Wirtschaft
Wird Sigmar Gabriel neue Wirtschaftsminister?
Wird Sigmar Gabriel neue Wirtschaftsminister?(Foto: REUTERS)

Dax-Vorschau: Abwärts Richtung Weihnachten?

Mit einem Leitindex nah am Sechs-Wochentief werden Jahresend-Optimisten kleinlaut: In der letzten regulären Handelswoche des Jahres müssen sich Anleger mit dem Kanzleramt, der Geldpolitik und einem vorweihnachtlichen Hexentanz befassen.

Die Chancen auf eine Jahresendrally schwinden. In der kommenden Woche engen drei große Themenspektren den Bewegungsspielraum an der Börse ein. Am deutschen Aktienmarkt dürften sich die Anlagestrategen vor allem mit der Regierungsbildung in Deutschland, dem weiteren Vorgehen der US-Notenbank und dem geldpolitische Kurs der Europäischen Zentralbank auseinandersetzen.

Fraglich ist, ob der Markt aus diesen Quellen die Zutaten für die erhoffte Jahresendrally schöpfen kann. Nach der Verlustserie der vergangenen Tage startet der deutsche Leitindex weit entfernt von seinen bisherigen Höchstständen. Am vergangenen Freitag war der mit einem vergleichsweise schwachen Minus von 0,1 Prozent bei 9006,46 Zählern aus dem Handel gegangen. Auf Wochensicht beträgt der Abschlag 1,81 Prozent. In den vergangenen zwei Wochen hat der Index damit insgesamt über 400 Punkte verloren. Noch zu Monatsbeginn, 2. Dezember, hatte der Dax ein Allzeithoch bei 9424,83 Punkten markiert. Noch will an der Börse allerdings kaum jemand von einer Trendwende sprechen. Ein Blick auf die bisherige Kursentwicklung (YTD) zeigt, dass der Leitindex seit Jahresbeginn noch immer 18 Prozent im Plus notiert.

"Zartes Pflänzchen" Hoffnung

Nicht alle Händler haben den Schlussspurt an den Aktienmärkten bereits abgehakt. Der weit verbreitete Optimismus ist allerdings mit der Abwärtsfahrt seit Anfang Dezember spürbar geschwunden. "Eine Jahresendrallye war in greifbare Nähe gerückt", erklärt Commerzbank-Analyst Christoph Geyer. "Doch mit der erneuten Korrektur wurde das zarte Pflänzchen wieder zertreten. Dennoch bleibt die Chance bestehen, denn der oft steile Anstieg vor Silvester setzt häufig erst Mitte Dezember nach einer vorübergehenden Schwächephase ein."

Unterstützung könnte der Markt aus dem Bereich der politischen Rahmenbedingungen bekommen. Zweieinhalb Monate nach der Bundestagswahl steht in Deutschland die Bekanntgabe der Kabinettsbesetzung an. Die Personalien dürften Anlegern auch neue Hinweise zur künftigen Ausgestaltung der deutschen Finanz-, Wirtschafts-, Arbeitsmarkt-, Energie- und Europapolitik liefern.

"Tapko" wichtiger als "GroKo"

"Die 'GroKo' kommt - das ist so sicher wie das Amen in der Kirche", zeigte sich Marktexperte Robert Halver von der Baader Bank bereits vor der Auszählung des SPD-Mitgliederentscheids überzeugt. Das frisch gekürte Wort des Jahres 2013 "GroKo" steht für die in Berlin geplante große Koalition der Unionsparteien mit der SPD. Das Ergebnis der SPD-Mitgliederbefragung zur Koalition steht am Wochenende an. Er erwarte keine Störfeuer von politischer Seite, sagte Halver.

Die Zuversicht sei groß, das Ergebnis steht aber noch nicht fest und ein Nein würde die politische Lage wieder verkomplizieren, hieß es in einem Strategiepapier der US-Großbank Goldman Sachs. "Entscheidender für die Börsen ist aber 'Tapko' - ob nämlich das Tapering kommt", scherzte Halver. Als "Tapering" wird ein Anziehen der geldpolitischen Zügel der US-Notenbank durch die Reduzierung ihrer konjunkturstützenden Anleihekäufe verstanden.

Am Mittwoch steht mit der Zinsentscheidung der Federal Reserve (Fed) ein langerwartetes Ereignis auf der Agenda. Halver sagte: "Ben Bernanke dürfte die Katze aus dem Sack lassen." Vor dem Jahresende biete sich dem Fed-Chef die Gelegenheit, mit "homöopathischen Dosen auf die Bremse zu treten", damit dieses negative Thema nicht in das neue Jahr gezogen werde. Das hätten die Märkte aber schon eingepreist. "Wenn die Fed das zusammen mit der Bekräftigung langfristig niedriger Zinsen schön verpackt, könnte es auch eine Jahresendrally geben", meinte Halver.

Bernankes "Katze im Sack"

Für Daniel Saurenz von Feingold Research ist eine strengere Geldpolitik aber alles andere als eine ausgemachte Sache. Auch die letzte Sitzung der Fed vor Weihnachten dürfte, so schätzt Saurenz, keine endgültige Klarheit bringen. Insgesamt zeigen sich Börsianer in der Frage, ob es zu der befürchteten Reduzierung der konjunkturstützenden US-Anleihenkäufe kommt, nervös und uneins. National-Bank-Volkswirt Dirk Gojny rechnet trotz guter Wirtschaftsdaten und der Fortschritte im US-Haushaltsstreit noch nicht mit einem raschen "Tapering". Baader-Bank-Experte Halver dagegen ist überzeugt: "Ben Bernanke dürfte die Katze aus dem Sack lassen."

Von Unternehmensseite stehen in der kommenden Woche dagegen kaum fixe Termine auf der Agenda. Am Mittwoch will die Tui AG ihre Geschäftsbücher vorlegen. Auf Bankenseite werden die EU-Finanzminister letzte Details zur neuen Richtlinie zur Bankenrettung festlegen. Künftig sollen bei der Abwicklung von maroder Geldhäuser zuerst Aktionäre, dann Gläubiger und dann erst große Sparer in die Pflicht genommen werden. Daneben dürfte das Interesse des US-Mobilfunkkonzerns Sprint an T-Mobile US die Aufmerksamkeit der Anleger auf den Kurs der Deutschen Telekom lenken.

Großer Verfall kurz vor Jahresende

In Sachen Konjunkturausblick dürften zu Wochenbeginn zunächst die Einkaufsmanagerindizes aus dem Euroraum im Vordergrund stehen. Mitte der Woche folgt der Ifo-Geschäftsklimaindex, der nach Erwartung von Analysten weiter zulegen dürfte.

Zum Wochenausklang tanzen an der Frankfurter Börse dann wieder die "Hexen": Dann werden am dreifachen Verfallstermin (Hexensabbat) Optionen und Futures auf Aktien und Indizes fällig, mit denen Anleger auf bestimmte Kursbewegungen wetten.

An den übrigen europäischen Börsen sah es vor dem Wochenende nicht anders aus als im Dax: Der Eurostoxx50 als Leitindex der Eurozone schloss 0,21 Prozent tiefer bei 2921,92 Punkten. Die Börsen in Paris und London verzeichneten ebenfalls Verluste. In New York lag der Dow Jones Industrial zum Handelsschluss in Europa mit 0,12 Prozent im Plus.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,51 (Donnerstag: 1,50) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,11 Prozent auf 133,01 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,06 Prozent auf 140,34 Punkte zu. Der Euro bröckelte etwas ab. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,3727 (1,3775) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7285 (0,7260) Euro.

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Quelle: n-tv.de

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