Siemens mit neuem PartnerAreva verärgert
Das neue deutsch-russische Atom- Bündnis von Siemens stößt beim bisherigen Partner Areva auf Widerstand. Der französische Atomkonzern warf Siemens wegen der geplanten Partnerschaft mit dem russischen Nuklearunternehmen Rosatom Vertragsbruch vor.
Das neue deutsch-russische Atom- Bündnis von Siemens stößt beim bisherigen Partner Areva auf Widerstand. Der französische Atomkonzern warf Siemens wegen der geplanten Partnerschaft mit dem russischen Nuklearunternehmen Rosatom Vertragsbruch vor. Siemens unterliege einer Sperrklausel, die dem Unternehmen nach seinem Ausstieg aus der gemeinsamen Tochter Areva NP konkurrierende Aktivitäten untersage, erklärte Areva in einer in Paris verbreiteten Stellungnahme.
Siemens hatte Ende Januar angekündigt, seinen 34-prozentigen Anteil bei Areva NP aufzugeben, er soll an die Franzosen gehen. Der Wert des Siemens-Anteils an Areva NP wird auf zwei Mrd. Euro taxiert. Siemens beklagte fehlenden unternehmerischen Einfluss in dem bestehenden Joint Venture.
Der deutsche Elektrokonzern reagierte gelassen auf die Vorwürfe aus Frankreich. "Selbstverständlich kommen wir unseren vertraglichen Verpflichtungen aus dem Joint Venture mit Areva nach", sagte ein Siemens-Sprecher. "Im Zusammenhang mit unserer Kündigung des Joint Ventures sind wir bekanntermaßen in Gesprächen zwischen den Partnern." Diese Gespräche dauerten an.
"Die Vereinbarungen zwischen Rosatom und Siemens richten sich gegen niemanden", erklärte Rosatom-Chef Sergej Kirijenko nach Angaben der russischen Agentur Interfax. Die Vereinbarungen sollten anderen Partnern keinen Schaden zufügen, viel mehr wollten "Rosatom und Siemens die Voraussetzung für ein mächtiges Gemeinschaftsunternehmen schaffen, das auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig ist."
Heißes Eisen
Am Vortag hatten Siemens und Rosatom in Berlin eine Absichtserklärung für ihr geplantes neues Gemeinschaftsunternehmen unterzeichnet. Es soll neue Atomkraftwerke bauen und vorhandene Meiler modernisieren. Erstmals seit langer Zeit will sich Siemens in der neuen Partnerschaft wieder im "heißen Bereich" der Nukleartechnik engagieren. Basis dafür soll die russische Druckwasserreaktor- Technologie (WWER) sein. Im Rahmen der Kooperation mit Areva liefert Siemens bisher nur konventionelle Technik für Kernkraftwerke wie Turbinen und Steuerungsanlagen.
Allerdings wird der Elektrokonzern in der neuen Konstellation mit den Russen die Rolle eines Juniorpartners haben. Geplant ist, dass Rosatom eine Mehrheit von 50 Prozent plus eine Aktie an dem Gemeinschaftsunternehmen halten soll. Im Falle einer gleichberechtigten Partnerschaft wäre Siemens Gefahr gelaufen, mit Areva in Vertragsstreitigkeiten zu geraten, hatte es dazu in Industriekreisen geheißen.