Dax-VorschauVorsicht vor der US-Bilanzsaison
Zu Beginn der Berichtssaison in den USA werden sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt in der neuen Woche wohl nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen wollen. Die Jahresendrally wird schon jetzt abgesagt.
Zu Beginn der Berichtssaison in den USA werden sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt in der neuen Woche wohl nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen wollen. "Zuletzt hatten wir massiv steigende Börsen und damit sind auch die Erwartungen gestiegen", stellt Steffen Neumann von der Landesbank Baden-Württemberg fest. Die Anleger dürften sich daher zur Berichtssaison in den USA eher vorsichtig positionieren. "Die Unternehmen könnten die Prognosen zwar erreichen, aber nicht so deutlich übertreffen. Und das gibt dem Markt nicht die Kraft zu neuen Jahreshochs."
Ähnlich sehen das auch die Aktienstrategen von der Landesbank Berlin: "Die Latte für weitere positive Überraschungen wurde zuletzt höher gehängt, weshalb auch mit der einen oder anderen negativen Nachricht zu rechnen ist." Sie gehen davon aus, dass Dax und EuroStoxx50 "zunächst einen kräftigen Schritt zurück machen müssen", um dann wieder zulegen zu können, was aber auch erst 2010 der Fall sein könnte. "Anlegern empfehlen wir daher, vorsichtig zu agieren."
In der abgelaufenen Woche hat der Dax bis zum Freitagmittag rund ein Prozent verloren. Seit seinem Jahrestief im März hat der Leitindex knapp 50 Prozent gewonnen. Mit einer Jahresendrally rechnen Analysten nicht mehr. Sie sehen den Dax zum Jahresende im Schnitt bei 5.649 Punkten, also kaum höher als das gegenwärtige Niveau von rund 5.500 Punkten.
Am Mittwoch macht der - vom Deutschen Klaus Kleinfeld geleitete - Aluminiumkonzern Alcoa den Auftakt zur Berichtssaison der großen US-Unternehmen. Anleger fiebern den Geschäftszahlen der Firmen entgegen, da sie wissen wollen, ob die in den vergangenen Wochen und Monaten gestiegene Hoffnung auf eine Belebung der Konjunktur nun gerechtfertigt war oder nicht. Steffen Neumann ist skeptisch. Er rechnet zwar damit, dass die Gewinne der US-Firmen vom schwachen Dollar profitieren dürften. Er hat aber seine Zweifel, ob auch die Umsätze deutlich angezogen sind. "Die Unternehmen müssten nun das liefern, was sie versprochen haben, als sie auf ein besseres zweites Halbjahr hingewiesen hatten." Zudem rechnet er damit, dass sich die Firmen nur verhalten zum weiteren Geschäftsverlauf äußern werden. Aus Deutschland liefert am Donnerstag der Handelskonzern Douglas erste Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2008/2009.
Marktbewegende Konjunkturdaten sind in der neuen Woche eher dünn gesät. Am Montag steht aus den USA der ISM-Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen auf der Agenda, am Freitag folgt dann die Handelsbilanz.
Aus Deutschland werden Zahlen zur Industrieproduktion (Donnerstag) und zu den Auftragseingängen der Industrie (Mittwoch) erwartet. Bei beiden rechnet Volkswirt Ralph Solveen von der Commerzbank mit einem deutlichen Anstieg. "Damit dürfte sich für das dritte Quartal mehr und mehr der von vielen Analysten erwartete kräftige Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes abzeichnen", sagt er.
Sowohl die Bank of England als auch die Europäische Zentralbank (EZB) entscheiden in der neuen Woche über das Zinsniveau. Analysten gehen davon aus, dass die BoE am Donnerstag den Leitzins bei 0,5 Prozent und die EZB bei einem Prozent belässt. Wie immer warten die Anleger jedoch gespannt darauf, wie sich EZB-Präsident Jean-Claude Trichet in der anschließenden Pressekonferenz äußern wird.