Belastende Job-DatenWall Street stottert
Die weltweit größte Volkswirtschaft kommt nicht in Schwung und das hat einen Grund: Den US-Amerikanern ist ihre Kauflaune abhanden gekommen - weil ihre Jobs nicht mehr sicher sind, immer mehr Arbeitsplätze verloren gehen. Das erkennt jetzt auch die Wall Street.
Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in den USA hat an der Wall Street Sorgen über die Erholung der Konjunktur ausgelöst und den Börsen klare Verluste bereitet. "Wir erleben eine Wirtschaft, die langsam vorankommt, aber unter dem Strich nicht viele neue Jobs schafft", sagte der Marktstratege Fred Dickson von The Davidson Cos. Offenbar werde davon ausgegangen, dass sich die schleppende Erholung der Wirtschaft in den kommenden zwei, drei Monaten oder sogar länger fortsetze. Der gefallene Ölpreis belastete außerdem den Energie-Sektor.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,2 Prozent tiefer bei 10.653 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index gab 0,4Prozent auf 1121 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,2 Prozent auf 2288 Punkte. In Frankfurt beendete der Dax den Handel mit einem Minus von 1,17 Prozent bei 6259 Punkten.
Nach Angaben des Arbeitsministeriums in Washington sank die Zahl der Beschäftigten im Juli unerwartet deutlich um 131.000 und damit bereits den zweiten Monat in Folge. Damit schwinden die Chancen für einen Aufschwung in der weltgrößten Volkswirtschaft, die zu fast Dreiviertel vom privaten Konsum abhängt. Vor allem die Aktien von Unternehmen, die von der Kauflaune der Verbraucher abhängen, verbuchten Abschläge. Der Branchenindex lag 1,6 Prozent im Minus.
Ölpreis fällt - BP steigt
Die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der US-Konjunktur bekam auch der Ölpreis zu spüren. Das Fass der Sorte WTI verbilligte sich um knapp 1,3 Prozent auf 80,96 Dollar. Der Energiebranchenindex lag 1,15 Prozent im Minus. Die in New York gehandelten Aktien des britischen Ölmultis BP gewannen allerdings 1,6 Prozent an Wert. Der Konzern hat die defekte Bohrstelle im Golf von Mexiko verschlossen und kommt mit den Arbeiten zur endgültigen Versiegelung nach eigenen Angaben wie erwartet voran. Gleichzeitig schloss der Ölmulti weitere Bohrungen nach Öl und Gas im Golf von Mexiko aber nicht aus: "Da ist noch eine Menge Gas und Öl, und wir werden irgendwann darüber nachdenken müssen, was wir damit machen", sagte BP-Manager Doug Suttles.
Kraft-Zahlen verleihen Stärke
Auch die Papiere von Kraft Foods verteuerten sich gegen den Markttrend um 2,4 Prozent. Beflügelt von der Übernahme des Schokoladenherstellers Cadbury hat der größte US-Lebensmittelkonzern im zweiten Quartal seinen Überschuss stärker als erwartet um 13 Prozent auf 937 Mio. Dollar gesteigert.
AIG macht Steuerzahler froh
Titel des Versicherers AIG verteuerten sich um 2,6 Prozent, nachdem der vom Staat mit mehr als 180 Mrd. Dollar gestützte Konzern verlauten ließ, in den vergangenen Wochen hätten Gespräche über eine Strategie begonnen, die der Regierung in Washington einen Ausstieg aus dem Unternehmen erlaube.
Auch die Washington Post verdiente im abgelaufenen Quartal prächtig. Die Aktien gingen dennoch mit einem Minus von fast 8 Prozent auf Talfahrt. Das Unternehmen warnte vor möglichen Rückschlägen für seine Bildungs- und Berufsberatungstochter Kaplan, die 60 Prozent des Umsatzes ausmacht. Die Papiere des niederländische Chipherstellers NXP beendeten ihren ersten Handelstag an der New Yorker Börse unverändert auf dem Niveau des Ausgabepreises von 14 Dollar je Papier. Das Unternehmen hatte sich deutlich höhere Einnahmen von der Platzierung erhofft.