Wirtschaft
Amerika hält handelstechnisch die Fahne hoch.
Amerika hält handelstechnisch die Fahne hoch.(Foto: REUTERS)

Trotz enttäuschender US-Daten: Wall Street reagiert auf Ausverkauf

Eine technische Reaktion nach den deutlichen Verlusten des Vortags bestimmt den Handel an der Wall Street. Die Kurse legen deutlich zu. Auch in Deutschland dürfen die Börsianer durchschnaufen - aus einem anderen Grund.

Der Fokus der Börsianer liegt am Ende der Woche auf dem Börsengeschehen in den USA und Asien. Die meisten Börsen in Europa blieben an dem verlängerten Mai-Wochenende geschlossen.

An der Wall Street erholten sich die Kurse von dem Ausverkauf des Vortags - trotz leicht enttäuschender Konjunkturdaten und Unternehmenszahlen: Der Dow-Jones-Index stieg um 1,0 Prozent auf 18.024 Punkte. Der S&P-500 und der Nasdaq-Composite gewannen 1,1 und 1,3 Prozent.

Die veröffentlichten Daten zu den Bauausgaben im März verfehlten mit einem Rückgang um 0,6 Prozent die Konsensschätzung der Ökonomen, die von einem Anstieg um 0,5 Prozent ausgegangen war. Die Stimmung unter den US-Verbrauchern hat sich ebenfalls wider Erwarten nicht aufgehellt. In ihrer zweiten Umfrage im April ermittelte die Uni Michigan einen Indexstand von 95,9 Punkten, der dem vorläufig gemeldeten Wert entsprach. Hier war ein Anstieg auf 96,0 Punkte erwartet worden.

Auch der vom Institute of Supply Management (ISM) ermittelte Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe lag mit 51,5 Punkten im April auf dem Niveau des Vormonats, während Volkswirte den Index bei 52,0 Punkten gesehen hatten.

Der Dow-Jones-Index stieg um 0,6 Prozent auf 17.942 Punkte. Der S&P-500 gewinnt 0,5 Prozent. Der Nasdaq-Composite legte um 0,7 Prozent zu.

Geschäftszahlen gab es vorbörslich vom Ölkonzern Chevron. Das Unternehmen hat im ersten Quartal besser als befürchtet abgeschnitten. Umsatz und Gewinn gingen zwar zurück, aber nicht so stark wie erwartet. Gleichwohl vrlor die Aktie 1,8 Prozent.

Auch Versicherer American International Group (AIG) verbuchte operativ einen Ergebnisrückgang. Das Ergebnis je Aktie übertraf aber die Konsensschätzung der Analysten. Die AIG-Aktie legte um 2,6 Prozent zu.

Der Kurs von Visa fiel um 0,4 Prozent. Die Kreditkartengesellschaft hat in ihrem zweiten Geschäftsquartal zwar mit Einnahmen und Gewinn die Erwartungen übertroffen, gibt sich aber unter anderem wegen des starken Dollar für die laufende Berichtsperiode pessimistisch. Ein enttäuschender Ausblick ließ die LinkedIn-Aktie um fast 20 Prozent abstürzen.

"Sichere Häfen" waren angesichts der Erholung am Aktienmarkt nicht gefragt. Am Anleihemarkt trieben fallende Kurse die Rendite zehnjähriger Treasurys um drei Basispunkte auf 2,07 Prozent nach oben. Auch der Goldpreis fiel weiter. Die Feinunze verbilligt sich um 0,9 Prozent auf 1.175 Dollar.

China-Daten und "Goldene Woche"

Der Handel in Fernost war verhalten. Das Geschäft bestimmten schwache Quartalsberichte von US-Firmen sowie wenig überzeugende Konjunkturdaten aus China. Hinzu kam, dass in Japan nun die von vielen Börsianern nur "Goldenen Woche" genannte Zeit ansteht.

Die japanischen Märkte bleiben vom kommenden Montag an bis einschließlich Mittwoch geschlossen. Viele Anleger nutzten die Gelegenheit, Kasse zu machen und sich von Aktien zu trennen.

Der Nikkei der 225 führenden Werte schloss mit einem leichten Plus von knapp 0,1 Prozent auf 19.531 Punkte. Der breiter gefasste Topix verlor hingegen fast 0,5 Prozent auf 1585 Zähler. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans lag knapp 0,1 Prozent im Plus. Einige asiatische Märkte blieben wegen des Tags der Arbeit geschlossen.

In Europa wurde kaum gehandelt. Auch die Frankfurter Börse war nicht geöffnet. Für Anleger in Deutschland ist das verlängerte Mai-Wochenende eine willkommene Auszeit, um die Kursverluste der vergangenen Tage zu verdauen: allein in dieser Woche waren es sechs Prozent! Mancher hatte die Möglichkeit solcher Kursverluste nach der lang anhaltenden Börsenrally völlig ausgeblendet. Überraschend kam der Rücksetzer allerdings nicht.

China kommt nicht in Schwung

Für Enttäuschung in Japan sorgte die Veröffentlichung der Einkaufsmanagerindizes in China. Das Barometer für die Industrie stagnierte im April bei 50,1 und befindet sich damit nur knapp über der Schwelle von 50, die ein Wachstum anzeigt. Auch die Dienstleistungsbranche leidet unter einer schwächeren Nachfrage: Der entsprechende Index fiel auf 53,4 von 53,7 im März. Im vergangenen Jahr war dieser Wirtschaftszweig einer der wenigen Hoffnungsschimmer in der Volksrepublik.

Bei den Einzelwerten an der Tokioter Börse legten die Aktien von Japan Tobacco um 3,6 Prozent zu, nachdem der Konzern die Übernahme eines amerikanischen E-Zigarettenherstellers angekündigt hatte.

Quelle: n-tv.de

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