Wirtschaft
Donnerstag, 09. Februar 2006

Milliardär auf Shoppingtour: Hochtief als Geldanlage

Die Münchener Custodia Holding des Milliardärs August von Finck hat ihre Beteiligung am Essener Baukonzern Hochtief auf eine Sperrminorität aufgestockt und schließt weitere Aktienkäufe nicht aus. Hochtief betonte, der Konzern sehe das Engagement als sehr langfristig ausgerichtet an.

"Wir begrüßen die Beteiligung und die Wertschätzung, die dadurch unserem Unternehmen, unserer erfolgreichen Strategie und unseren Zukunftsperspektiven entgegengebracht wird", teilte Hochtief mit. Die Custodia, die Beteiligungsgesellschaft von Fincks, halte nun 25,08 Prozent nach zuvor 10,64 Prozent. Custodia-Vorstand Manfred Karl wollte eine weitere Aufstockung der Beteiligung nicht ausschließen: "Man soll nie nie sagen", sagte er Reuters. Entscheidungen seien aber noch nicht gefallen. Bei einer Beteiligung von 30 Prozent wird in Deutschland ein Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre fällig. Das Paket von Custodia ist beim aktuellen Kurs der Hochtief-Aktie von 43 Euro mehr als 750 Millionen Euro wert. Die Aktie des Hochtief-Konzerns, um den es in der Vergangenheit immer wieder Übernahme-Spekulationen gegeben hatte, reagierte am Morgen mit einem Kurssprung auf die Aufstockung der von Custodia gehaltenen Anteile und notierte mit einem Plus von über vier Prozent bei 44,75 Euro.

Die aus der Holdinggesellschaft der Brauerei-Beteiligungen von Fincks hervorgegangene Custodia (ehemals Löwenbräu AG), die auch im Immobiliengeschäft tätig ist, ist bereits seit Oktober 2005 größter Aktionär von Deutschlands größtem Baukonzern. Damals hatte sie ihre Beteiligung auf 10,64 von gut fünf Prozent aufgestockt. Der in der Schweiz lebende August von Finck ist ein Nachfahre des Mitgründers des Finanzkonzerns Allianz. Die Brauerei Löwenbräu hatte er 1997 an Spaten verkauft und war bei Spaten vor einigen Jahren ebenfalls ausgestiegen.

Custodia teilte mit, die Anteilsaufstockung sei Teil ihrer Anlagestrategie. "Hochtief ist unverändert ein am nationalen und internationalen Markt erfolgreiches und wachstumsstarkes Unternehmen, das durch eine umfassende Angebotspalette in der Lage ist, die gesamte Wertschöpfungskette von Projekten abzudecken", erklärte der Großaktionär.

Aus vergangenen Gesprächen mit Custodia wisse der Konzern, dass die Holdinggesellschaft ihr Engagement bei Hochtief als sehr langfristiges Investment sehe, betonte eine Hochtief-Sprecherin. Hochtief erwarte durch die Aufstockung keine negativen Auswirkungen auf seine künftige Strategie. Der Konzern wolle sich nun rasch über die Beweggründe für den Schritt und die künftigen Vorstellungen von Custodia informieren.

Nach dem Einstieg bei Hochtief hatte Custodia-Vorstand Karl die Beteiligung bereits als langfristiges Investment bezeichnet. Sieben Prozent an Hochtief hält der ehemalige Mehrheitsaktionär RWE, 9,1 Prozent hält das Unternehmen selbst. Hochtief hatte zu entsprechenden Gerüchten stets erklärt, sich nicht als Übernahmekandidat zu sehen.

Quelle: n-tv.de