Wirtschaft
Montag, 10. Oktober 2005

Nobelpreis für Wirtschaft: Ehrung für Spieltheoretiker

Den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten in diesem Jahr zwei Wissenschaftler aus Israel und den USA.

Robert J. Aumann von der Hebräischen Universität in Jerusalem und Thomas C. Schelling an der Universität von Maryland werden für ihre Forschungen zur Spieltheorie ausgezeichnet, erklärte die Königlich-Schwedische Akademie für Wissenschaften am Montag in Stockholm. Die beiden Wissenschaftler hätten das Verständnis für Konflikte und Kooperationen vertieft, hieß es in der Begründung der Akademie.

Beide Forscher haben die Spieltheorie weiterentwickelt, mit deren Hilfe Interessenskonflikte in Wirtschaft und Handel gelöst, aber auch Kriege vermieden werden können, hieß es weiter. Ihr Beitrag werde in vielen Bereichen genutzt, unter anderem bei "Sicherheits- und Abrüstungsstrategien, der Preisbildung an Märkten sowie in wirtschaftlichen und politischen Verhandlungen".

Konflikt und Kooperation

Mit der Spieltheorie werden Motive und Beweggründe handelnder Personen erforscht, seien es Handelspartner, Arbeitgeber, Gewerkschaften oder kriminelle Organisationen. Ausgangsbasis ist die Annahme, dass alle Beteiligten eines Handels oder eines Konflikts immer das für sie bestmögliche Ergebnis erzielen möchten.

Schelling hat die Theorie seit den fünfziger Jahren auf weltweite Sicherheitsfragen und den Rüstungswettlauf abgewandt. Er analysierte, wie der Schock über den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima und Nagasaki vor einem späteren Einsatz der Waffe abgeschreckt hat, beschäftigte sich aber auch mit ganz alltäglichen Problemen. So ging er der Frage nach, nach welchen Kriterien Zuschauer ihre Plätze in einem Saal wählen oder wann in bestimmten Situationen mit Diskriminierungen wegen Geschlecht oder Rasse zu rechnen ist.

Aumann hat sich auf die Frage konzentriert, wie sich das Ergebnis eines "Spiels" – also eines Geschäfts oder eines Konflikts – für die beteiligten durch eine Wiederholung der Konfliktsituation und Auseinandersetzung damit verändert. "Die Ergebnisse erleichtern es, Wirtschaftskonflikte wie Preis- oder Handelskriege zu erklären oder herauszufinden, warum bestimmte Gemeinwesen in Konflikten erfolgreicher agieren als andere", stellte die Akademie fest. In langwierigen Konflikten spielt die Frage einer Kooperation der Beteiligten eine größere Rolle. Aumann konnte zeigen, wie bestimmte Bedingungen eine Zusammenarbeit fördern oder untergraben.

Nobelpreis für Wirtschaft umstritten

Der Preis ist mit rund einer Mio. Euro dotiert und wurde 1968 von der Schwedischen Nationalbank im Andenken an den Industriellen Alfred Nobel gestiftet, aus dessen Erbe allerdings nur die fünf anderen Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden finanziert werden.

Der Preis für Wirtschaftswissenschaften ist gewissermaßen ein Nachzügler. Denn er geht nicht wie die anderen Nobelpreise auf das Testament des schwedischen Ingenieurs und Fabrikanten Alfred Nobel (1833-1896) zurück. Die Stockholmer Reichsbank stiftete die offiziell "Ehrenpreis zum Andenken an Alfred Nobel" genannte Auszeichnung 1968 zu ihrem 300. Gründungsjubiläum. Erstmals verliehen wurde der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft 1969.

Der Preis ist aber nicht nur ein Nachzügler, sondern auch ein unerwünschter Nachzügler. Seit den neunziger Jahren verlangen unter anderem Nobels Urenkel sowie die für die Vergabe des Literatur-Nobelpreises zuständige Schwedische Akademie die Abschaffung des Wirtschaftspreises. Sie begründen dies mit der Verletzung des Testamentes und einer daraus folgenden "Verwässerung" der klassischen Nobelpreise. Die Nobelstiftung hat mit Blick auf diese Kritik die Bekanntgabe des Preises seit zwei Jahren zeitlich von der Vergabe der Auszeichnungen für Frieden, Medizin, Chemie und Physik getrennt.

Vorfahrt für männliche USA-Forscher

In der Öffentlichkeit wird heftig moniert, dass der Wirtschafts-Nobelpreis fast ausschließlich an männliche Wissenschaftler aus den USA vergeben wird. So gab es seit der ersten Vergabe nicht einmal Preisträger, die in Asien, Afrika oder Lateinamerika ihren Arbeitsplatz hatten. Bis 2005 war keine einzige Frau unter den 55 Preisträgern, von denen 41 ihr Geld an einer US-Universität verdienten. Robert J. Aumann ist auch US-Bürger.

Quelle: n-tv.de