Mittwoch, 21. Januar 2009
Aktion "Eichhörnchen": Bahn-Mitarbeiter ausgespäht
Die Deutsche Bahn hat in großem Stil Mitarbeiter und deren Ehepartner von einer Detektei ausforschen lassen. Mehr als 1000 Menschen seien von Bespitzelungen betroffen gewesen, berichtete der "stern". Das Hamburger Magazin beruft sich auf Auftragsunterlagen der Bahn für die Network Deutschland GmbH, die auch an der Bespitzelung von Führungskräften bei der Telekom beteiligt gewesen sein soll.
Laut "stern" reichte die Bahn im Rahmen ihrer internen Korruptionsbekämpfung allein im Jahr 2003 die Daten von 774 Führungskräften an die Detektei weiter. Ziel der Aktion mit dem Namen "Eichhörnchen" sei es gewesen auszukundschaften, ob Top-Manager oder deren Ehepartner außerhalb des Unternehmens wirtschaftlich engagiert gewesen seien. Demnach bestand kein konkreter Verdacht.
Auch 2002 habe der Konzern in der Aktion "Babylon" bereits eine Rasterfahndung vorgenommen und nicht gezielt nach Tätern gesucht. Dabei seien auch "die Bank- und Telefonverbindung in die Untersuchung" eingebunden worden, zitierte der "Stern" aus den Unterlagen.
"Erhebliche Verstöße"
Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix sprach im "stern" von "erheblichen Verstößen gegen das Bundesdatenschutzgesetz". Ein Strafttatbestand sei in einigen Fällen nicht auszuschließen. Die Bahn hatte bereits bestätigt, Ermittlungen gegen eigene Mitarbeiter beauftragt zu haben. Seit 1998 habe der Konzern jedoch nur 43 Untersuchungen durch Network Deutschland durchführen lassen.
Der Konzern erklärte zudem, es gebe "keine grundsätzlichen Bedenken" gegen die Ermittlungen wegen Korruption im eigenen Hause. Laut Bahn stellte Dix vielmehr fest, "dass die DB AG wie alle anderen verantwortlichen Stellen auch ein berechtigtes Interesse hat, Wirtschaftskriminalität zu bekämpfen". Der Datenschutzbeauftragte kritisierte hingegen, dass die betroffenen Mitarbeiter nicht über die Überwachung informiert worden seien.
