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Forderung trotz AutokriseLohnstreit bei VW

13.02.2009, 12:47 Uhr

Bei Volkswagen zeichnet sich ein Tarifkonflikt ab. Der Konzernbetriebsrat besteht trotz Krise auf deutliche Lohnzuwächse. Die Forderungen werden mit einem sich abzeichnenden Gewinn des Konzerns für dieses Jahr begründet. Damit könnte auch der Burgfriede mit Porsche wieder in Gefahr geraten.

Die rund 95.000 VW-Beschäftigten in Westdeutschland sollen nach den Vorstellungen von Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh auch in der Autokrise Lohnzuschläge erhalten. "Wir wollen nicht schlechter behandelt werden als unsere Kollegen in der Automobilindustrie", sagte Osterloh. Er sprach sich damit für Lohnerhöhungen wie in der Metall- und Elektroindustrie aus.

Der kürzlich mit den Arbeitgebern vereinbarte Flächentarifvertrag, der bis auf VW für alle großen Autobauer gilt, sieht für dieses Jahr Lohnerhöhungen in zwei Stufen um 4,2 Prozent vor. Bei VW verhandelt die IG Metall traditionell einen Haustarifvertrag für die Beschäftigten in den sechs westdeutschen Werken aus. Dank des Haustarifs haben die VW-Mitarbeiter lange deutlich mehr verdient als Belegschaften anderer Autobauer. Im Zuge des Sparkurses bei VW ist der Lohnvorteil in den vergangenen Jahren aber fast verschwunden.

Osterloh, der dem Bundesvorstand der IG Metall angehört, sagte, über Lohnerhöhungen hinaus strebe der VW-Betriebsrat eine Altersteilzeitregelung ebenfalls nach dem Vorbild des Flächentarifvertrags an. Außerdem soll die Zahl der Auszubildenden und deren Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis langfristig abgesichert werden.

VW verdient auch mit kleinen Autos gut

Trotz der schärfsten Absatzkrise der Automobilindustrie seit Jahrzehnten erwartet Osterloh, dass VW dieses Jahr einen Gewinn ausweisen wird. "Ich gehe davon aus, dass der Konzern 2009 mit einem Gewinn abschließen wird. Wir werden Geld verdienen. Unser Ergebnis trägt sich auch mit kleinen Autos." Die Autobauer verkaufen wegen der Abwrackprämie für ältere Wagen derzeit vor allem Kleinwagen. Daran verdienen sie jedoch weniger als an großen Limousinen oder hochmotorisierten Geländewagen.

Dank des Absatzschubs durch die Abwrackprämie hat VW laut Osterloh derzeit keine Pläne für zusätzliche Kurzarbeit im Stammwerk in Wolfsburg. "Es bleibt hier bei der letzten Februarwoche", sagte er.

Burgfrieden mit Porsche muss sich erst bewähren

Nach dem Ende des Streits mit Porsche hofft Osterloh auf gute Beziehungen zu dem VW-Haupteigner: "Ich hoffe, dass sich der Frieden mit dem Porsche-Vorstand nicht nur auf die Zeit der Wirtschafts- und Finanzkrise beschränkt, sondern nachhaltig wirkt." Der VW-Betriebsrat hatte fast eineinhalb Jahre lang mit der Porsche-Arbeitnehmervertretung und der Unternehmensspitze von Porsche über die Mitbestimmung in der Porsche-Holding gestritten. Dabei hatten beide Seiten nicht mit persönlichen Angriffen gespart. Inzwischen zeichnet sich eine Einigung über einen neuen Mitbestimmungsvertrag ab, der laut Osterloh im März unterschrieben werden könnte.

Unter dem Dach der Holding werden der Stuttgarter Autobauer Porsche und der VW-Konzern zusammengeführt. Porsche hält 50,8 Prozent an VW und will die Beteiligung auf 75 Prozent ausbauen.