem Jahr mit noch zwei Zinserhöhungen.

In diesem Umfeld setzte sich an den Börsen keine einheitliche Tendenz durch und die Ausschläge hielten sich in Grenzen. In Shanghai stieg der Composite-Index leicht und schloss 0,2 Prozent höher auf 2871 Punkten. Etwas gestützt wurde er von zuversichtlich stimmenden Kommentaren des chinesischen Ministerpräsidenten zur wirtschaftlichen Lage. Li Keqiang hatte gesagt, es sei "unmöglich" für China, seine Wirtschaftsziele nicht zu erreichen. Außerdem kündigte er eine Handelsverbindung noch in diesem Jahr zwischen den Aktienmärkten in Shenzhen und Hongkong an, ohne allerdings Details zu nennen. Zudem hat Chinas Nationaler Volkskongress den neuen Fünfjahresplan zur Haushalts- und Wirtschaftsentwicklung des Landes verabschiedet. Laut dem Plan rechnet China für das laufende Jahr und bis 2020 mit einem jährlichen Wirtschaftswachstum von 6,5 bis 7 Prozent.

In Japan verlor der Nikkei-Index dagegen 0,8 Prozent und schloss bei 16.974 Punkten. Verkauft würden vor allem Bankenaktien, heißt es. Mitsubishi UFJ Financial Group verloren 3,3 und Sumitomo Mitsui Financial Group 2,9 Prozent. Sie litten unter Bedenken bezüglich ihrer Profitabilität, nachdem Notenbankchef Kuroda angedeutet hatte, dass auch ein negativer Zins von einem halben Prozent in Japan denkbar sei. In Australien schloss der S&P/ASX-200 um 0,2 Prozent höher, in Südkorea bewegte sich der Kospi kaum.

Rohstoffe: Nordsee-Öl wieder bei 40 Dollar

Die Ölpreise sind erstmals in der laufenden Woche wieder gestiegen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai lag am späten Nachmittag bei 40,09 US-Dollar. Das waren 1,35 Dollar oder 3,5 Prozent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im April stieg um 1,45 Dollar oder 4,0 Prozent auf 37,79 Dollar.

Händler erklärten die steigenden Ölpreise mit einem nur geringen Zuwachs der Ölreserven in den USA. Laut Daten des privaten American Petroleum Institute (API) vom Vorabend sind die Lagerbestände an Rohöl in der vergangenen Woche um 1,5 Millionen Barrel gestiegen und damit so schwach wie seit vier Wochen nicht mehr. Die US-Regierung wird die offiziellen Daten zu den Ölreserven am Nachmittag veröffentlichen.

Der Goldpreis bewegte sich seitwärts, da es aktuell an Impulsen fehlt. Sollte die US-Notenbank Hinweise auf ein Anziehen der Zinszügel liefern, dürfte der Preis unter Druck geraten. Die Feinunze kostet gegenwärtig 1229 Dollar.

Devisen: Euro um 1,11-Dollar-Marke

Der Kurs des Euro hat vor der mit Spannung erwarteten Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed nachgegeben. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1060 US-Dollar. Im asiatischen Handel war es noch gut ein halber Cent mehr gewesen. Die EZB hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1064 (Dienstag: 1,1109) Dollar festgelegt.

Zur Wochenmitte konnte der amerikanische Dollar zu vielen Währungen zulegen, so auch zum Euro. Ausschlaggebend waren vor allem Inflationsdaten aus den USA. Die Gesamtinflation hatte mit 1,0 Prozent zwar immer noch klar unter dem längerfristigen Notenbankziel von zwei Prozent gelegen. Unter Ausklammerung des Rohölpreisverfalls waren die Preise, gemessen an der Kernrate, mit 2,3 Prozent aber merklich gestiegen.

Quelle: n-tv.de

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