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Gewinnmitnahmen an der Wall Street: Yellen beschenkt Dax-Anleger bereits jetzt

Einen fröhlichen Börsentag beschert Fed-Chefin Yellen den Anlegern am deutschen Aktienmarkt. Um mehr als zweieinhalb Prozent steigt der Dax, getrieben von der Zinswende in den USA. Selbst der maue Ifo-Index kann daran nichts ändern.

US-Notenbankchefin Janet Yellen bescherte den Dax-Anlegern eine vorweihnachtliche Bescherung: Als Reaktionen auf die erste Zinserhöhung in den USA seit fast zehn Jahren ging es mit den Kursen steil nach oben. Der Dax schloss am Ende mit einem satten Plus von 2,6 Prozent auf 10.738 Punkten. Auch ein etwas enttäuschend ausgefallener Ifo-Index konnte daran nichts ändern.

"Wir sehen sehr erleichterte Reaktionen", berichtete n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel vom Parkett in Frankfurt. "Die Notenbank hat genau das gemacht, was man erwartet hat." Jetzt bestehe doch noch die Chance auf eine Jahresendrally, die es im Dezember normalerweise gibt, "auf die wir aber bisher warten mussten", so Dofel. "Zudem besteht die Hoffnung, dass ein schwächerer Euro in Folge des Zinsentscheids die deutschen Exporttitel ankurbelt". Denn: Die Produkte von deutschen Firmen, die ihre Waren im Dollar-Raum anbieten, werden mit einem absinkenden Euro günstiger. So profitierten die Aktien der deutschen Autobauer mit am stärksten.

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"Um es klar zu sagen: Janet Yellen hat geliefert", sagte Chris Weston vom Broker IG Markets. In den Reihen der US-Notenbank Federal Reserve habe es bei der Zinsentscheidung keine Abweichler gegeben. "Und ich denke das ist ziemlich wichtig", ergänzt Weston. Aus Sicht der Märkte gebe es mit Blick nach vorn keinen vorgezeichneten Weg für steigende Zinsen. Das Wort "schrittweise" (gradual) habe die Fed geradezu freigiebig benutzt.

Die Federal Reserve hat den Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Bandbreite von 0,25 bis 0,50 Prozent erhöht. In ihrer Pressekonferenz sagte Fed-Chefin Janet Yellen, dass die "Zinserhöhung das Ende einer außergewöhnlichen Ära markiert". Zugleich waren die Währungshüter bemüht, den geldpolitischen Schlag mit taubenhaften Äußerungen abzumildern. Yellen zeigte sich zuversichtlich, dass der geldpolitische Normalisierungsprozess geschmeidig verlaufen werde. Es sei wichtig, die Bedeutung der ersten Zinserhöhung nicht zu dramatisieren. Auch nach dieser Zinserhöhung bleibe die Geldpolitik stimulierend für die US-Wirtschaft.

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Keine Rolle spielte der etwas unter den Erwartungen ausgefallene Ifo-Geschäftsklimaindex. Der Index ging im Dezember leicht zurück auf 108,7 nach 109,0 Punkten im Vormonat, während eine unveränderte Notierung erwartet worden war. "Das ist eine Minimalabweichung auf einem sehr hohen Niveau", so ein Händler. Daher wirke der Index nicht belastend, sondern werde wegen seines hohen Standes eher positiv interpretiert. Wie die Helaba anmerkt: "Das Wachstumsszenario bleibt intakt", sagte Analyst Ralf Umlauf.

Für weitere Volatilität an der Börse könnte nun erst einmal der große Verfalltermin am Terminmarkt am Freitag sorgen. Für den deutschen Aktienmarkt könnte er, wie es im Handel heißt, dagegen sogar stützend wirken. Es sei zu erwarten, dass es ein großes Interesse gebe, den Dax in den Bereich von 10.700 Punkten zu ziehen.

Frankfurt: Autobauer profitieren am stärksten

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Der Dax schloss am Ende 2,6 Prozent im Plus auf 10.738 Punkten. Für den MDax ging es um 1,0 Prozent nach oben auf 20.880 Zähler. Ein Plus von 1,5 Prozent beim TecDax, der auf 1820 Punkte zulegte. Mit dem Euro-Stoxx-50 ging es 2,0 Prozent nach oben auf 3311 Punkte.

Zu den stärksten Einzelwerten zählten die Autobauer. BMW und Daimler legten zwischen 3,4 und 3,2 Prozent zu, Volkswagen rückten um 4,3 Prozent vor und standen damit an der Dax-Spitze. Einziger großer Verlierer im Dax waren K+S mit einem Minus von 0,6 Prozent.

Im MDax legte die Aktie von Metro um 2,6 Prozent zu, nachdem die Analysten der HSBC den Einzelhändler in das Super-10-Portfolio aufgenommen haben sollen.

Osram-Aktien nahmen hingegen nicht an der kräftigen Markterholung teil und verloren am MDax-Ende 1,1 Prozent. Das "Manager Magazin" spekulierte, der Elektrokonzern Siemens könnte nach dem Strategieschwenk bei dem Lichtkonzern sein verbliebenes Aktienpaket an der ehemaligen Sparte abstoßen.

