Wirtschaft
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EZB-Zinsgeschenk und Datenregen: Wall Street nimmt EZB zur Kenntnis

Die US-Börsen haben einiges zu verdauen: Nicht nur hat EZB-Chef Draghi überraschend die Zinsen gesenkt. Auf die Anleger prasseln auch noch massig Konjunkturdaten ein, die wegen eines Feiertags verschoben wurden.

"Wie gewonnen, so zerronnen" lautete das Motto an der Wall Street. Hatten die überraschende Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) und überwiegend gute US-Konjunkturdaten die Indizes zunächst wieder einmal auf neue Rekordstände geführt, rutschte der Markt im späten Handel in negatives Terrain. Analysten begründeten den Rücksetzer mit der steigenden Zurückhaltung vor dem wichtigen US-Arbeitsmarktbericht für August am Freitag.

Der Jobmotor in den USA dürfte weiter mit hoher Drehzahl laufen. Die Ökonomen rechnen mit einem Plus von 225.000 Beschäftigten, nach einer Zunahme um 209.000 im Juli. Für die Arbeitslosenquote sagen die Volkswirte einen Rückgang auf 6,1 von 6,2 Prozent voraus. Der als Indikator gesehene ADP-Arbeitsmarktbericht für die Privatwirtschaft blieb am Donnerstag mit 204.000 neuen Stellen im August knapp unter der Erwartung des Marktes.

Der Arbeitsmarktbericht wird vor allem als wichtiger Hinweisgeber für den künftigen Fahrplan der US-Notenbank gesehen. Nach dem erwarteten Auslaufen der monatlichen Anleihekäufe im Oktober könnte die US-Notenbank, wie von den meisten Experten erwartet, Mitte 2015 eine erste Zinserhöhung verkünden. Fed-Präsidentin Janet Yellen hatte aber auch gesagt, dass die Zinsen schneller als erwartet steigen könnten, sollte der Arbeitsmarkt eine schnellere Erholung zeigen als unterstellt und die Inflation anziehen.

S&P geht etwas auf Abstand

Der Dow-Jones-Index reduzierte sich um 0,1 Prozent auf 17.070 Punkte. Das neue Allzeithoch liegt bei 17.162 Punkten. Der S&P-500 fiel um 0,2 Prozent auf 1998 Punkte, 13 Punkte unter seinem neuen Allzeithoch. Der Nasdaq-Composite gab um 0,2 Prozent auf 4562 Punkte nach.

Mit Spannung hatten US-Investoren auf die EZB geschaut, in Erwartung weiterer geldpolitischer Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur. "Die USA können kein langsames und stetiges Wirtschaftswachstum verzeichnen, wenn es in Europa nicht zu einer Erholung kommt", merkte Chefstratege Art Hogan von Wunderlich Securities an. Darüber hinaus wird die EZB ab Oktober auch Kreditverbriefungen und Pfandbriefe kaufen.

Die US-Konjunkturdaten des Tages fielen überwiegend positiv aus. Während der ISM-Index für den Dienstleistungssektor entgegen den Markterwartungen auf ein Rekordhoch stieg, lagen der ADP-Arbeitsmarktbericht und die wöchentlichen Erstanträge in etwa im Rahmen der Erwartungen. Gleiches galt für die Daten zur Produktivität außerhalb der Landwirtschaft.

JP Morgen drückt GoPro

Bei den Einzelwerten ging es für Ciena mit minus 9,5 Prozent kräftig abwärts. Der Telekom-Ausrüster hat zwar in seinem dritten Geschäftsquartal überraschend gut abgeschnitten, zeigte sich für das vierte Quartal allerdings weit weniger optimistisch, als Analysten erwartet hatten. Tibco profitierten mit plus 2,7 Prozent von Übernahmespekulationen. Der US-Softwareanbieter habe sich auf Druck eines Großaktionärs einigen Finanzinvestoren selbst zum Kauf angeboten, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg aus Kreisen.

Die GoPro-Aktie fiel um 6,6 Prozent, nachdem JP Morgan seine Kaufempfehlung für die Titel zurückgenommen hatte. Nach Meinung der Analysten ist die Aktie zu teuer, nachdem sie am Vortag ein Rekordhoch markiert hatte. Seit dem Börsengang Ende Juni seien die Titel schon um rund 139 Prozent über ihren Ausgabekurs von 24 Dollar gestiegen. Verkaufen sollten die Anleger aber auch nicht, meint JP Morgan. Es könnte nämlich sein, dass GoPro rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft neue profitable Produkte auf den Markt bringe.

Gut kamen dagegen Quartalszahlen und Umsatzausblick von Verifone an. Die Aktie des Anbieters von elektronischen Zahlungssystemen verzeichnete einen Aufschlag von 1,5 Prozent. Dagegen fielen Burger King und McDonald's um 3,3 und 0,1 Prozent. Angestellte der Fast-Food-Branche verstärken ihren Kampf für höhere Löhne und das Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren.

Quelle: n-tv.de

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