Übernahmekrimi um ScheringBayer und Merck pokern hoch
Nach dem Störmanöver des Darmstädter Rivalen Merck drückt der Bayer-Konzern bei der Übernahme von Schering aufs Tempo. Mittlerweile haben sich die Leverkusener 61,52 Prozent am Berliner Pharmakonzern gesichert.
Nach dem Störmanöver des Darmstädter Rivalen Merck drückt der Bayer-Konzern bei der geplanten Übernahme des Berliner Pharmaherstellers Schering aufs Tempo. Mittlerweile haben sich die Leverkusener 61,52 Prozent an Schering gesichert. Doch auch Merck waren nicht untätig – sie haben ihren Anteil an Schering schon auf knapp 19 von zuvor gut zehn Prozent erhöht.
Merck hält nun 18,6 Prozent der Schering-Anteile, wie aus einer am Wochenende veröffentlichten Merck-Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht. Demnach kaufte Merck am Freitag weitere 16,2 Mio. Schering-Aktien zu einem Durchschnittskurs von 85,95 Euro. Damit haben die Darmstädter ihre Beteiligung in den vergangenen Tagen in mehreren Schritten deutlich aufgestockt. Ihnen fehlen noch etwas mehr als sechs Prozent, um mit 25 Prozent eine Sperrminorität zu erlangen und damit die Schering-Übernahme durch Bayer zu vereiteln.
Bayer braucht dementsprechend mehr als 75 Prozent, damit die Transaktion zustande kommt. Die Leverkusener hatten zuletzt binnen eines Tages über die Börse für ungefähr 3,8 Milliarden Euro knapp ein Viertel der Schering-Aktien gekauft und haben sich damit bislang insgesamt 61,52 Prozent an dem Berliner Pharmahersteller gesichert. Bis Donnerstag waren Bayer erst 40,19 Prozent der Schering-Aktien angedient worden.
Bayer hatte damit begonnen, Schering-Papiere am Markt einzusammeln, nachdem Merck überraschend ihren Schering-Anteil in den vergangenen Tagen auf 10,1 Prozent aufgestockt hatten. Bayer bezeichnete die Vorgehensweise seines Konkurrenten Merck bei der Schering am Freitag als "nicht nachvollziehbar". So zahle Merck jetzt einen Preis für die Schering-Aktien, der noch vor einigen Wochen für eine Übernahme des Unternehmens von Merck als nicht zu rechtfertigen bezeichnet worden war. Damit sei damals der eigene Ausstieg aus dem Vorhaben begründet worden. Das Verhalten von Merck wirke demnach wie der Versuch einer Blockade-Politik, um die Übernahme der Aktien durch Bayer zu erschweren, hieß es. Eine solche Vorgehensweise sei von strategischen Investoren bislang nicht bekannt.
Dass Bayer den Blockadeversuch durchaus ernst nimmt, zeigte der Aktionismus am Freitag. Denn wenn Merck weiter massiv Schering-Aktien kauft, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Bayer bis Mittwoch die notwendige Quote von 75 Prozent nicht erreicht und mit der Übernahme scheitert. Dann könnte Merck doch noch zum Zuge kommen. Eine andere Möglichkeit ist, dass Merck mit seinen Aktien Druck auf Bayer ausübt, Schering aufzuspalten und einige Teile wie das Diagnostika-Geschäft an Merck abzugeben. Aber auch eine höhere Merck-Offerte sei denkbar, glauben Experten. So könne sich Merck etwa mit einem anderen Interessenten zusammentun, sagte ein Experte. In diesem Fall sei eine Aufspaltung von Schering wahrscheinlich. Merck selbst hielt sich bislang zu seinen Plänen mit dem Schering-Aktienpaket weiter bedeckt.