Wirtschaft
Bevor die Fed ihr Anleihekaufprogramm zurückfährt, müssen noch deutlich mehr neue Stellen geschaffen werden.
Bevor die Fed ihr Anleihekaufprogramm zurückfährt, müssen noch deutlich mehr neue Stellen geschaffen werden.(Foto: REUTERS)

Rekordjagd geht weiter: Wall Street erklimmt neue Höhen

Der ersehnte Arbeitsmarktbericht bestimmt den US-Handel. In der ersten Lesart überwiegt die Enttäuschung über die weiter stotternde Konjunktur. Dann aber gewinnt die Erkenntnis, dass somit das Geld wohl weiter billig bleibt, die Oberhand. Und so geht es im Aktienhandel weiter aufwärts.

Die Anleger an Wall Street haben im späten Handel die Aktienindizes leicht ins Plus gehievt. Einmal mehr wurden neue Allzeithochs erreicht. Der Blick auf den lang erwarteten Arbeitsmarktbericht änderte sich im Verlauf. Zunächst herrschte Enttäuschung, weil nur 162.000 neue Stellen geschaffen wurden. Experten hatten mehr erwartet, zumal die jüngsten Indikatoren zuversichtlich stimmten. Später rückte ins Bewusstsein, dass damit die Geldpolitik weiter locker bleiben kann. Außerdem ist die Arbeitslosenquote auf 7,4 Prozent gefallen, das ist der niedrigste Stand seit Dezember 2008.

Der Dow-Jones-Index schloss mit einem Plus von 0,2 Prozent bei 15.658 Punkten, das ist auch das neue Allzeithoch. Der S&P-500 schloss ebenfalls auf Allzeithoch, nämlich bei 1.710 Stellen und einem Plus von 0,2 Prozent. Der Nasdaq-Composite stieg um 0,4 Prozent auf 3.690 Punkte, das war ein neues Jahreshoch.

Dollar verliert - Gold gewinnt

Der Arbeitsmarktbericht habe den jüngsten guten Daten nicht gerecht werden können, sagte die Helaba. Von einer "weiter mittelmäßigen" Konjunktur sprach Peter Boockvar, Analyst bei der Lindsey Group. Marc Chandler, Stratege bei Brown Brothers Harriman, meinte aber, die schwachen Zahlen vom Arbeitsmarkt dürften jene Teilnehmer zum Nachdenken bringen, die bereits im kommenden Monat mit weniger Wertpapierkäufen durch die Fed rechneten. Unterdessen sagte James Bullard, Präsident der Fed von St. Louis, die Notenbank müsse noch mehr Daten sehen, bevor sie über die Anleihenkäufe entscheiden könne.

Stärker als Aktien reagierten Devisen, Gold und Anleihen auf den Job-Bericht. So wertete der US-Dollar zu Euro und Yen deutlich ab. Die Gemeinschaftswährung zog auf 1,3285 Dollar an. Vor Veröffentlichung der Daten hatte der Euro bei rund 1,32 Dollar notiert. Offenbar setzten Marktteilnehmer mit diesen Daten auf eine Fortführung der extrem lockeren Geldpolitik in den USA, hieß es am Markt.

Am Rentenmarkt zogen die Notierungen der US-Staatsanleihen signifikant an. Die Rendite zehnjähriger US-Titel brach auf 2,62 nach 2,72 Prozent am Vorabend ein. Die Aussicht auf ein Anhalten der Dollarflut trieb den Goldpreis auf 1.307 Dollar für die Feinunze. Vor den Daten war diese für deutlich unter 1.300 Dollar zu haben. Hier würden Inflationssorgen eingepreist, hieß es im Rohstoffhandel. Am Ölmarkt verbilligte sich das schwarze Gold um 95 Cents oder 0,9 Prozent auf 106,94 Dollar das Fass.

Zahlen machen Kurse

Unter den Einzelwerten legten AIG 2,7 Prozent zu. Der Versicherungskonzern will erstmals seit 2008 eine Dividende ausschütten. Zudem überzeugten die Zweitquartalszahlen. Die Titel von LinkedIn sprangen knapp elf Prozent in die Höhe. Auch hier sind Anleger von den Zweitquartalszahlen des sozialen Netzwerks angetan.

Die Chancen für eine erfolgreiche Übernahme des US-Computerkonzerns Dell durch seinen Gründer und den Finanzinvestor Silver Lake haben sich deutlich verbessert, nachdem Michael Dell offenbar noch einmal nachgelegt hat. Der zuständige Board-Ausschuss des Konzerns wolle das Angebot der Buyout-Gruppe nun doch zulassen, nachdem er es zuvor abgelehnt hatte, sagten mit den Vorgängen vertraute Personen. Die Anteilsscheine legten 5,6 Prozent zu.

Die Aktien des Internetkonzerns AOL verloren 5,7 Prozent. Grund waren schwache Geschäftszahlen sowie ein enttäuschender Ausblick des Internetwerbevermarkters ValueClick. Die Titel dieser Gesellschaft brachen um 15 Prozent ein. Analyst Victor Anthony von Topeka Capital Markets zeigte sich von den AOL-Kursverlusten überrascht. Die Geschäftsentwicklungen der beiden Unternehmen bewegten sich in zwei völlig verschiedene Richtungen.

Chevron hat im zweiten Quartal weniger Öl gefördert und zudem einen Gewinneinbruch verbucht. Anleger senkten den Daumen und schickten den Kurs 1,2 Prozent gen Süden.

Quelle: n-tv.de

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