Archiv

Allianz und Dresdner Bank7500 Jobs und elf Standorte weg

22.06.2006, 07:38 Uhr

Die Allianz streicht im Rahmen des Umbaus des Versicherungsgeschäfts im Inland sowie zur weiteren Ertragssteigerung im Bankgeschäft fast 7.500 Stellen. Davon entfallen 5.000 auf die Allianz, die übrigen Jobs fallen bei der Tochter Dresdner Bank weg. Bei der Bank werden die Rationalisierungen vor allem die Verwaltung und das Management betreffen. Zudem streicht der Konzern elf von 21 Verwaltungsstandorten.

Der Finanzkonzern Allianz streicht bei seinen deutschen Versicherern und der Dresdner Bank 7.480 Arbeitsplätze.

Im Rahmen der Zusammenführung der bisher getrennten drei Versicherer im Inland fielen bei der neuen Allianz Deutschland AG rund 5.000 Stellen weg, teilte die Allianz mit. Rund jeder zweite Verwaltungsstandort soll geschlossen werden. "Was wir heute auf den Weg bringen, ist die Basis für zukünftiges profitables Wachstum unserer Gesellschaften in Deutschland", erklärte Allianz-Chef Michael Diekmann. Bei der immer noch zu ertragsschwachen Dresdner Bank fallen weitere 2.480 Stellen weg.

Der Chef der Allianz Deutschland AG, Gerhard Rupprecht, sprach von "schmerzlichen Schritten" die aber notwendig seien, um die Wettbewerbsfähigkeit der Allianz zu erhalten. "Wir haben uns die Entscheidungen alles andere als leicht gemacht, gerade weil wir wissen, dass davon persönliche Schicksale betroffen sind."

Durch die Sparprogramme will der Allianz-Konzern seine Kosten um knapp eine Milliarde Euro senken. Allein der Stellenabbau im Versicherungsbereich, der Zentral- und Verwaltungsaufgaben betrifft, soll bis zu 600 Mio.Euro einsparen. Die künftige Allianz Deutschland als Verwaltungszentrale des Versicherungsgeschäfts im Inland ohne den bereits zusammengefassten Vertrieb der Bereiche Lebens-, Schaden- und Krankenversicherung soll dann rund 25.000 Mitarbeiter haben.

Der Umbau soll bis 2008 abgeschlossen sein. Die Arbeitsplätze sollen offenbar weitgehend ohne Entlassungen abgebaut werden, da die Allianz den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis zumindest Ende 2007 zugesagt hat. Allerdings müssen sich viele Beschäftigte auf räumliche Veränderungen einstellen, da die Allianz-Führung tiefe Einschnitte in das weit verzweigte Niederlassungsnetz plant.

Köln trifft es am härtesten

Die Zahl der Verwaltungsstandorte soll auf zehn von bisher 21 verringert werden. Am härtesten trifft es dabei den Standort Köln mit derzeit 1.297 Beschäftigten, der voraussichtlich frühestens ab Anfang 2008 komplett geschlossen werden soll. Dort seien also alle Mitarbeiter betroffen, sagte Rupprecht. Sie sollten aber Chancen bekommen, sich auf andere Arbeitsplätze im Konzern zu bewerben, "die wir in großem Umfang ausschreiben werden."

Geschlossen wird auch die Niederlassung der Lebensversicherung in Frankfurt, wo künftig lediglich ein auf die Automobilwirtschaft spezialisierter Standort verbleiben soll. Wie viele Beschäftigte in Frankfurt damit ihren Job behalten, könne noch nicht beziffert werden, sagte Rupprecht. Insgesamt habe die Allianz in Frankfurt derzeit 1.643 Beschäftigte. Dichtmachen will die Allianz zudem Nebenstandorte der Sachversicherung in Mainz, Aachen, Hannover, Augsburg, Freiburg, Mannheim, Nürnberg, Magdeburg und Ulm sowie die Niederlassung der Krankenversicherung in Dortmund. Auch hier ließen sich die Auswirkungen jeweils im einzelnen noch nicht beziffern, mit Beschäftigtenvertretern solle über einen Interessenausgleich verhandelt werden.

An den verbleibenden Standorten sollten im Zuge der Neuordnung im Innen- und Außendienst gut 25.000 Vollzeitarbeitsplätze erhalten werden, sagte Rupprecht. Der Konzern hatte bereits zugesagt, bis mindestens Ende 2007 auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten zu wollen. Die Fortschreibung dieser Zusage machte die Allianz vom Erreichen bestimmter Wachstums- und Kostenziele abhängig.

Diekmann verteidigte den Umbau trotz der Milliardengewinne des Konzerns erneut. "Heute können wir dies aus einer Position der Stärke tun. Wer notwendige Maßnahmen auf die lange Bank schiebt, kommt später umso stärker unter Druck und muss dann deutlich drastischere Maßnahmen ergreifen", betonte er. Ziel sei es, alle Gesellschaften des Konzerns so zu positionieren, dass sie langfristig wettbewerbsfähig seien.