Jobabbau kontraproduktivKritik an Allianz wächst
Der drastische Stellenabbau bei Deutschlands größtem Versicherer Allianz stößt bei Gewerkschaften und Politik auf heftige Kritik. "Mir ist unverständlich, wie der Konzern mit seinen Mitarbeitern umgeht", sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU).
Der drastische Stellenabbau bei Deutschlands größtem Versicherer Allianz stößt bei Gewerkschaften und Politik auf heftige Kritik. Aus Sicht von ver.di sind rund 9.000 Menschen von den Plänen für Stellenstreichungen und Standortschließungen im deutschen Versicherungsgeschäft und bei der Dresdner Bank betroffen. Sachverständige sollten nun im Auftrag des Betriebsrates ein Gegengutachten zu den Plänen des Unternehmens erstellen, sagte Oliver Ostmann, der für ver.di im Allianz-Aufsichtsrat sitzt.. DGB-Chef Michael Sommer warf der Allianz unterdessen vor, ihre neue Struktur trotz Milliarden-Gewinnen auf dem Rücken der Beschäftigten und der Kunden aufzubauen.
Am Vortag hatte die Allianz als Konsequenz aus dem einschneidenden Konzernumbau den Abbau von insgesamt 7.500 Jobs im deutschen Versicherungsgeschäft und bei der Tochter Dresdner Bank sowie Standortschließungen angekündigt. Bei dem Gegengutachten gehe es nun hauptsächlich darum, Alternativen zu den Einschnitten zu entwickeln, sagte Ostmann. "Das ist ein durchaus übliches Instrument im Rahmen von Interessenausgleichsverhandlungen." Aus rechtlicher Sicht dürfe die Allianz mit der Umsetzung der Maßnahmen erst beginnen, wenn ein Interessenausgleich entweder vereinbart oder gescheitert sei. Es gebe aber auch Spielraum für andere Vereinbarungen.
Der Allianz-Gesamtbetriebsrat fühlt sich unterdessen von den Plänen des Konzerns "überrollt". Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hätten den Vorstand mehrfach dazu aufgefordert, vor einer Veröffentlichung über die detaillierten Pläne zu informieren. "Es ist völlig unverständlich, warum dies nicht geschehen ist", sagte Lutz Steinhardt, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates und Aufsichtsratsmitglied der Allianz Versicherungs-AG, dem "Tagesspiegel". Die Betriebsräte der Allianz waren am Vorabend der Veröffentlichung über die Pläne informiert worden.
Die Allianz selbst verteidigte ihr Vorgehen. "Dass das für unsere Mitarbeiter eine schmerzhafte Entscheidung ist, die wir uns nicht leicht gemacht haben, ist klar", sagte ein Unternehmenssprecher. "Gerade mit Blick auf die Mitarbeiter und im Interesse eines geordneten Kommunikationsprozesses haben wir uns zu diesem Vorgehen entschlossen." Nun werde man in Beratungen mit den Wirtschaftsausschüssen und später in die Verhandlungen über einen Interessenausgleich eintreten.
DGB-Chef Sommer sagte im "Inforadio" des Rundfunks Berlin- Brandenburg, was die Allianz mache, sei "absolut kontraproduktiv". Langfristig sei der Schaden für den Versicherer und die Dresdner Bank durch den Stellenabbau sehr viel größer als der Nutzen. "Sie verschlechtern ihr Image, sie verschlechtern ihren Kundenservice und überall dort, wo der Kunde dann schlechter behandelt wird, gerade bei Finanzdienstleistungen, wird er sich Alternativen suchen."
Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) übte scharfe Kritik an den Einschnitten. "Mir ist unverständlich, wie der Konzern mit seinen Mitarbeitern umgeht", sagte Rüttgers in Düsseldorf. In Nordrhein-Westfalen sind unter anderem durch die geplante Schließung des Allianz-Standortes in Köln mehrere hundert Beschäftigte betroffen. Rüttgers forderte die Konzernführung zu "ergebnisoffenen Gesprächen" auf. Die Pläne des Allianz-Vorstands berührten das Schicksal vieler tausend Beschäftigter und ihrer Familien. "Solche Ankündigungen darf man nicht machen, ohne den Mitarbeitern zu sagen, was aus ihnen wird", sagte Rüttgers.
Auch der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Oskar Lafontaine, reagierte mit Unverständnis auf den geplanten Jobabbau: "Die Manager kriegen den Hals nicht voll", erklärte Lafontaine in Berlin. "Um die Börsenkurse steigen zu lassen und so den eigenen Reichtum zu mehren, betreiben die Manager einen unverantwortlichen Stellenabbau."