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Putin greift nach TitanKreml sichert sich Rohstoffe

12.09.2006, 11:29 Uhr

Der staatliche russische Rüstungsexporteur Rosoboronexport übernimmt 41 Prozent am Titanhersteller VSMPO-Avisma. Der Schritt passt zur Industriepolitik des Kreml. Putin strebt die staatliche Kontrolle über strategisch wichtige Rohstoffe an.

Der staatliche russische Rüstungsexporteur Rosoboronexport hat 41 Prozent am weltgrößten Titanhersteller VSMPO-Avisma übernommen. Das teilte die Investmentgruppe Renaissance Capital am Dienstag im Namen des Käufers in Moskau mit. Damit geht in Russland der Trend zur Verstaatlichung von Schlüsselindustrien weiter.

Über den Preis wurden keine Angaben gemacht. Rosoboronexport will langfristig die Mehrheit am russischen Titanhersteller übernehmen, dessen Marktkapitalisierung zuletzt bei 2,7 Mrd. US-Dollar lag. Ein Verkäufer wurde nicht genannt. Damit ist unklar, ob sich der Oligarch und Generaldirektor Wladislaw Tetjuchin von Anteilen getrennt hat: Der Unternehmer hatte den Konzern gemeinsam mit Wjatscheslaw Brescht in der Jelzin-Ära übernommen und aus dem früheren Militärkombinat einen international wettbewerbsfähigen Anbieter gemacht.

Ende August trennte sich Brescht, der Vorsitzender im Aufsichtsrat von Avisma ist, von 30 Prozent seiner Aktien und verkaufte sie an Renaissance Capital. Weitere zehn Prozent der Avisma-Anteile übernahm Renaissance Capital bereits 2005 von der Investmentfirma Renova.

Rosoboronexport-Chef Sergej Tschemesow hatte im August angekündigt, sein Unternehmen strebe eine Kontrollmehrheit an VSMPO-Avisma an. Zu Gerüchten, der Staatskonzern habe bereits die Mehrheit am Titanproduzenten erworben, machte eine Sprecherin von Rosoboronexport keine Angaben. Die Kontrollmehrheit kann nach Ansicht von Experten nur mit Tetjuchin-Aktien erlangt werden.

VSMPO-Avisma produziert ein Drittel des weltweit verwendeten Titans und beliefert unter anderem die Flugzeughersteller Boeing und Airbus. Bis zum Jahr 2008 will der im Uralgebiet ansässige Konzern seinen Anteil an den Bauteilen in Boeing-Flugzeugen von derzeit knapp 40 Prozent auf bis zu 70 Prozent erhöhen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Titankonzern einen nach US-Bilanzierungsrichtlinien (US GAAP) berechneten Reingewinn von 228,5 Mio. US-Dollar.

Der Einstieg der Kremls in die Titanherstellung entspricht der Industriepolitik von Präsident Wladimir Putin. Putin strebt die staatliche Kontrolle nicht nur über strategisch wichtige Rohstoffe - vor allem Öl und Gas, wie die Wiederverstaatlichung des Ölkonzerns Jukos belegt -, sondern auch im Verarbeitenden Gewerbe an. Bei VSMPO-Avisma herrscht die Sorge, dass der Kreml den Titanexport in den Westen strategischen Interessen unterwerfen will.