Wirtschaft
Die Laune bleibt gut - das Geld bleibt locker.
Die Laune bleibt gut - das Geld bleibt locker.(Foto: REUTERS)

Hoffnung auf weiter lockere US-Geldpolitik: Yellen gefällt der Wall Street

Die Anleger schöpfen aus dem Ausstieg von Larry Summers im Rennen um die Spitze der US-Notenbank Hoffnung. Denn die nun vielversprechendste Kandidatin ist eingefleischte Anhängerin der Politik des billigen Geldes. Die Geldschleusen der Notenbank dürften damit länger geöffnet bleiben als erwartet.

Wer wird Nachfolger von Ben Bernanke an der Spitze der US-Notenbank? Um diese Frage drehte sich am Montag alles an den US-Finanzmärkten. An der Wall Street wurde mit großer Erleichterung aufgenommen, dass der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers den Job nicht machen will. Stattdessen kam nun Janet Yellen, derzeit Vizepräsidentin der Notenbank, ins Spiel. Derweil signalisierte ein Sprecher des Präsidialamts, dass US-Präsdient Barack Obama davon ausgehe, dass die Ankündigung zur Bernanke-Nachfolge "im Herbst" erfolgen werde.

Summers war in den vergangenen Tagen als Top-Kandidat für das Amt des Präsidenten der US-Notenbank gehandelt worden, hat nun aber in einem Brief an US-Präsident Obama offiziell darauf verzichtet. Die Möglichkeit seiner Ernennung hatte in der vergangenen Woche einige Unruhe in die Märkte gebracht, denn es ist nicht bekannt, für welche geldpolitische Richtung er steht. Janet Yellen gilt dagegen als Verfechterin einer lockeren Geldpolitik. Mit ihr an der Spitze der Federal Reserve, so die Spekulation vieler Anleger, könnte die Ära des billigen Geldes vielleicht doch nicht so bald vorbei sein.

Handelsunterbrechungen an Optionsbörsen

Genaueres dazu dürfte am Mittwoch bekannt werden. Dann veröffentlicht die Fed das Ergebnis ihrer zweitägigen Zinssitzung. Es gilt als ausgemacht, dass die Währungshüter den Ausstieg aus ihrer ultraexpansiven Geldpolitik einläuten werden. Uneins sind sich Beobachter nur noch in der Frage, wie rasch dieser Ausstieg vollzogen wird.

Einstweilen überwog aber die Hoffnung, dass die Fed sich Zeit lässt. Allerdings konnten sich die Anleger nicht ganz ungestört ihren Träumen vom billigen Notenbankgeld hingeben. Sie wurden unsanft geweckt von technisch bedingten Handelsunterbrechungen an mehreren Optionsbörsen. Vor der Fed-Sitzung und dem Verfalltermin in dieser Woche kämen diese Ausfälle besonders ungelegen, merkte ein Beobachter an. Ursächlich waren Probleme mit dem Datenfeed, das Händler mit Optionspreisen versorgt.

Börsenplätze, die von Nasdaq OMX Group, BATS Global Markets und Miami International Holdings betrieben werden, informierten die Händler mit, dass es Probleme mit der Options Price Reporting Authority (OPRA) gebe, die Informationen zu Trades und Quotierungen übermittelt.

Dow guckt nicht zurück

An den Aktienbörsen kamen die Kurse daraufhin von ihren Hochs zurück. Der Dow-Jones-Index schloss um 0,8 Prozent höher bei 15.495 Punkten. Der S&P-500 legte um 0,6 Prozent zu. Der Nasdaq-Composite drehte ins Minus und verlor 0,1 Prozent, nachdem er im frühen Geschäft bei 3.756 Punkten den höchsten Stand seit 13 Jahren erreicht hatte.

Auch am Anleihemarkt stiegen die Kurse, verringerten aber ihre Gewinne, weil viele Anleger doch lieber auf Risiko setzten und Aktien kauften. Die Rendite zehnjähriger Treasurys fiel leicht auf 2,87 Prozent. Bislang kauft die US-Notenbank jeden Monat Anleihen und Hypothekenpapiere im Volumen von 85 Milliarden Dollar. Anleger spekulierten darauf, dass die Fed diese Käufe unter Yellen langsamer zurückfahren dürfte.

Am Rohstoffmarkt erholte sich die Feinunze Gold um 0,7 Prozent bzw 9,20 Dollar auf 1.317,80 Dollar, nachdem der Preis am Freitag auf den niedrigsten Stand seit fünf Wochen gefallen war. Mit der Aussicht auf eine straffere US-Geldpolitik wird das gelbe Edelmetall nicht mehr als Inflationsschutz gebraucht. Auch als sicherer Hafen in Krisenzeiten ist Gold nicht mehr so gefragt, zumal sich eine diplomatische Lösung im Syrienkonflikt abzeichnet.

Apple geben weiter nach

Beim Öl wurde die Syrien-Krise ebenfalls ausgepreist. Das Barrel Leichtöl der Sorte WTI ermäßigte sich um 1,5 Prozent bzw 1,62 Dollar auf 106,59 Dollar. Die europäische Referenzsorte Brent sank um 1,5 Prozent bzw 1,63 Dollar auf 110,07 Dollar.

Am Aktienmarkt fiel der Kurs von Apple um 3,2 Prozent. China Telecom, einer der chinesischen Vertriebspartner von Apple, will das neue iPhone 5s weniger stark subventionieren als die Vorgängermodelle. Schon in der vergangenen Woche war die Apple-Aktie unter Druck geraten, nachdem das Billigmodell des neuen iPhone von Analysten als zu teuer speziell für die Schwellenländer kritisiert worden war.

Boise verteuerten sich um 26,1 Prozent. Packaging Corp of America wird Boise für knapp zwei Milliarden Dollar übernehmen. Packaging Corp of America legten um 10,7 Prozent zu.

Der Kurs des Pharmaherstellers Gilead büßte 0,8 Prozent ein. Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland werden die Mehrkosten für das HIV-Medikament Stribild von Gilead voraussichtlich nicht übernehmen, weil sie keine Verbesserung im Vergleich zu bisherigen Therapien erkennen. Falls die Kassen hart bleiben, müsste Gilead den Preis für das Medikament deutlich senken. Es bestehe die Gefahr, dass andere Länder diesem Beispiel folgten, sagten Beobachter. Das Umsatzpotenzial des Medikaments außerhalb der USA könnte beträchtlich schrumpfen.

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen