Wirtschaft
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Wall Street leicht im Minus: VW-Skandal vermiest Dax den Handelstag

Der Abgas-Skandal ist derzeit eine starke Belastung für den Dax. Denn nicht nur die Aktien von Volkswagen, auch die anderer Autobauer werden davon belastet. Und diese haben im Dax eine gewichtige Stellung. Die 11.000er-Marke ist vorerst kein Thema mehr.

Deutlicher Rückschlag für den Dax auf dem Weg zur 11.000-Punkte-Marke. Nach einem Schwächeanfall pünktlich zum Start der US-Börsen gaben die Aktienmärkte in Europa einen großen Teil ihrer Gewinne wieder ab. Dabei bremsten schwache Autowerte den Dax komplett aus. Während es an den meisten Plätzen in Europa aufwärts ging, befand sich das deutsche Aktienbarometer im Rückwärtsgang. Am Ende schloss der deutsche Leitindex 1,0 Prozent im Minus bei 10.845 Punkten.

Im Handel wurde darauf verwiesen, dass ein großes Verkaufsprogramm in Europa für Druck auf die Aktien gesorgt habe. Möglicherweise sei es durch die Schwäche im Euro ausgelöst worden. Der Euro fiel kurzfristig unter die Marke von 1,0875 Dollar, verglichen mit Tageshochs über 1,0950, nachdem neue US-Arbeitsmarktdaten die Spekulation auf eine Zinserhöhung im September eher stützen. Zudem war der Einkaufsmanagerindex für das US-Dienstleistungsgewerbe deutlich besser ausgefallen als gedacht und spricht damit ebenfalls für steigende Zinsen, wie sie die US-Notenbank zuletzt nochmals für Dezember ins Gespräch gebracht hatte.

Die neusten Nachrichten rund um Volkswagen belasteten den ganzen Automobilsektor, der im Dax besonders stark repräsentiert ist mit VW, Daimler, BMW und Continental. In dem weiter auf Benzinmotoren ausgeweiteten Skandal um manipulierte CO2- und Verbrauchswerte sieht die Commerzbank einen stärkeren negativen Einfluss auf die Absatzzahlen als in der vorausgegangenen Affäre um manipulierte Schadstoffemissionen bei Diesel-Fahrzeugen.

Der MDax verlor minimal und sank um 0,1 Prozent auf 21.188 Stellen. Der TecDax büßte 1,4 Prozent ein auf 1797 Punkte. Die Schwäche blieb am Ende nicht nur auf Teile des deutschen Markts beschränkt: Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx 50 verlor um 0,1 Prozent. Voll im Vordergrund standen neben den Entwicklungen bei VW und den Kursverlusten im Autosektor verschiedene Unternehmenszahlen aus der laufenden Berichtssaison.

Frankfurt: VW-Aktie rutscht ab

Nach den neuerlichen Hiobsbotschaften aus Wolfsburg warfen Anleger in Scharen ihre VW-Aktien aus den Depots: Die im Dax gelistete Vorzugsaktie von VW brach zum Auftakt in der Spitze um mehr als 10 Prozent ein und fiel zeitweise unter die Marke von 100 Euro. Im Frühling hatte das Papier noch bei mehr als 250 Euro gelegen. Am Ende notiert sie mit einem Minus von 9,5 Prozent knapp oberhalb von 100 Euro.

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In den Sog gerieten wie befürchtet auch Daimler, BMW und aufgrund ihrer Gewichtung den gesamten Index ins Minus drücken. Daimler gaben 2,1 Prozent ab und BMW 1,2 Prozent. "Man glaubt jetzt nicht mehr, dass das ein reines VW-Problem ist, sondern bald für alle Hersteller zum Belastungsthema werden wird", sagte ein Händler. Daher werde nun der gesamt Sektor in Sippenhaft genommen.

In der zweiten Reihe kletterten Evonik nach Zahlen um 2,9 Prozent. Der Konzern hatte einem Händler zufolge im dritten Quartal gut abgeschnitten. Im TecDax büßten Drillisch nach Zahlen knapp 3,2 Prozent ein. Hier verwiesen Händler auf Gewinnmitnahmen und höhere Erwartungen an die Dividende.

Ermuntert von einem Umsatz- und Gewinnsprung griffen Anleger dagegen bei Norma zu. Die Aktien des Auto- und Industriezulieferers schlossen 5,6 Prozent im Plus. Die Norma-Aktien lagen an der Spitze des Nebenwerte-Index MDax.

USA: Wall Street mit geringen Verlusten

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Die US-Aktienmärkte geben leicht nach. Der Dow-Jones-Index fällt um 0,3 Prozent und schließt bei 17.868 Punkten. Der S&P-500 verliert 0,4 Prozent auf 2102 Zähler, der Nasdaq-Composite um 0,1 Prozent auf 5142 Punkte. Auf dem Terminkalender stehen diverse Konjunkturdaten, die neben der laufenden Berichtssaison für Bewegungen in die eine oder andere Richtung sorgen könnten.

Den Anfang haben bereits die Daten des Dienstleisters ADP zur Beschäftigung im Privatsektor gemacht. Der gemeldete Zuwachs von 180.000 Stellen traf fast exakt die Erwartung. Die Zinserhöhungsspekulationen zum Dezembertermin werden von den Daten eher noch gestützt, wie auch die Reaktion des Dollar zeigt. Er legt zu und schickt den Euro auf ein Tagestief von 1,0860 Dollar.

