Keine Garantie für SicherheitKritik an "schwarzer Liste"
Die von der EU ab April geplante "schwarze Liste" mit unsicheren Fluggesellschaften stößt bei Luftfahrtexperten auf große Skepsis. "Schwarze Listen verunsichern mehr, als dass sie nützen. Die Kriterien bleiben zu oberflächlich", so ein Vorstand der internationalen Pilotenvereinigung IFALPA.
Die von der Europäischen Union ab April geplante "schwarze Liste" mit unsicheren Fluggesellschaften stößt bei Luftfahrtexperten auf große Skepsis.
"Schwarze Listen verunsichern mehr, als dass sie nützen. Die Kriterien bleiben zu oberflächlich", sagte Georg Fongern, Vorstandsmitglied der internationalen Pilotenvereinigung IFALPA, am Mittwochabend im Luftfahrtpresseclub in Frankfurt. Das Luftfahrtbundesamt (LBA) hält das Ansinnen der EU, die Sicherheit im Luftverkehr durch einheitliche Verbotsregeln zu verbessern, zwar prinzipiell für richtig. Die Liste werde aber keineswegs alle unsicheren Fluggesellschaften dieser Welt aufführen, schränkte LBA-Präsident Ulrich Schwierczinski in der Expertenrunde ein.
Wenn seitens der EU-Verkehrsminister der Eindruck erweckt werde, Reisende könnten sich künftig mit einer "schwarzen Liste" weltweit einen Überblick über unsichere Fluggesellschaften verschaffen, sei das nicht richtig. "Denn auf eine von der EU veröffentlichte Liste geraten nur die Fluggesellschaften, die auch in Europa eine Einfluggenehmigung beantragt haben. Wer nicht auf der Liste steht, ist deshalb nicht automatisch eine sichere Fluggesellschaft", erläuterte Schwierczinski. "Eine Liste gaukelt in gewisser Hinsicht Sicherheit nur vor."
Das Problem seien ohnehin nicht die europäischen Fluggesellschaften, denn diese müssten ja die Mindeststandards erfüllen und würden auch regelmäßig überprüft. "Auch die Billigfluggesellschaften sind sicher", fügte der LBA-Präsident hinzu. "Das große Problemfeld ist Afrika", fügte er hinzu. In allen anderen Regionen habe die Luftverkehrsbranche viel für die Sicherheit getan. In Afrika mit lediglich rund drei Prozent des Weltluftverkehrs passierten 30 bis 40 Prozent der Flugunfälle.
Die EU-Staaten wollen erstmals im April eine einheitliche schwarze Liste für unsichere Fluggesellschaften veröffentlichen. Aus Sicht des Verbandes der in Deutschland präsenten Fluggesellschaften, Barig, ist bislang nicht geklärt, wann eine Fluggesellschaft auf die Liste gesetzt wird und unter welchen Bedingungen sie wieder als sicher gelte. "Die Flugverbote gelten europaweit. Anschließend aber entscheiden nationale Gremien. Das passt nicht", sagte Barig-Generalsekretär Martin Gaebges.
Die Verkehrsminister der 25 EU-Länder wollen mit der im Dezember beschlossenen einheitlichen Liste europaweite Flugverbote für gefährliche Fluglinien erreichen. Bislang haben Frankreich, Belgien und Großbritannien schwarze Listen erlassen. In den Nachbarländern können einige dieser Fluggesellschaften aber trotzdem starten und landen. Ziel der EU sind einheitliche Sicherheitsstandards. Auf der Sperrliste können sowohl Fluglinien aus der EU als auch aus anderen Staaten erscheinen.