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Kraftwerksbauer MCEBilfinger geht einkaufen

06.10.2009, 15:44 Uhr
bilfinger
Der Baukonzern wandelt sich. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Beim Baukonzern Bilfinger Berger bricht die Zeitenwende an: Aus ihm wird zunehmend ein Dienstleister. Im Zuge der Umstrukturierung ist auch der Zukauf von MCE zu sehen. Die Österreicher planen und bauen Kraftwerke. Über die Zukunft des Kerngeschäfts Bau wird in Kürze entschieden.

Der zweitgrößte deutsche Baukonzern Bilfinger Berger wandelt sich mit einer Übernahme in Österreich immer schneller zum Bau- und Industriedienstleister. Bilfinger Berger kauft für 350 Millionen Euro die MCE aus Linz, die mit mehr als 6500 Mitarbeitern in Deutschland und Österreich Kraftwerke und andere Industrieanlagen plant, baut und wartet. Mit der Übernahme eines der wichtigsten Wettbewerber werde das Dienstleistungsgeschäft im kommenden Jahr beim Umsatz die angestammte Bausparte übertreffen, die zuletzt 60 Prozent zur Konzernleistung beitrug, teilte der Konzern am Dienstag mit. "MCE passt hervorragend zu unseren vorhandenen Serviceeinheiten", sagte Bilfinger-Vorstandschef Herbert Bodner.

Die Bilfinger-Aktionäre sollen die Übernahme mitfinanzieren und eine rund 270 Millionen Euro schwere Kapitalerhöhung um 25 Prozent zeichnen. "Wir können das nicht mit einer weiteren Verschuldung stemmen", sagte er. Die neuen Aktien werden zu je 30,60 Euro ausgegeben, das ist fast ein Drittel weniger als der bereinigte Börsenkurs. Dennoch stiegen die Papiere am Dienstag an der Börse um 7,3 Prozent auf mehr als 50 Euro.

MCE gehörte seit Anfang 2007 mehrheitlich dem Finanzinvestor DBAG. Dieser erklärte, der Dienstleister könne unter dem Dach von Bilfinger mehr neue Kunden gewinnen. Der Kauf passt in Bodners Strategie. "Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg in das margenstärkere Geschäft mit Dienstleistungen", sagte er. MCE erwirtschaftete im vergangenen Jahr eine Leistung von 900 Millionen Euro, Bilfinger setzte in dem durch zahlreiche Zukäufe ausgebauten Geschäft mit Industriewartung und Gebäudebetreuung 4,6 Milliarden Euro um. Weitere Übernahmen seien möglich, sagte Bodner. "Aber unsere Wachstumsgeschwindigkeit ist limitiert."

Mitte November mehr

Das Baugeschäft kam 2008 auf 6,1 Milliarden Euro Leistung, trägt aber nur einen kleinen Teil zum Gewinn von Bilfinger bei. Bodner will den Hoch- und Ingenieurbau angesichts niedriger Margen, der starken konjunkturellen Schwankungen und Pannen bei Großprojekten drastisch eindampfen. Der Vorstandschef sagte, es gehe um die Zukunft des Geschäfts in ganzen Regionen. Mitte November könne er Näheres dazu sagen.

An der Börse kam die Übernahme gut an. Bodner setze damit die angekündigte Strategie sehr konsequent um, lobte Analyst Marc Nettelbeck von der DZ Bank. Ralf Dibbern von M.M. Warburg sagte, MCE passe perfekt zu Bilfinger. Die Bilfinger-Aktionäre können vom Mittwoch an bis 20. Oktober für je vier ihrer Aktien eine neue zeichnen. Die Commerzbank, die Deutsche Bank und BNP Paribas garantieren den Erlös.

Der DBAG verhilft die Transaktion im Geschäftsjahr 2008/09 (zum 31. Januar) zu einem Gewinn. Die Deutsche Beteiligungs-AG, die 18,8 Prozent an MCE in den eigenen Büchern und den Rest über ihre Fonds hält, erwartet daraus einen Ertrag von 15 Millionen Euro. Nach einem Verlust von 12,4 Millionen Euro in der ersten Jahreshälfte hatte sich Vorstandschef Wilken von Hodenberg nicht zu einer Gewinnprognose durchgerungen. Nun legte er sich auf einen Jahresüberschuss fest. Im Juli hatte die DBAG den Pumpenhersteller Lewa mit Gewinn verkauft, obwohl Investoren ihre Beteiligungen in der Finanzkrise nur schwer zu attraktiven Preisen loswerden. Die DBAG-Aktie legte um 3,3 Prozent zu.

Quelle: mme/dpa