Wirtschaft
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Dünner Handel: Wall Street macht Verschnaufpause

Am Veterans Day halten sich die US-Börsianer zurück. Dennoch herrscht am Markt weiterhin gute Stimmung. Das Vertrauen in die US-Wirtschaft wächst. Europa und China sind im Schatten der weltgrößten Volkswirtschaft.

Auf dem Gipfel wird die Luft dünn. Auch den einen oder anderen Anleger schien am Dienstag an der Wall Street Höhenangst zu befallen. Zwar hatten sowohl Dow-Jones-Index als auch S&P-500 kurz nach Handelsbeginn neue Rekordstände erklommen, die wenige Punkte über den Höchstmarken vom Vortag lagen, doch schon bald begannen die Kurse zu bröckeln. Nachdem die beiden Indizes vier Tage in Folge immer neue Rekorde erzielt hatten, zögerten die Anleger, energischer zuzugreifen.

Der Dow-Jones-Index notierte zum Handelsschluss einen Punkt höher bei 17.615 Punkten. Bei 17.638 Punkten hatte der Index sein neues Rekordhoch erreicht. Auch der S&P-500 fiel von seinem neuen Allzeithoch bei 2041 Punkten zurück und schloss um 0,1 Prozent höher. Der Nasdaq-Composite gewann 0,2 Prozent auf 4186 Zähler.

Wegen des Feiertags Veterans Day waren die Umsätze dünn. Nur 0,61 (Montag: 0,72) Milliarden Aktien wechselten den Besitzer. Viele Marktteilnehmer dürften dem Geschehen ferngeblieben sein, zumal der Handel mit Staatsanleihen komplett ruhte und auch keine wichtigen Konjunkturdaten veröffentlicht wurden. An der Börse kamen auf 1604 Kursgewinner 1533 -verlierer. Unverändert schlossen 123 Titel.

Trotz des kleinen Rücksetzers am Aktienmarkt blieben Beobachter ungebrochen zuversichtlich. "Das Vertrauen in die US-Wirtschaft scheint alle Sorgen in den Hintergrund zu drängen, und die Bullen reiten auf dieser Welle mit", sagte Händler Jonathan Sudaria von der London Capital Group. "Vergessen ist, dass Europa auf der Schwelle zur Deflation steht oder die Konjunktur in China stottert - alles was die Kaufwilligen für eine Rally brauchen sind neue Dow-Hochs", ergänzte er.

Am Montag hatten sowohl der Dow wie auch der S&P-500-Index in einem bereits dünneren Geschäft als üblich Rekordmarken bei 17.613 bzw. 2038 Punkten gesetzt. Mit den neuen Hochs nähert sich der S&P-500 nach Auffassung des Marktstrategen Chris Weston von IG einem Verkaufsniveau, das er bei etwa 2078 Punkten ansiedelt. Der Experte hat in den vergangenen 18 Monaten beobachtet, dass immer dann, wenn etwa 85 Prozent der Aktien oberhalb ihrer 50-Tage-Durchschnitte handeln, der Index an eine Decke gestoßen ist. Zurzeit liege diese Quote bei 78 Prozent. Damit steigt seiner Ansicht nach die Wahrscheinlichkeit, dass Fonds langfristige Positionen auflösen.

Neben den Aktienindizes befand sich zeitweise auch der Dollar auf Rekordjagd, zumindest zum Yen. Das jüngste Siebenjahreshoch liegt nun bei über 116 Yen, nachdem der Dollar zum Wochenstart noch weniger als 115 Yen gekostet hatte. Die bereits jetzt und in der Zukunft womöglich noch weiter auseinanderklaffende Geldpolitik in den USA und Japan setzten dem Yen zu. Unter anderem nähren Spekulationen über eine Verschiebung der für 2015 geplanten zweiten Mehrwertsteuererhöhung in Japan die Erwartung, dass die japanische Notenbank weiter stark auf das geldpolitische Gaspedal treten muss. Mit den bröckelnden Aktienkursen kam der Greenback im späten Handel aber nicht nur zum Yen, sondern auch zum Euro zurück. Die Gemeinschaftswährung näherte sich wieder der Marke von 1,25 Dollar, nachdem sie am Vormittag kurz unter 1,24 Dollar gefallen war. Für einen Dollar wurden im späten Geschäft 115,44 Yen gezahlt.

Dank des nachgebenden Dollar erholten sich die Preise für WTI-Öl und Gold im späten Handel. Ein schwächerer Dollar macht sowohl Öl als auch Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums billiger. Das Barrel der US-Sorte WTI kostete zum Settlement 77,94 Dollar und damit 0,7 Prozent bzw 0,54 Dollar mehr als am Montag. Brentöl litt dagegen erneut unter dem Überangebot und Befürchtungen, dass die OPEC ihre Fördermenge nicht drosseln wird. Das Barrel der europäischen Referenzsorte ermäßigte sich um 0,8 Prozent bzw 0,67 Dollar auf 81,67 Dollar.

Der Preis für die Feinunze Gold, der am Montag unter Gewinnmitnahmen gelitten hatte, stieg bis zum Settlement um 0,3 Prozent bzw 3,20 Dollar auf 1.163 Dollar. Danach setzte er seinen Anstieg bis auf über 1.170 Dollar fort.

Bei den Einzelaktien zog die Alibaba Group die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich, weil das Internetkaufhaus am sogenannten Single-Tag mit hohen Rabatten innerhalb nur einer Stunde einen Umsatz von 2 Milliarde Dollar gemacht hat. Den Rekordwert vom Vorjahr für die gesamte 24-stündige Aktion am 11. November hat Alibaba schon vorzeitig übertroffen. Gleichwohl gab die Aktie um 3,9 Prozent nach, nachdem sie am Montag um 2,6 Prozent zugelegt hatte.

Die Aktie von Juniper Networks verbilligte sich um 5,7 Prozent, nachdem am Montag bekannt geworden war, dass Rami Rahim Nachfolger des nach nur einem Jahr ausscheidenden Vorstandschef Shaygan Kheradpir wird. GoPro setzten die Talfahrt vom Montag fort und verloren 1,0 Prozent. Der Hersteller von Videokameras hatte zu Wochenbeginn eine Aktienplatzierung angekündigt, durch die ihm 800 Millionen Dollar zufließen sollen.

Titel von Zynga wurden von einer Kaufempfehlung der Analysten von Jefferies um fast 11 Prozent nach oben getrieben. Dass Goldman Sachs die Aktie von Fiat Chrysler in einer Erstanalyse zum Kauf empfiehlt, wurde mit Kursgewinnen von 3,3 Prozent quittiert.

Unter den Einzelwerten standen auch Exxon Mobil im Fokus, nachdem die kanadische Tochter des Ölförderers die Produktion an ihrer größten Ölsand-Förderstätte wegen technischer Probleme für mehrere Wochen unterbrochen hat. Nachdem die Aktie am Montag unter den sinkenden Ölpreisen gelitten hatte, macht sie nun aber etwas Boden gut und stieg um 0,1 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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