Wirtschaft
Symbolvogel eines der wichtigsten Familienfeste in den Vereinigten Staaten: Der Truthahn gehört fest zu "Thanksgiving".
Symbolvogel eines der wichtigsten Familienfeste in den Vereinigten Staaten: Der Truthahn gehört fest zu "Thanksgiving".(Foto: REUTERS)

Wall-Street-Vorschau: Truthahnwoche an der Wall Street

Boeing, Microsoft und die Kurssprünge im Gesundheitssektor: Zu Beginn der kommenden Woche sehen sich US-Anleger mit handfesten Impulsen aus verschiedenen Richtungen konfrontiert. Die zweite Hälfte wird ruhig - "Thanksgiving" wirft seine Schatten voraus.

Die Rekordjagd der internationalen Aktienbörsen ist nach Einschätzung von Börsianern noch lange nicht zu Ende. "Aus fundamentalen Gründen spricht momentan vieles für Aktien", schreiben die Analysten der Landesbank Berlin (LBB) in einem Kommentar. Fehlende Anlagealternativen, die zaghafte Konjunkturerholung wie auch attraktive Dividendenrenditen dürften Investoren weiter an die Börse locken.

Für einen vorübergehenden Dämpfer könnten allerdings neue Spekulationen um die Geldpolitik von Europäischer Zentralbank (EZB) und der Federal Reserve sorgen. Thema Nummer eins ist und bleibt der Zeitpunkt einer Straffung der US-Geldpolitik. In der alten Woche haben sowohl Dax als auch der US-Standardwerteindex Dow Jones auf hohem Niveau nur geringfügig zugelegt.

Da die Federal Reserve (Fed) die Drosselung ihrer Wertpapierkäufe im Volumen von derzeit 85 Milliarden Dollar monatlich an die Entwicklung der Konjunktur knüpft, warten Anleger gespannt auf Hinweise für die Aussichten für die weltgrößte Volkswirtschaft. Bei dem am Mittwoch anstehenden Oktober-Bericht über den Auftragseingang langlebiger Güter rechnen Analysten mit einem Rückgang von 1,5 Prozent. Die endgültigen Zahlen zum Verbrauchervertrauen der Uni Michigan im November dürften dagegen leicht anziehen.

Insgesamt müssen sich die Anleger in der neuen Woche auf niedrige Börsenumsätze einstellen. Am Donnerstag bleibt die Wall Street wegen des US-Feiertags "Thanksgiving" geschlossen. Für den US-Einzelhandel steht Ende der Woche dann mit dem "Black Friday" der traditionelle Start in das wichtige Vorweihnachtsgeschäft an.

In der Arena der Einzelwerte dürften sich Analysten in der kommenden Woche unter anderem mit Boeing, Microsoft und speziellen Dienstleistern aus dem Gesundheitssektor befassen. Der US-Luftfahrtkonzern Boeing kämpft derzeit in der Nachrichtenlage mit reichlich Gegenwind. Nach dem peinlichen Navigationsfehler eines Frachtjumbos vom Typ 747 LCF "Dreamlifter" des Logistikpartners Atlas Air tauchen Hinweise auf Probleme beim Flaggschiff 787 "Dreamliner" auf. Die Pannenserie des Hoffnungsträgers scheint nicht abreißen zu wollen. Boeing sandte am Wochenende gemeinsam mit dem Industriekonzern General Electric (GE) eine technische Warnung an 15 Fluggesellschaften. Bei einigen der 787-Modelle drohe unter ungünstigen Umständen eine Vereisung der Triebwerke, hieß es. Deshalb sollten Dreamliner und das neue Jumbomodell 747-8 mit bestimmten GE-Motoren bis auf weiteres nicht in die Nähe von Gewitterwolken fliegen.

Japan Airlines erklärte umgehend, die 787 von zwei Langstrecken-Routen abzuziehen. Die 787 werde weiter auf anderen Strecken mit einer geringen Wahrscheinlichkeit von Gewitterwolken fliegen, hieß es. Von der Warnung ist auch die Deutsche Lufthansa betroffen. Sie hat zwar keine Dreamliner, aber die vierstrahlige 747-8 in ihrer Flotte. Die Maschine wird auf Interkontinentalverbindungen eingesetzt.

Verkaufsstarts im Markt für Spielekonsolen

Der US-Softwarekonzern Microsoft feiert unterdessen Erfolge mit einem wichtigen Produkt aus der Unterhaltungselektronik. In den ersten 24 Stunden nach Markteinführung konnte der Sony- und Nintendo-Rivale rund eine Million seiner neuen Spielekonsole "Xbox One" verkaufen. Für Analysten wichtig: Das waren ebensoviele Geräte, wie sie der Rivale Sony mit seiner "Playstation 4" vor einigen Tagen zum Verkaufsstart binnen eines Tages absetzte. Allerdings war die PS4 zunächst nur in den USA und Kanada angeboten worden, während Microsoft zeitgleich in 13 Ländern an den Start ging. Die PS4 kostet in den USA 399 Dollar, die Xbox 100 Dollar mehr.

