Samstag, 30. Oktober 2010
Wall-Street-Vorschau: Woche der Wahrheit
Das Warten hat bald ein Ende. In der neuen Woche wird die Wall Street erfahren, ob die Wünsche vieler Börsianer in Erfüllung gehen: mehr Republikaner im Kongress und Massen von billigem Zentralbank-Geld zur Belebung der lahmenden Wirtschaft.Nach einer zweimonatigen Kursrally dürften zwei langerwartete Großereignisse die weitere Richtung am US-Aktienmarkt vorgeben: die Kongresswahlen am Dienstag und der Ausgang der geldpolitischen Sitzung der US-Notenbank (Fed) am Mittwoch. Beides dürfte auch einen weiteren Schwall an Unternehmensberichten und wichtige Konjunkturdaten in den Schatten stellen.
Eine Niederlage von Präsident Barack Obamas Demokratischer Partei bei den Wahlen wird von Analysten weithin erwartet und wurde an den Börsen bereits vorweggenommen. Viele Investoren hoffen auf eine unternehmensfreundlichere Politik, wenn die Republikaner durch einen größeren Einfluss im Kongress in der Opposition gestärkt werden. Analysten rechnen bisher damit, dass die Demokraten im Repräsentantenhaus die Mehrheit verlieren.
Nicht ausgeschlossen wird, dass die Republikaner nach der Wahl auch den Senat dominieren werden. Sollte sich dies bewahrheiten, halten einige Marktbeobachter einen Schub für die Börsen für möglich. Wegen der schleppenden Konjunkturerholung und der hohen Arbeitslosigkeit ist Obama stark in der Defensive. Ob sich die Arbeitslosigkeit durch einen republikanisch dominierten Kongress allerdings verringern lässt, wird sich zeigen müssen.
Wilde Spekulationen
Weit entscheidender für die Märkte ist die zweitägige Zinssitzung der Fed. Es wird erwartet, dass die Notenbanker danach offenlegen, wie stark sie die Wirtschaft durch den Ankauf von Staatsanleihen mit frischem Geld fluten wollen. Darüber wurde zuletzt viel spekuliert, was die Kurse mal nach oben, mal nach unten trieb. "Vor zwei Wochen war die Fed entschieden bereit, den Markt zu enttäuschen", sagt Investmentstratege Burt White von LPL Financial. Mittlerweile sei auch eine leichte Überraschung möglich. Die meisten führenden Volkswirte gehen davon aus, dass die Notenbank Papiere im Volumen zwischen 80 bis 100 Mrd. Dollar im Monat kaufen wird. Wie weit sie dabei gehen wird, ist allerdings umstritten. Die Schätzungen, wie viel Geld die Fed insgesamt in die Hand nehmen wird, reichen von 250 Mrd. bis zwei Billionen Dollar.
Nach der Fed tagt am Donnerstag und Freitag die Bank von Japan, die ihre Sitzung unmittelbar nach die der US-Kollegen verlegt hat. Investoren erwarten, dass auch die japanische Notenbank ihre Anleihenkäufe hochfahren wird.
Weil so viele wichtige Termine auf dem Plan stehen, wollen sich Wall-Street-Strategen nicht auf einen Trend für die neue Woche festlegen. "Es wird wahrscheinlich ein sehr volatiler und sehr aktiver Markt", prognostiziert John Praveen von Prudential International Investments Advisers. Händler erwarten Handelsschwankungen von rund 2,5 Prozent in beide Richtungen.
rts
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