Zu hohe StrompreiseAlu-Werk will dicht machen
Die Gesellschafter des Hamburger Aluminium-Werks (HAW) haben nach Beratungen die Teilschließung des Werks zum Jahresende beschlossen. Zu hohe Strompreise machen dem Unternehmen zu schaffen.
Die Gesellschafter des Hamburger Aluminium-Werks (HAW) haben nach Beratungen die Teilschließung des Werks zum Jahresende beschlossen. Wie das Unternehmen mitteilte, sollen in Kürze auf einer Pressekonferenz Einzelheiten bekannt gegeben werden. Am HAW sind der norwegische Konzern Norsk Hydro, der US-Konzern Alcoa und die österreichische Amag zu je einem Drittel beteiligt.
Norsk Hydro hatte wegen zu hoher Strompreise zuvor bereits eine weitgehende Schließung des Werkes bis zum 31. Dezember angekündigt. Auch der Standort in Stade soll aus diesem Grund bis 2006 dicht gemacht werden. Von den Maßnahmen sind insgesamt rund 900 Beschäftigte betroffen. Norsk Hydro will die Aluminiumproduktion in seinem größten deutschen Werk in Neuss konzentrieren.
Anteilseignern und Aufsichtsgremien lag ein neues Stromangebot des Energieversorgers HEW/Vattenfall vor. Das sieht unter anderem vor, den bestehenden Strom-Liefervertrag um sechs Monate zu verlängern. Zwar würde auf das Unternehmen dadurch selbst eine Belastung in zweistelliger Millionenhöhe zukommen, im Gegenzug fordert der Versorger aber eine zweijährige Bestandsgarantie für das HAW. Diese stufte der HAW-Geschäftsführer Hans-Christof Wrigge als problematisch ein, da die zukünftige Entwicklung der Strompreise nicht absehbar sei.
Die HEW hofften auf Gespräche mit dem HAW. Das HAW nehme das "kurzfristige Gesprächsangebot" an, teilte das Unternehmen mit. Das Management des Werkes solle mit Gesellschaftern, HEW/Vattenfall und der Stadt Hamburg seine "Bemühungen für einen akzeptablen Strompreis" fortsetzen. Die Gesellschafter würden den Schließungsbeschluss rückgängig machen, wenn sich die wirtschaftlichen Bedingungen "deutlich verbessern", hieß es.
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) und Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hatten Kontakt mit dem norwegischen Konzern aufgenommen, um eine Schließung abzuwenden.
Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) hat der Stromwirtschaft ein Abkassieren mit "künstlich überhöhten" Preisen vorgeworfen. Der nicht funktionierende Strommarkt spüle den Erzeugern enorme Gewinne in die Taschen, heißt es in einer in Essen verbreiteten Stellungnahme des Interessenverbands der industriellen Energiekunden. In den vergangenen Tagen sei der Strompreis auf ein noch nie gesehenes historisches Hoch gestiegen. Die geplante Schließung der zwei Aluminiumhütten demonstriere die ungemein kritische Situation des Industriestandortes Deutschland.