Wirtschaft
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Konjunkturdaten lasten auf Kursen: US-Börsen schließen schwach

An der New Yorker Wall Street wird der letzte Handelstag der Woche von durchmischten Signalen aus dem Inneren der US-Wirtschaft geprägt: Nach den Kursverlusten des Vortages rücken die Baubeginne, die Produktivität der Unternehmen und das Verbrauchervertrauen ins Blickfeld.

Steigende Zinsen waren auch zum Wochenausklang das zentrale Thema an den US-Finanzmärkten. Obwohl die Konjunkturdaten des Tages nicht in allen Punkten überzeugten, änderten sie nichts an dem übergeordneten Bild, dass die Wirtschaft der USA auf eigenen Füßen stehen kann und die Hilfe der Notenbank nicht mehr nötig hat. Am Markt setzt sich immer mehr die Überzeugung durch, dass die Federal Reserve schon im kommenden Monat damit beginnen wird, ihre Wirtschaftsstimuli zu verringern. Das dämpfte die Stimmung am Aktienmarkt.

Der Dow-Jones-Index verlor 0,2 Prozent auf 15.081 Punkte. Der S&P-500 gab um 0,3 Prozent auf 1655 Zähler nach, und der Nasdaq-Composite um 0,1 Prozent auf 3602 Punkte.

Investoren seien nach wie vor besorgt darüber, dass die wirtschaftliche Erholung schwächer als erwartet ausfalle, sagten Händler. Gegen Ende der auslaufenden Berichtssaison zum Halbjahr rückten am Berichtstag wieder die Daten zur US-Konjunktur in den Mittelpunkt des Interesses. Von ihnen erhofften sich die Händler insbesondere einen Fingerzeig darauf, wann die Fed damit beginnen wird, ihr Anleihenkauf-Programm zur Konjunktur-Stützung zurückzufahren.

Unter anderem stand ein Signal aus dem Immobilienmarkt an: Die Zahl der Wohnbaubeginne  stieg im Juli um 5,9 Prozent aufs Jahr gerechnet auf 896.000. Analysten hatten mit einem Anstieg auf 900.000 gerechnet, nachdem es im Juni noch ein deutliches Minus von knapp acht Prozent gegeben hatte. Zudem nahm die Produktivität  der US-Wirtschaft im zweiten Quartal kräftiger zu als erwartet. Auf das Jahr hochgerechnet kamen die Statistiker auf eine Rate von plus 0,9 Prozent. Analysten hatten mit 0,6 Prozent gerechnet. Allerdings wurde der Wert für das Vorquartal auf minus 1,7 von plus 0,5 Prozent nach unten korrigiert.

Eine Verbraucherumfrage der Universität Michigan ergab, dass sich die Stimmung unter den US-Verbrauchern im August unerwartet eingetrübt hat. Die Verbraucher spielen eine Schlüsselrolle für die Wirtschaft der USA, weil rund 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vom Privatkonsum abhängen.

Deutliches Zeichen dafür, dass sich die Wirtschaft erhole, seien die steigenden Realzinsen, sagte Jerry Villella, Investmentspezialist bei JP Morgan. Eine steiler werdende Zinsstrukturkurve, wie sie derzeit zu beobachten sei, sei niemals Vorbote einer Rezession. Allerdings sei die US-Wirtschaft bisher in diesem Jahr eher verhalten gewachsen, was sich an der Ertragsentwicklung der Unternehmen ablesen lasse, die sich durch geringe Umsatzsteigerungen und praktisch stagnierende Margen auszeichne.

Viele Gesellschaften hätten ihr Ergebnis je Aktie aufgehübscht, indem sie eigene Aktien zurückgekauft und aus dem Register gestrichen hätten. Das stimme die Anleger skeptisch und lasse sie Gewinne mitnehmen, zumal der Aktienmarkt seit Jahresbeginn kräftig zugelegt habe, so Villella.

Pandora im Plus

Aktien von Bauunternehmen wie Lennar und Pulte Group, die auf Eigenheime spezialisiert sind, zeigten sich nach den Daten zu den Baubeginnen fester. Sie gewannen 1,8 Prozent und 2,3 Prozent.

Der Kurs von Applied Materials stieg um 1,9 Prozent. Der Halbleiterausrüster hat zwar einen Gewinnrückgang gemeldet und einen enttäuschenden Ausblick gegeben, aber den bisherigen Präsidenten des Unternehmens, Gary Dickerson, zum neuen Chef bestimmt. Diese Personalentscheidung kam bei den Anlegern gut an. JDS Uniphase gewannen 1,6 Prozent. Das Unternehmen ist in seinem vierten Geschäftsquartal in die Gewinnzone vorgedrungen, wenn auch nur dank eines Sondereffekts.

Aktien von Pandora Media verteuerten sich um 2,5 Prozent. JP Morgan hatte die Kaufempfehlung für die Titel des Internetradioanbieters bekräftigt. Eine Gewinnwarnung drückte den Kurs von Nordstrom um 4,9 Prozent. Der Einzelhändler befindet sich mit seinen pessimistischeren Erwartungen indessen in guter Gesellschaft: Auch Branchenriese Wal-Mart klagte schon am Donnerstag über die nachlassende Konsumbereitschaft der Kunden.

Die Aktien von Boeing legen nach vorbörslichen Verlusten um gut 1 Prozent zu. Für die jüngste Panne beim Prestigeflugzeug 787 "Dreamliner" macht der Airbus-Konkurrent nun eine externe Fehlerquelle verantwortlich. Der Flugzeugbauer führt falsch montierte Feuerlöscher an Bord dreier Maschinen auf den Zulieferer der Feuerlösch-Behälter zurück.

Überangebot an Jumbos ?

Eine neue Analysteneinschätzung könnte den Boeing-Kurs mittelfristig stützen: Ein Mangel an neuen Aufträgen für die beiden vierstrahligen Flugzeugtypen Boeing 747 "Jumbojet" und den Militärtransporter C-17 "Globemaster" könne laut Oppenheimer für die Aktie des Flugzeugherstellers zur Belastung im laufenden Jahr werden. Der Anstieg der Aktie um 36 Prozent seit Anfang des Jahres mache die Aktie anfällig für Abschwünge, hieß es. Diese sollten als Kaufgelegenheit genutzt werden, rieten die Analysten.

Insgesamt hält Oppenheimer am Votum "Outperform" sowie am Kursziel von 120 US-Dollar fest. Ein niedrigerer Bedarf an Umlaufkapital für das 787-Programm, das allmählich an Boden gewinne, könne in den kommenden Jahren zu einer Verbesserung des Barmittelflusses beitragen.

Quelle: n-tv.de

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