Noch wichtiger als neue Konjunktursignale dürften aber aus Marktsicht die Auftritte diverser US-Notenbanker werden. An erster Stelle steht hier US-Notenbankchefin Janet Yellen, die sich bei einer Anhörung vor dem Ausschuss für Finanzdienstleistungen des Repräsentantenhauses zu Wort meldet - allerdings offiziell nur zur Bankenaufsicht und -regulierung. Die Ausführungen werden deshalb mit Spannung erwartet, weil die Konjunkturdaten aus den USA zuletzt nicht unbedingt für eine Zinsanhebung im Dezember sprachen, wie sie die US-Notenbank selbst aber jüngst wieder verstärkt ins Gespräch brachte.

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Bei den Einzelwerten verzeichnen Tesla ein Plus von 2,9 Prozent, gestützt von Hoffnungen auf einen Erfolg des Model X. Zwar hatte sich der Verlust im dritten Quartal deutlicher und stärker als erwartet ausgeweitet, dafür zogen die Umsätze aber erneut stark an.

Rasant abwärts geht es um 20,7 Prozent für Groupon. Der angeschlagene Gutscheinvermittler verbuchte im Zeitraum Juli bis September einen Umsatz- und Gewinnrückgang und enttäuschte auch mit seinem Ausblick. Zudem tauscht Groupon erneut seinen CEO aus. Der bisherige COO Rich Williams übernimmt den Posten von CEO Eric Lefkofsky, der Chairman des Board wird.

Der Online-Einzelhändler Etsy berichtete von einer Ausweitung des Verlusts im zurückliegenden Quartal. Etsy geben um 1,1 Prozent nach. Michael Kors hat die pessimistische Erwartung des Marktes im zweiten Quartal spielend übertroffen, auch obwohl der flächenbereinigte Umsatz um 8,5 Prozent gesunken ist. Die Aktie verteuert sich um 12 Prozent. Nach Rekordabschreibungen im dritten Quartal verlieren Chesapeake Energy 2,3 Prozent.

Asien: Fünf-Jahresplan schiebt Kurse an

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Ein Hoch an den chinesischen Aktienmärkten hat auch die anderen wichtigen asiatischen Börsen zur Wochenmitte nach oben gezogen. Händler begründeten das deutliche Plus mit guten Wirtschaftsdaten sowie den konjunktur- und währungspolitischen Beschlüssen des Fünf-Jahres-Plans der Regierung in Peking vom Vortag.

Der chinesische CSI-300-Index schloss 4,70 Prozent über Vortagesniveau bei 3628,54 Punkten und damit auf dem höchsten Stand seit sieben Wochen. Der Index spiegelt die Entwicklung der 300 größten Aktienwerte der Börsen in Shanghai und Shenzhen wider.

Der Hang-Seng-Index in Hongkong stieg um 2,15 Prozent auf 23.053,57 Punkte. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte ein Wachstum von jeweils mindestens 6,5 Prozent als Untergrenze für die nächsten fünf Jahren definiert. Dabei sei weniger das Wachstumstempo, als vielmehr die Qualität entscheidend. Zudem kündigte die chinesische Führung eine Wende in ihrer Währungspolitik an und will die Landeswährung Yuan (Renminbi) konvertibler machen.

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Positiv werteten Börsianer zudem auch die verbesserte Stimmung in Chinas Dienstleistungssektor. Nach den eher lauen Einkaufsmanagerindizes aus dem verarbeitenden Gewerbe in China vermittelt das von Caixin ermittelte Pendant für den Dienstleistungssektor ein deutlich optimistischeres Bild. Der entsprechende Index für China kletterte im Oktober deutlicher in den Expansionsbereich. "Die Entwicklung zeigt, dass die stimulierende Wirtschaftspolitik Effekte zeigt, während sich die ökonomischen Strukturen stetig verbessern", sagte Chefvolkswirt He Fan von Caixin Insight.

Vor diesem Hintergrund ging es auch in Tokio nach oben. Beflügelt von den Nachrichten aus China legte der Nikkei-Index für 225 führende Werte um 1,30 Prozent auf 18.926,91 Punkte zu. Im Vordergrund stand dabei der größte Börsengang seit Jahrzehnten: Die Aktie der japanischen Post (Japan Post) legte einen gelungenen Start hin und schloss mehr als 25 Prozent über dem Ausgabepreis.

Devisen: Euro fällt auf Dreimonatstief

Der Euro hat seinen Abwärtskurs der vergangenen Wochen fortgesetzt und ist unter die Marke von 1,09 US-Dollar gefallen. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,0860 Dollar. Das ist der tiefste Stand seit Anfang August. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,0935 (Dienstag: 1,0976) Dollar festgelegt.

Der Dollar kostete damit 0,9145 (0,9111) Euro. Unter erhöhten Druck geriet der Euro am Nachmittag. Auslöser war zum einen, dass sich die Stimmung in dem für die US-Wirtschaft wichtigen Dienstleistungssektor deutlich aufhellte. Zum anderen konnten Daten vom Arbeitsmarkt überzeugen.

Rohstoffe: Ölpreise brechen Anstieg ab

Nach einem deutlichen Anstieg am Vorabend sind die Ölpreise wieder deutlich gesunken. Am späten Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember 48,94 US-Dollar. Das waren 1,70 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI fiel um 1,23 Dollar auf 46,67 Dollar. Zuvor hatten die Ölpreise stark zugelegt.

Händler führten den Preisauftrieb auf eine gestiegene Auslastung der Raffinerien zurück, die das US-Energieministerium bekanntgegeben hatte. Experten sehen aber aufgrund eines anhaltenden Überangebots weiter eine pessimistische Stimmung am Ölmarkt. "Das Angebot ist das Entscheidende", sagte Jonathan Barratt, Experte vom australischen Finanzdienstleister Ayers Alliance Securities.

Quelle: n-tv.de

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