Bank of America FavoritLehman bietet sich an
Im Ringen um eine Rettung der angeschlagenen US-Investmentbank Lehman Brothers haben sich die Ereignisse überschlagen. Nachdem ein Überleben der Traditionsbank infrage gestellt wurde, stellte sich das Bankhaus Kreisen zufolge komplett zum Verkauf. Nach einem Zeitungsbericht führt die Bank of America Gespräche mit Lehman.
Für die angeschlagene US-Investmentbank Lehman Brothers ist möglicherweise bald Rettung in Sicht. Als Favorit für eine Übernahme der 158 Jahre alten Traditionsbank wurde in Medien- und Analystenberichten die Bank of America (BoA) gehandelt. Die "Financial Times" (FT) berichtet unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise, dass sich die Bank of America mit dem Finanzinvestor JC Flowers und dem chinesischen Staatsfonds China Investment zusammen tun will.
Der für seine genauen Vorhersagen für Lehmans Entwicklung bekannte Analyst Richard Bove von Ladenburg Thalmann schrieb in einer Kundenmitteilung am Freitag: "Ich denke, dass die Bank of America die Auktion für Lehman Brothers gewinnen wird." Die beiden Geldhäuser passten einfach gut zueinander. Nachdem ein Überleben der Traditionsbank infrage gestellt wurde und ihr Aktienkurs am Donnerstag um mehr als 40 Prozent einbrach, stellte sich das Bankhaus Kreisen zufolge komplett zum Verkauf.
Keine Staatsgelder
Von staatlicher Seite kann Lehman offenbar nicht auf finanzielle Hilfe hoffen. Informationen aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen zufolge steht US-Finanzminister Henry Paulson auf dem Standpunkt, dass die krisengeschüttelte Bank bereits genügend Unterstützung durch die Zentralbank Fed habe. Außerdem hätten die Märkte anders als bei Bear Stearns genügend Zeit gehabt, sich vorzubereiten, verlautete weiter aus den Kreisen. Die Aktie von Lehman verlor an der Wall Street daraufhin weiter an Wert und gab zehn Prozent nach. Anleger befürchteten, das Geschäft könne doch noch platzen. An der Börse war auf ein Eingreifen des Staates spekuliert worden.
Das "Wall Street Journal" hatte ebenfalls berichtet, die Bank of America führe Gespräche mit Lehman. In anderen Medienberichten wurde Barclays als Interessent genannt. Am Donnerstag hatten sich im Ringen um eine Rettung der krisengeschüttelten Bank die Ereignisse überschlagen. Mehrere Geldhäuser nähmen derzeit Lehman genauer unter die Lupe, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Mindestens ein Konzern sei an einer vollständigen Übernahme interessiert. Am Mittwoch gab Lehman einen Quartalsverlust von 3,9 Mrd. US-Dollar bekannt. Das 1850 von deutschen Einwanderern gegründete Traditionshaus braucht dringend Kapital, um Verluste aus faulen Immobilienkrediten auszugleichen.
Analyst zuversichtlich
Lehman Brothers wird nach Ansicht eines Branchenexperten nicht kollabieren. Dank ihrer hohen kurzfristigen Liquidität könne die Bank überleben, sagte der Standard & Poor's Analyst Scott Sprinzen.. Darin eingeschlossen sei auch der Zugang zu Hilfen der Notenbank Fed. Lehman sei von jeher ziemlich konservativ aufgestellt gewesen und habe in den vergangenen Quartalen Kapitalreserven aufgestockt, hieß es weiter.
Die Krise bei Lehman erinnert stark an das Schicksal der US-Rivalin Bear Stearns: Die Investmentbank hatte im März wegen ähnlicher Schwierigkeiten auf Druck der US-Notenbank ihrem Zwangsverkauf zugestimmt. Die US-Bank JPMorgan zahlte für Bear Stearns nur einen geringen Preis.Auch andere Banken bekamen die Finanzkrise deutlich zu spüren. Die ebenfalls angeschlagene US-Bank Washington Mutual teilte am Donnerstagabend mit, wegen der Kreditmarktkrise mit weiteren Milliardenabschreibungen zu rechnen. Im zweiten Quartal hatte das Unternehmen wegen der Hypothekenkrise bereits 2,17 Mrd. US-Dollar in den Sand gesetzt.