Wirtschaft
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Angst vor "russischer Invasion": Yellen lässt Dax-Anleger schmoren

Zum Wochenschluss flüchten die Anleger aus Aktien. Die Hinweise von Fed-Chefin Janet Yellen beim Notenbanker-Treffen in Jackson Hole über die anstehende Zinswende bleiben vage. Und die Börsianer fürchten sich vor einer Eskalation der Ukraine-Krise.

Am letzten Handelstag der Woche haben sich viele Anleger an den deutschen Börsen von ihren Aktien getrennt. Der Dax sank 0,7 Prozent auf 9339,17 Punkte, nachdem er sich zur Eröffnung noch seitwärts bewegt hatte. Der MDax notierte kaum verändert bei 15.999,22 Zählern. Der TecDax gab nach anfänglichen Gewinnen 0,1 Prozent nach und fiel auf 1228,88 Punkte.

Eher für Verunsicherung sorgte die Rede von Fed-Chefin Janet Yellen beim jährlichen Treffen der Notenbanker in Jackson Hole. Sie will bei der anstehenden Zinswende nichts überstürzen. Ein zu schnelles Vorgehen könne zu einem Hemmschuh auf dem Weg zu einer vollständigen Erholung am Arbeitsmarkt werden, warnte Yellen. Noch immer sei nicht klar, wie weit der Jobmarkt davon entfernt sei, seine Ressourcen voll auszuschöpfen. Sie ließ weiterhin nicht durchblicken, wann die Fed erstmals seit der Finanzkrise wieder den Leitzins erhöhen könnte. Experten rechnen frühestens Mitte kommenden Jahres damit. Auch EZB-Chef Mario Draghi wird im Anschluss sprechen.

Auf die Stimmung drückte zudem vor allem die gefährliche Lage in der Ostukraine: Dort hat ein russischer Konvoi mit Hilfsgütern ohne Erlaubnis der Ukraine die Grenze überschritten und rollt auf die umkämpfte Rebellenhochburg Luhansk zu. Der Chef des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes spricht deswegen von einer "direkten Invasion" Moskaus. Das schürte Nervosität unter den Anlegern. Vergangenen Freitag hatten Berichte über einen ukrainischen Angriff auf eine russische Militärkolonne den Dax ins Straucheln gebracht.

Yellen macht wohl nicht den Falken

"Alles deutet darauf hin, dass sie es weiterhin nicht eilig hat und in Ruhe abwägt", sagte HSBC-Analystin Jana Meier. Wirklich neue Erkenntnisse gebe es nicht. Einige Anleger hatten zuletzt geglaubt, dass die Fed angesichts besserer Wirtschaftsdaten gezwungen sein könnte, früher als erwartet zu agieren.

Trotz des Rückgangs der Arbeitslosenquote in den USA seien andere Indikatoren vom Arbeitsmarkt nach wie vor schwach, betont Credit Agricole. "Wir denken, dass Janet Yellen nach wie vor diese Sichtweise betont und rechnen nicht mit falkenhaften Überraschungen". Nicht zuletzt wegen des Fehlens anderer Nachrichten dürfte die Rede von Fed-Chefin Janet Yellens auf dem Notenbankertreffen in Jackson Hole das dominierende Thema an den Börsen sein.

Banken erholen sich

Zu den größten Gewinnern zählten im Dax wie in Europa vor allem Finanzwerte, die zuletzt deutlich unter die Räder gekommen waren. Die Titel der Deutschen Bank rückten 0,4 Prozent vor, nachdem sie in den letzten sechs Monaten 25 Prozent verloren hatten. Commerzbank-Titel legten ebenfalls kräftig zu, nachdem sie im letzten halben Jahr 14 Prozent eingebüßt hatten - gingen aber am Ende genau unverändert aus dem Handel.

Infineon gewannen 1,8 Prozent. Siemens verbilligten sich um 1,3 Prozent. ThyssenKrupp büßten 0,9 Prozent ein. Für Adidas-Aktien ging es 2,4 Prozent abwärts. Auch optimistische Prognosen des Konkurrenten Footlocker halfen der Aktie nur wenig. Der Konzern steigerte Gewinn und Umsatz im abgelaufenen Quartal unerwartet deutlich. Der Kurs stieg an der Wall Street 3,0 Prozent. "Adidas erwirtschaftet gut ein Fünftel seines Umsatzes in Nordamerika", sagte ein Händler.

Deutsche Telekom gaben 1,1 Prozent nach. Die Aktie wurde belastet von Berichten über den Beginn eines Preiskriegs in den USA. Nach der abgeblasenen Übernahme von T-Mobile US durch Sprint versuchen sich beide Wettbewerber nun Kunden abzujagen. "Preiskämpfe drücken immer die Margen und sind für keinen der Beteiligten gut", sagt ein Händler.

Fielmann halbiert den Aktienkurs

SAP-Titel notierten 0,5 Prozent schwächer. Die erneute Anhebung der Ziele für das laufende Jahr durch Salesforce.com könnte nach Einschätzung aus dem Handel das Sentiment für die Aktie stützen. SAP rechnet nun mit einem bereinigten Gewinn von 50 bis 52 Cent je Aktie bei Umsätzen zwischen 5,34 Milliarden und 5,37 Milliarden Dollar.

Hugo Boss verzeichneten ein Plus von 1,5 Prozent nach einer Hochstufung durch die Deutsche Bank. Fielmann-Aktionäre sollten beim Blick auf den Schlusskurs keinen Schreck bekommen: Der Aktienkurs halbierte sich heute, da bei dem  Brillenhändler ein Aktiensplit im Verhältnis 1:2 wirksam wird. Die Hauptversammlung hatte Anfang Juli beschlossen, den Aktionären für jedes alte Papier in ihrem Depot zwei neue Aktien auszugeben. Auf diesem Wege sollen die Papiere optisch billiger gemacht werden.

Quelle: n-tv.de

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