Spitzel im BordrestaurantBahn-Detektive zählen mit
Auch in den Bordrestaurants der Deutschen Bahn soll es einem Pressebericht zufolge zu Bespitzelungen gekommen sein. Über Jahre hinweg sei das Personal dort heimlich kontrolliert worden. Die als "Sachbearbeiter" engagierten Detektive sollen demnach die verkauften Speisen notiert und nachträglich mit den Bons der Bordkasse verglichen haben.
Auch in den Bordrestaurants der Deutschen Bahn soll es einem Bericht des "Spiegel" zufolge zu Bespitzelungen gekommen sein. Über Jahre hinweg sei das Personal dort heimlich kontrolliert worden. Die Bahn habe dafür schon 2003 über das Arbeitsamt "Detektive" gesucht. Die Angeworbenen hätten Ein-Jahres-Verträge bekommen, offiziell getarnt als "Sachbearbeiter".
In Wahrheit sollten die rund ein Dutzend Personen starke Truppe in den Bordrestaurants demnach schwarze Schafe unter den Gastro-Mitarbeitern der Bahn ausfindig machen. Sie hätten unauffällig die Reihenfolge der verkauften Waren notiert, die später mit den Bons in der Bordkasse abgeglichen wurden. Auch in den Warenlagern der Bahn, etwa in Hamburg, sollen Detektive aktiv gewesen sein.
Ein Bahn-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. Er verwies darauf, dass dem Aufsichtsrat am Mittwoch der Sachverständigen-Bericht zur Bahn-Datenaffäre vorgelegt wird.
Transnet fordert schärfere Regeln
Als Konsequenz aus der Datenaffäre bei der Deutschen Bahn hat die Gewerkschaft Transnet neue Regeln und klare Zuständigkeiten gefordert. "Wir brauchen eine neue Struktur, die verhindert, dass es in Zukunft derartige Schnüffelfälle gibt", sagte der Transnet-Chef Alexander Kirchner dem "Tagesspiegel". Kirchner verlangte, die Bekämpfung der Korruption künftig in einer Hand zu konzentrieren, und es müsse feststehen, wer wofür verantwortlich ist.
An diesem Mittwoch wollen die Wirtschaftsprüfer von KPMG sowie die Ex-Bundesminister Gerhart Rudolf Baum und Herta Däubler-Gmelin dem Aufsichtsrat ihren Bericht vorstellen. Es geht darum, inwieweit der massenhafte Abgleich von Daten vieler Bahn-Beschäftigter mit Daten von Lieferanten rechtens war. Untersucht wurde auch die angebliche Kontrolle von E-Mails und der Einsatz externer Detektive.
Der neue Vorstandschef Rüdiger Grube hat weitere personelle Konsequenzen aus der Datenaffäre nicht ausgeschlossen. Sie könnten in einer weiteren, für Ende Mai geplanten Aufsichtsratssitzung beschlossen werden. Grubes Vorgänger Hartmut Mehdorn hatte wegen der Affäre seinen Hut genommen.
Mehdorn droht Klage
In der Daten-Affäre drohen dem ehemaligen Konzernchef Hartmut Mehdorn laut dem Bericht zudem Schadenersatzforderungen. Im Aufsichtsrat der Bahn gebe es Überlegungen, die Verantwortlichen der Affäre im Vorstand auch persönlich für eventuell entstandene Schäden haften zu lassen. Sollten sich die Vorwürfe gegen das Management darüber hinaus weiter konkretisieren, wäre es durchaus möglich, dass die Bahn ähnlich wie Siemens oder die Deutsche Telekom aus aktienrechtlichen Gründen Schadensersatzforderungen gegen verantwortliche Vorstände stellen müsse. Möglich wäre demnach auch, dass im Laufe des weiteren Verfahrens Abfindungen oder Boni-Zahlungen zurückgefordert werden müssten.