Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

EZB übt sich in Wiederholungen: Weidmann hilft dem Euro etwas

Die europäische Gemeinschaftswährung hebt ganz langsam wieder den Kopf. Allerdings gewinnt bei Anlegern das Thema Sicherheit zunehmend an Bedeutung. Darunter leiden Dollar und Euro sowie die Staatsanleihen aus Südeuropa.

Der Euro entfernt sich in kleinen Schritten von der 1,37er Marke. Eine Warnung von Bundesbank-Chef Jens Weidmann, sich bei der Geldpolitik nicht einseitig auf den gestiegenen Euro-Kurs zu fokussieren, stützte die Gemeinschaftswährung. Die Aussicht auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik der EZB hatte Anfang Mai den Höhenflug des Euro unterbrochen.

Am Nachmittag kostete der Euro 1,3722 Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,3715 Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7291 Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,81460 britische Pfund, 138,79 japanische Yen und 1,2228 Schweizer Franken fest.

Sicherer Hafen gesucht

Derweil treiben die die nachgebenden Renditen amerikanischer und deutscher Staatsanleihen Anleger in den Yen. Die japanische Währung, die Händlern zufolge auch weiterhin von ihrer Funktion als sicherer Anlagehafen profitiert, notierte gegenüber beiden Währungen so hoch wie seit rund drei Monaten nicht mehr. Unicredit-Analyst Armin Mekelburg erläuterte, dass die Erwartungen hinsichtlich einer weiteren Lockerung der japanischen Geldpolitik gegen Null tendierten. Ganz anders dagegen in der Euro-Zone, wo viele Anleger für Juni mit einer Zinssenkung der Europäischen Zentralbank rechnen.

Der Euro gab bis auf 138,68 Yen nach und notierte damit so niedrig wie zuletzt im Februar dieses Jahre. Die Analysten der Metzler Bank führten die Kursentwicklung auch auf charttechnische Faktoren zurück. Der Dollar rutschte bis auf ein Drei-Monats-Tief von 101,07 Yen. Am Rentenmarkt gaben die Renditen der US-Staatsbonds bis auf 2,505 Prozent von 2,518 Prozent am Freitagabend in New York nach. Die entsprechende Bundesanleihe rentierte mit 1,31 Prozent noch niedriger.

Stimmung dreht

Darüber hinaus berichten Experten der Deutschen Bank, dass die Wetten jetzt zunehmend gegen den Euro ausfallen. Die spekulativen Positionen auf einen steigenden Euro seien "kollabiert" und nun überwögen netto betrachtet die Wetten auf einen sinkenden Euro (Shortpositionen). Hedgefonds hätten ihre Shortpositionen glattgestellt, während Vermögensverwalter ihre Positionen auf einen steigenden Dollar verringert hätten, sagt Oliver Harvey in einem Marktkommentar.

Seit August vergangenen Jahres hätten beim Euro die sogenannten Longpositionen überwogen, abgesehen von einer leichten Abweichung im Februar. Spekulative Positionen auf steigende Kurse seien derweil von den Anlegern im mexikanischen Peso und dem Austral-Dollar aufgebaut worden.

EZB-Pläne verlieren ihren positiven Schwung

Derweil stellt Morgan Stanley (MS) fest, dass die europäischen Finanzmärkte scheinbar nicht mehr positiv auf die erhöhten Erwartungen an eine weitere Lockerung durch die EZB reagieren. Die Aktienmärkte liefen zuletzt unterdurchschnittlich, und die Renditeaufschläge von Anleihen aus der Euro-Peripherie wüchsen angesichts nachlassenden Interesses ausländischer Investoren wieder. Sollte sich daran nichts ändern, dürfte der Euro erneut unter Verkaufsdruck geraten. Erste Ziele seien dann die 200-Tage-Linie bei 1,3630 und das 2014er Tief bei 1,3475 Dollar.

Nach Ansicht der Societe Generale hat der Markt eine Zinssenkung voll eingepreist, inklusive negativer Einlagezinsen. Daher sei es noch zu früh, dem Trend im Währungspaar Euro/Dollar hinterherzujagen. "Wir bleiben dabei und bevorzugen kurzfristige Gelegenheiten bei anderen Euro-Währungspaaren", sagte SocGen-Stratege Alvin Tan.

Für Aufmerksamkeit sorgt indes ein "Spiegel"-Bericht, wonach EZB neben der Senkung des Leitzinses auf 0,15 von derzeit 0,25 Prozent negative Zinsen für Einlagen einführen will. Dabei beruft sich das Magazin auf Empfehlungen des EZB-Chefvolkswirts Peter Praet. Demnach müssten Kreditinstitute, die ihr Geld kurzfristig bei der Notenbank parken, eine Art Aufbewahrungsgebühr bezahlen Normalerweise bekommen sie dafür Zinsen. Mit beiden Maßnahmen - der Leitzinssenkung und dem negativen Einlagenzins - will die EZB die stockende Kreditvergabe der Banken ankurbeln.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen