Windhorst fliegt wiederEinstieg bei Air Berlin
Die Berliner Beteiligungsgesellschaft Vatas ist bei Air Berlin in großem Stil eingestiegen und mit einem Schlag zum größten Aktionär der Billigfluglinie geworden. Vatas erwarb über seine Tochter Haarlem One 15,4 Prozent der Stimmrechte. Geschäftsführer von Vatas ist Lars Windhorst. Die Gesellschaft ist auch Großaktionär beim Internetunternehmen Freenet.
Der Berliner Finanzinvestor Vatas hat sich überraschend als größter Aktionär bei der Billigfluggesellschaft Air Berlin eingekauft. Die von dem früher als Unternehmer-Wunderkind gefeierten Lars Windhorst mit geführte Beteiligungsgesellschaft erwirbt 15,4 Prozent der Stimmrechte. Das Paket hat zum Mittwochsschlusskurs von 12,42 Euro je Aktie einen Wert von 126 Mio. Euro. An der Börse reagierten die Aktien von Air Berlin mit einem Kurssprung von mehr als sieben Prozent auf die Neuigkeiten.
Über die Intention des neuen Investors ist noch nichts bekannt. Vatas lehnte eine Stellungnahme ab. Für Air Berlin kam der Schritt offenbar überraschend - Firmenchef Joachim Hunold ist noch im Urlaub. "Im Moment sehen wir das gelassen und als ganz normales Börsengeschäft", sagte ein Sprecher.
Auch Analysten gehen von einem Finanzinvestment aus. "Ich glaube nicht, dass Vatas ein strategisches Interesse hat. Hier ist ein Finanzinvestor in eine unterbewertete Aktie eingestiegen, um Kursgewinne zu erzielen", bewertete Uwe Weinreich, Luftfahrt-Analyst bei der HVB Group, das Engagement.
Die Aktien von Air Berlin gehörten im vergangenen Jahr mit einem Kursrückgang von 25 Prozent zu den großen Verlierern im Kleinwerteindex SDax. An der Fluggesellschaft ist die Deutsche Bank über mehrere Fonds mit insgesamt 15,02 Prozent beteiligt. Das Kreditinstitut spricht allerdings von einer reinen Handelsposition. Bis auf prozentual einstellige Beteiligungen von Managern und Altaktionären befindet sich der Rest der Aktien in Streubesitz.
Vatas ist unter anderem Großaktionär beim Mobilfunk- und Internetunternehmen Freenet sowie beim Pflegeheimbetreiber Curanum. Lars Windhorst ist einer von zwei Geschäftsführern. In den 90er Jahren machte der heute 31-Jährige Furore, als er mit 15 Jahren ein Computerunternehmen aufbaute. Die Krise der New Economy brachte allerdings auch die Windhorst-Unternehmungen in Schwierigkeiten - drei seiner Firmen mussten Insolvenz anmelden, Lars Windhorst anschließend auch. Als Vatas-Geschäftsführer machte er im Sommer Schlagzeilen, als er Freenet-Aktien nach Auszahlung einer Sonderdividende zum Einstandspreis verkaufte und mehr als 100 Mio. Euro Gewinn einstrich. Bei einem Flugzeugabsturz in Kasachstan an Weihnachten wurde Windhorst schwer verletzt.