Dienstag, 29. September 2009
Inside Wall Street: US-Firmen zocken weiter ab
Lars Halter, New York
Hohe Beträge werden zuerst abgebucht, um das Konto schneller ins Minus zu drücken.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Amerikanische Firmen haben viele Wege, mit der aktuellen Wirtschaftskrise umzugehen. Einige bemühen sich nach Kräften um Preissenkungen, die zwar auf die Margen drücken, dafür aber Kunden in die Läden bringen. Andere zocken Verbraucher mit allen möglichen Tricks ab, um sich zu bereichern. Die Hauptschuldigen: Banken und Fluggesellschaften.
Offizielle Statistiken gibt es vermutlich nicht, doch ist klar: Banken und Fluggesellschaften dürften zu den unbeliebtesten Branchen in Amerika gehören. Die Banken vor allem, weil sie sich nach hochriskanten und von blinder Gier angetriebenen Spekulationen mit Milliardenzahlungen vom Steuerzahler retten lassen mussten - und diesen dann weiter zur Kasse zu bitten.
Abgelehnte Kredite, hohe Zinsen und Strafgebühren bei der Kontoführung - den Branchenriesen ist jedes Mittel recht, in der Krise ein paar Cent einzufahren. Wer sein Konto überzieht, zahlt pro Verstoß 35 Dollar. Die Finanzriesen - allen voran Bank of America, aber auch J.P. Morgan Chase, Citibank und Wells Fargo - bemühen sich regelrecht, die Überziehungen künstlich hoch zu halten: Sie buchen hohe Beträge zuerst ab, um das Konto schneller ins Minus zu drücken.
Massive Proteste von Verbraucherschützern haben jetzt zu Ergebnissen geführt: Einige der großen amerikanischen Geldhäuser fahren ihre Gebühren zurück - allerdings nur minimal. Verschont wird etwa, wer sein Konto nur um weniger als fünf Dollar überzieht; wer eine größere Überweisung unüberlegt aufgibt, ist natürlich trotzdem dran.
Nicht minder tückisch sind die Fluggesellschaften hinter dem Geld der Kunden her. Alle paar Monate lässt sich die Branche neue Sondergebühren einfallen, die aber niemals in den Preis eingerechnet werden. Dadurch bleiben die Ticketpreise, etwa bei der Buchung im Internet attraktiv niedrig - draufgeschlagen wird später. Etwa für jeden extra Koffer, für mehr Beinfreiheit, und ab sofort auch für ganz normale Sitze an Tagen mit hohem Passagieraufkommen.
Die großen US-Gesellschaften – angefangen mit American Airlines und binnen einer Stunde gefolgt von Delta Air Lines, Northwest und U.S. Airways - verlangen jetzt am Thanksgiving-Wochenende und an Weihnachten zehn Dollar mehr pro Ticket, die aber nicht im Preis verbucht werden sondern unter "verschiedene Aufschläge".
Damit werden Kunden erneut für dumm verkauft, und man fragt sich, ob diese Strategie langfristig klug ist. Wäre es für ein Unternehmen nicht besser, sämtliche Extras ganz ehrlich einzupreisen, die Tickets zwar teurer zu verkaufen, aber mit dem Zusatz: "Keine weiteren Aufschläge!"? Das dürfte Kunden gefallen, die letztlich den gleichen Preis zahlen wie sonst auch, aber zumindest während der Buchung nicht mehr angelogen werden.
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