Im Gesundheitssektor richten sich die Blicke unterdessen auf das Segment der Blutwäsche-Spezialisten: Die geplanten Kürzungen der staatlichen Gesundheitszuschüsse in den USA fallen für Anbieter von Dialysediensten nicht so hart aus wie befürchtet. Die zuständige Verwaltungsbehörde CMS will die Pauschalzahlungen für regelmäßige Dialysebehandlungen in den nächsten zwei Jahren um weniger als 1 Prozent kürzen. Im Sommer hatte US-Regierung noch von einer Kürzung um 9,4 Prozent ab 2014 gesprochen.

Bewegung im Dialyse-Geschäft

Die Aktien von Dialysespezialisten wie Davita Healthcare Partners und der deutschen Fresenius-Tochter Fresenius Medical Care (FMC) legten im nachbörslichen US-Handel zeitweise um 8,7 und 6,3 Prozent zu. Seit 2011 rechnet die Krankenversicherung Medicare Blutwäschebehandlungen pauschal ab und vergütet erbrachte Leistungen nicht mehr pro einzelner Dialyse. Ab 2014 will Medicare eine Basisrate von 239,02 US-Dollar pro Patient zahlen. Das sind 0,55 Prozent weniger als 2013 mit 240,36 Dollar, wie die Krankenversicherung nach Börsenschluss mitteilte. 2015 soll die Zahlung stabil bleiben.

Allerdings sind Einschnitte damit nur aufgeschoben, innerhalb von drei bis vier Jahren sollen die Zahlungen immer noch um 29 Dollar sinken. Das geht aus Dokumenten hervor, die vor dem Wochenende auf der CMS-Webseite veröffentlicht wurden. Doch zumindest in den kommenden zwei Jahren dürften die Kürzungen fast vollständig durch den Inflationsausgleich ausgeglichen werden, den Medicare jedes Jahr vornimmt. Die Behörde äußerte sich nicht zu den Pauschalzahlungen in den Jahren ab 2015.

Ein Sprecher des Fresenius-Konzerns sagte, die Medicare-Vertreter hätten die schmerzhaften Zahlungskürzungen lediglich auf mehrere Jahre verteilt und damit mehr Unsicherheit in einen bereits nicht prognostizierbaren regulatorischen Prozess gebracht. "CMS hat gesagt, dass wir zwei Jahre lang nicht mit den steigenden Kosten für Arbeit und Inflation Schritt halten können - das ist eine bittere Pille, die wir schlucken müssen", sagte er. Seit der Ankündigung der geplanten Kürzungen im Juli haben Dialysepatienten und -anbieter Politiker und Behörden immer wieder gewarnt, dass derartige Einschnitte die Qualität der Behandlungen der Patienten beeinträchtigten. Möglicherweise müssten die Anbieter auch einige Dialysezentren schließen.

An der Wall Street hatten die US-Börsen vor dem Wochenende in einem insgesamt impulsarmen Umfeld neue Rekordhöhen erklommen. Der Leitindex Dow Jones Industrial Average (DJIA) schloss mit plus 0,34 Prozent auf 16.064,77 Punkten knapp unter seinem kurz zuvor erreichten Allzeithoch (aktuell bei 16.068,78 Punkten). Im Wochenverlauf verbesserte sich der Dow damit um knapp 0,7 Prozent. Der S&P-500-Index schloss erstmals in seiner über 25-jährigen Geschichte über der Marke von 1800 Punkten. Er rückte um 0,50 Prozent auf 1804,76 Punkte vor. Beide Standardwerte-Indizes legten zudem die siebte Woche in Folge zu. Der Nasdaq 100 gewann am Freitag 0,57 Prozent auf 3422,02 Punkte, der Nasdaq-Composite rückte ebenfalls um 0,57 Prozent vor auf einen Schlussstand von 3991,65 Zählern.

Der Kurs des Euro stieg im US-Handel und hielt sich bis Börsenschluss an der Wall Street auf hohem Niveau bei 1,3549 US-Dollar. Unerwartet gute Ifo-Geschäftsklimadaten aus Deutschland gaben der Gemeinschaftswährung Auftrieb. Am US-Rentenmarkt legten richtungweisende zehnjährige Anleihen um 9/32 Punkte auf 99 31/32 Punkte zu und rentierten mit 2,754 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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