Fünfter Tag in FolgeWall Street auf Talfahrt
Die amerikanischen Börsen schließen den fünften Tag in Folge im Minus und es scheint, als könnte derzeit nichts die Indizes beflügeln. Denn trotz einiger Andeutungen aus der Notenbank schlossen die Indizes so niedrig wie seit fünf Jahren nicht mehr.
Trotz massiver Unterstützung durch die US-Notenbank haben die amerikanischen Börsen am Dienstag den fünften Tag in Folge schwere Verluste erlitten. Eine Hiobsbotschaft kam vom Internationalen Währungsfonds IWF: Die US-Immobilienkrise kostet die Finanzbranche weltweit 1,4 Billionen Dollar - weit mehr als bisher geschätzt. Die Federal Reserve deutete im Kampf gegen die immer bedrohlichere Kreditklemme eine Zinssenkung an. Sie will zudem erstmals Unternehmen aller Branchen Darlehen gewähren und so ein weiteres Übergreifen der Krise auf die Gesamtwirtschaft eindämmen.
Der New Yorker Aktienmarkt schloss dennoch mit deutlichen Kursverlusten. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zum Handelsschluss 5,1 Prozent tiefer bei 9447 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index rutschte 5,7 Prozent ab auf 996 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 5,8 Prozent und ging mit 1754 Punkten aus dem Handel.
Vor ein paar Wochen noch hätten die Nachrichten vom Dienstag eine Rallye an den amerikanischen Börsen ausgelöst. Denn Notenbankchef Ben Bernanke deutete eine Zinssenkung an, wonach die Anleger sich derzeit sehnen. Er sagte, dass die Aussichten für das Wirtschaftswachstum sich verschlechtert haben, während die Inflationsgefahr zurückgegangen sei und die Fed ihre derzeitige Politik deshalb überprüfen müsse.
Dies ist eine Abkehr von der bisherigen Politik, denn bisher hatte Bernanke betont, dass sich das Risiko für das Wachstum und der Inflationsdruck die Waage halten. Allerdings gefiel den Händlern nicht, dass die Zinssenkung nur angekündigt und nicht gleich durchgeführt worden war. Denn nachdem die australische Notenbank in der Nacht die Zinsen sogar um einen vollen Prozentpunkt gesenkt hatte, machte sich am Morgen die Hoffnung auf eine gemeinsame Aktion der Banken rund um den Globus breit.
Die Notenbank will aber nicht nur mit einer eventuellen Zinssenkung helfen, sondern zusätzlich die Normalbürger aus der Krise retten. So will sie erstmals auch ungesicherte Geldmarktpapiere aufkaufen. Außerdem sollen gesicherte Papiere gekauft werden und so den kleineren Betrieben außerhalb des Finanzsektors geholfen werden. Doch obwohl auch dies am Morgen kurzzeitig zu einer Aufhellung einer ansonsten düsteren Stimmung geführt hatte, gaben die Börsen bald nach.
Denn an den Märkten herrschte Uneinigkeit darüber, was die Finanzkrise zur Heilung bräuchte und ob genug und das Richtige getan werde, um die Misere zu beenden. So befürchteten einige Experten sogar, dass selbst eine Zinssenkung keine dauerhafte Erholung ausgelöst hätte.
Obwohl Alcoa die Ertragssaion am Abend hätte einläuten sollen, hat Bank of America (BoA) die Zeit der Quartalsberichte am Montagabend mit vorgezogenen Zahlen eröffnet. Der Gewinn der Bank war im vergangenen Quartal um 68 Prozent eingebrochen und die Dividende wurde um die Hälfte reduziert. Außerdem muss BoA zehn Milliarden Dollar an frischem Kapital durch die Ausgabe neuer Aktien einnehmen. Dies schockte die Anleger, denn BoA galt bisher als ein Finanzunternehmen, das die Krise sehr gut gemeistert hatte. Die Aktie fiel deshalb um 26 Prozent.
Auch die anderen Bankwerte zogen den Dow abwärts. So sank JP Morgan um elf Prozent und Citigroup gab 13 Prozent nach. Die Papiere von Morgan Stanley stürzten um 25 Prozent ab, da ein Gerücht umging, dass eine Investition der japanischen Bank Mitsubishi UFJ Financial Group geplatzt sei. Die Gerüchte wurden schnell dementiert, der Abschluss des Geschäfts sei noch vor dem Wochenende geplant.
Der Alukonzern Alcoa (minus 7,7 Prozent) enttäuschte nachbörslich mit einem deutlichen Gewinnrückgang im dritten Quartal. Auch die Talfahrt der US-Autobauer geht ungebrochen weiter. General Motors (minus 11 Prozent) und Rivale Ford (minus 21 Prozent) stehen angesichts des Absatzeinbruches vor immer größeren Kapitalproblemen.
Außerhalb der Finanzwerte will der Chiphersteller AMD seine Fertigungsanlagen zusammen mit einer Investmentfirma aus Abu Dhabi in ein eigenständiges Unternehmen verwandeln. Deshalb kletterten die Aktien von AMD um 8,5 Prozent.