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Mittwoch, 27. September 2006

Klare Gründe für Insolvenzen: Meistens Management-Fehler

Managementfehler sind nach Angaben deutscher Insolvenzverwalter Hauptursache für den Zusammenbruch eines Unternehmens. Dazu zählen vor allem ein fehlendes Controlling, nicht erkannte Finanzierungslücken, ein unzureichendes Debitorenmanagement sowie eine autoritäre Führung mit dem starren Festhalten an alten Konzepten. Diese Schwächen hoben 125 Insolvenzverwalter in einer vorgestellten Studie des Kreditversicherers Euler Hermes in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Insolvenz und Sanierung an der Universität Mannheim (ZIS) hervor.

Zuviel Bürokratie

Als weitere Ursachen für eine Insolvenz wurden ungenügende Kommunikation im Unternehmen und mit Banken, Investitionsfehler und eine falsche Produktionsplanung genannt. Als äußere Einflüsse schlagen vor allem eine "extrem schlechte Zahlungsmoral von Kunden" sowie ein zu bürokratisch angewandtes Arbeits- und Sozialrecht zu Buche.

"Irrational, was da passiert"

Fehleinschätzungen bei der Unternehmensführung führen laut Studie dazu, dass Insolvenzanträge in der Regel zu spät gestellt werden. Fast alle Insolvenzverwalter sind überzeugt, dass bei früherer Antragstellung die Chancen auf Rettung des Unternehmens höher wären, hieß es. Aber vor allem die Angst vor Bloßstellung im Bekanntenkreis und in der Branche sowie Verdrängungs- und Abwehrstrategien ("Es wird schon wieder aufwärts gehen") seien wesentliche Motive für verspätete Anträge, berichtete Prof. Georg Bitter vom ZIS. Das sei typisch für inhabergeführte Firmen. "Es ist irrational, was da passiert."

"Stigma der Insolvenz" überwinden

Um die Möglichkeit der Sanierung zu erhöhen, muss nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden der Euler Hermes Kreditversicherungs-AG, Gerd-Uwe Baden, "das negative Stigma der Insolvenz überwunden werden". Denn im "typischen Insolvenzfall" rechneten mehr als die Hälfte der Verwalter mit einer Weiterführung des Unternehmens. Durch ihre Erfahrung seien sie im Grunde Unternehmensberater, sagte Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Markus Ernestus.

Die befragten Insolvenzverwalter bearbeiten derzeit rund 19.000 Fälle. Im 1. Halbjahr 2006 ging die Zahl der Firmeninsolvenzen laut Euler Hermes um rund 15,1 Prozent zurück. Der Versicherer rechnet nach früheren Angaben 2006 mit rund 35.000 Fällen (minus 5,0 Prozent) und erwartet im nächsten Jahr im Zuge der Mehrwertsteuererhöhung aber wieder einen "deutlichen Dämpfer". 2005 waren rund 168.000 Arbeitsplätze von Firmenpleiten betroffen.

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