USA: Verluste an der Wall Street 

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Gewinnmitnahmen dominierten an der Wall Street das Geschehen. Nachdem die US-Notenbank am Vortag mit ihrer Zinswende die Finanzkrise aus dem ersten Jahrzehnt des Jahrtausends quasi endgültig für ausgestanden erklärt hat, mussten die kräftigen Vortagesgewinne verdaut werden.

Der Dow-Jones-Index gab um 1,4 Prozent nach auf 17.495 Punkte, der S&P-500 verlor 1,5 Prozent und der Nasdaq-Composite 1,4 Prozent.

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Am Aktienmarkt zogen Fedex um 2 Prozent an. Der Paketlogistiker hat mit einer deutlichen Gewinnsteigerung im zweiten Quartal überrascht. Zudem bestätigte der Konzern die zuletzt gesenkte Prognose für das Geschäftsjahr 2015/16. Dank des Booms im Onlinehandel liegen die Paketlieferungen im Weihnachtsgeschäft über den Erwartungen.

Oracle verloren dagegen 5,1 Prozent. Der Softwarekonzern hat im zweiten Quartal den starken Dollar zu spüren bekommen und 12 Prozent weniger verdient als im gleichen Vorjahreszeitraum.

General Electric verloren 1,4 Prozent. Der Geschäftsausblick des Mischkonzerns für 2016 stieß zwar durchaus auf positive Resonanz, das schwierige konjunkturelle Umfeld und die nachlassende Gewinndynamik in der Sparte Öl und Gas machten die Anleger aber vorsichtig.

Asien: Plus in Japan und China

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An den asiatischen Börsen kennen die Kurse nur eine Richtung: Norden. Sie folgen den US-Börsen nach oben, die mit kräftigen Kursgewinnen auf die Fed-Zinserhöhung reagiert hatten.

In Tokio steigt der Nikkei-225-Index um 1,6 Prozent und schließt bei 19.354 Punkten. In China geht der Shanghai Composite mit einem Plus von 1,8 Prozent auf 3580 Zähler aus dem Handel, der Hang Seng in Hongkong klettert um 2,0 Prozent auf 21.701 Punkte. Auch der südkoreanische Kospi legt mit 1,9 Prozent auf 1969 Punkte kräftig zu.

Unter den Einzelwerten an der Börse in Shanghai legen China Vanke um über 7 Prozent zu. Der größte Aktionär des Immobilienkonzerns, Jushenghua Co., hat seine Beteiligung auf 22,45 von 22,01 Prozent aufgestockt. In Hongkong sind Aktien von Banken gesucht, obwohl die Hongkong Monetary Authority, de facto die Zentralbank der chinesischen Sonderverwaltungszone, die Zinsen um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent erhöht hat. Sie folgte damit der US-Zinserhöhung. Hang Seng Bank gewinnen 1 Prozent und BOC Hong Kong 1,7 Prozent.

Die Fed habe sehr klar kommuniziert, sagt James White von Colonial First State Global Asset Management. "Die Märkte würdigen das", kommentiert er die Kursgewinne an der Wall Street und in Asien. Steve Friedman von BNP Paribas Investment Partners verweist darauf, dass die US-Notenbank bei den geplanten Zinserhöhungen behutsam vorgehen will. Damit habe sie die Angst der Anleger vor steigenden US-Zinsen gelindert. Andere Analysten sehen sogar Vorteile in steigenden US-Zinsen. Die daraus resultierende Aufwertung des US-Dollar komme asiatischen Exporteuren zugute.

Devisen: Euro bleibt deutlich unter 1,09 Dollar

Am Devisenmarkt war der US-Dollar klarer Gewinner des Zinsentscheids. Der Euro fiel weiter zurück auf zuletzt 1,0806 Dollar nach einem Tageshoch knapp unter 1,10 am Vortag und knapp 1,09 im asiatisch dominierten Geschäft am Morgen. Auch andere Währungen neigten zur Schwäche zum Greenback. Die Dollarstärke dürfte zunächst eine Weile andauern, aber das Blatt dürfte sich wenden, wenn die die negativen Folgen eines zu starken Dollar in den Vordergrund rückten, meinte ein Devisenhändler.

Rohstoffe: Ölpreise bleiben unter Druck

Am Ölmarkt fielen die Preise wieder. Die am Vortag gemeldeten unerwartet und zudem stark gestiegenen US-Rohölvorräte hätten hier nachgewirkt, hieß es. Während sich US-Leichtöl der Sorte WTI zur Lieferung im Januar um rund 2 Prozent auf 34,85 Dollar je Fass verbilligte, gab der Preis für europäisches Referenzöl Brent ähnlich stark auf 36,94 Dollar nach.

Nach den Siebenjahrestiefs seien vereinzelt Gelegenheitskäufer am Ölmarkt unterwegs, hieß es. Kurzfristig lassen die Prognosen aber kaum Hoffnungen auf eine echte Erholung zu. "Die USA sind einer der weltgrößten Ölförderer, die 40 Jahre nicht exportieren durften. Nun dürfte dieses Öl die ohnehin überversorgten Märkte fluten", sagte Ölanalyst Michael Poulsen von Global Risk Management mit Blick auf die gerade beschlossene Aufhebung des US-Exportverbots für Öl.

Quelle: n-tv.de

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